Seit gut zwei Wochen können die Böblinger ihr Wasser wieder bedenkenlos nutzen. Trinken, Geschirr spülen, Obst und Gemüse waschen – alles kein Problem mehr. Davor hatte über eine Woche lang Ausnahmezustand geherrscht. Das Trinkwasser war verunreinigt, die Stadtwerke arbeiteten Tag und Nacht an Aufklärung.
Zwei Wochen später haben die Stadtwerke die Ursache mutmaßlich gefunden. Dass die Verunreinigung von außen kam, war bereits vor mehr als zwei Wochen klar gewesen. „Derzeit untersuchen die Stadtwerke mehrere Verdachtspunkte, bei denen ein Eintrag der Trinkwasserverunreinigung durch nicht fachgerecht angeschlossene Privatanlagen in das Trinkwassernetz möglich wären“, ließen die Stadtwerke am Freitagmittag mitteilen. „Dabei wurden bei einer Privatanlage Mängel festgestellt.“
Bauarbeiten, Hydranten, Sanierungen, Rohrbrüche: Vieles ist möglich als Ursache
Das klingt zwar noch recht vage, aber schon nach mehr Aufklärung als man das vor gut zwei Wochen zu hoffen gewagt hatte. Damals hatte Alfred Kappenstein, Technischer Geschäftsführer der Stadtwerke, gesagt: „Vielleicht erfahren wir die Ursache nie“. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Stadtwerke das Ursprungsgebiet der Verunreinigung auf das Flugfeld und die Umgebung eingrenzen können. Um herauszufinden, wie die Verunreinigungen von außen ins Trinkwassersystem kommen konnten, wurde das fragliche Gebiet gründlich inspiziert: Wo gab es Bauarbeiten, wo Zugriffe auf Hydranten, wo wurde saniert, gab es irgendwo Rohrbrüche?
Zwei Wochen später scheint man aus diesen Maßnahmen schlauer geworden zu sein. Offiziell benennen wollten die Stadtwerke die Ursache am Freitag nicht. Allerdings fügen sie zum Verdacht der falsch angeschlossenen Privatanlagen hinzu: „Die Anlage wird derzeit bereits umgebaut.“ Nach Informationen unserer Zeitung war der konkrete Grund ein Rohrbruch in dem Gebäude.
Einzelheiten zu der Immobilie, von der aus die Bakterien offenbar in das Trinkwassernetz gelangt sind, nennen die Stadtwerke aus Datenschutzgründen nicht. Nur so viel: „Die Analysen zur Ursache werden weiterhin fortgesetzt“, so die Stadtwerke. Dazu haben sie sich Unterstützung vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe geholt.
Das Wasser schmeckt und riecht nach Chlor
Seit der Entwarnung vor zwei Wochen waren alle Proben negativ auf E.coli und coliforme Keime getestet worden. Was bleibt, ist der Geruch und Geschmack von Chlor im Wasser. Denn weiterhin wird das Wasser gechlort, seit vergangenem Montag allerdings weniger als zuvor. Auch müssen die Stadtwerke seit vergangenem Montag nur noch zweimal pro Woche – anstatt wie zuvor täglich – Proben entnehmen. Das wurde in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt beschlossen, wie die Stadtwerke auf ihrer Webseite schreiben.
Am Freitag wurde auch mitgeteilt, dass die Beprobung im Netz ausgeweitet wird. Warum das so ist, wurde am Freitag nicht klar. Die Stadtwerke machten auch dazu keine Angaben.
Chronologie der Verunreinigung
Der Anfang
In Teilen Böblingens waren vor drei Wochen E.coli- und coliforme Bakterien, später auch Pseudomonas aeruginosa aufgetaucht. Daraufhin hatte das Gesundheitsamt ein so genanntes Abkochgebot verordnet. Täglich sind an verschiedenen Stellen Proben entnommen worden, und das Wasser wurde gechlort.
Das Ende
Nach über einer Woche wurden keine Bakterien mehr gefunden, das Abkochgebot wurde aufgehoben. Das Wasser wurde weiter gechlort. Auch Proben wurden nach wie vor täglich genommen – seit Beginn der Woche seltener.
Die Ursache
Die Suche nach den Ursachen lief ebenfalls durgehend und in Kooperation mit dem Technologiezentrum Wasser. Nun scheint die Ursache gefunden zu sein.