Trockenfrüchtespezialist Seeberger Apfel, Nuss und Mandelkern von der Donau

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Der Trockenfrüchtehersteller Seeberger profitiert vom Trend zu gesunder Ernährung. Am Stammsitz in Ulm wird die Belegschaft in den kommenden fünf Jahren stark aufgestockt.

Seeberger bezieht Rohware aus mehr als 40 Ländern, beispielsweise getrocknete Aprikosen aus der Türkei. Kontrolliert und verpackt wird die Ware in Ulm. Foto: Seeberger
Seeberger bezieht Rohware aus mehr als 40 Ländern, beispielsweise getrocknete Aprikosen aus der Türkei. Kontrolliert und verpackt wird die Ware in Ulm. Foto: Seeberger

Stuttgart - Ein Trockenfrüchtehersteller trocknet Früchte. Was sonst, mag man denken. Und wer im Ulmer Industriegebiet an der Donau das ausgedehnte Betriebsgelände der Seeberger GmbH sieht, mag sich hinter den hellgrauen Fassaden mit den bunten Paneelen lange Förderbänder vorstellen, auf denen Aprikosen, Weintrauben und Feigen getrocknet werden. Ein Irrtum. „Viele Besucher denken, dass wir das Obst hier trocknen“, sagt Ralph Beranek, einer der beiden Geschäftsführer des Familienunternehmens. Aber es wäre viel zu aufwendig und letztlich der Qualität nicht zuträglich, Ananas, Mango oder Bananen über Tausende von Kilometern zu transportieren und im vergleichsweise kühlen Mitteleuropa zu trocknen.

Um die hohen Standards zu halten, die Seeberger an sich und seine Lieferanten anlegt, müssen die Früchte reif geerntet und vor Ort gewaschen, gegebenenfalls geschält und geschnitten und anschließend getrocknet werden. „Feigen trocknen die Obstbauern teilweise direkt unterm Baum“, sagt Beranek. Tomaten werden in Süditalien unter freiem Himmel auf Gestellen getrocknet, die in Ostanatolien geernteten Aprikosen auf langen Planen. Mangos, Pflaumen und Apfelscheiben werden dagegen maschinell getrocknet.

Neue Lieferanten bräuchten drei bis fünf Ernten, bis sie die hohen Anforderungen der Ulmer verlässlich erfüllen könnten, sagt Beranek. Die Lieferanten – vom bäuerlichen Feigenbauern über die Anbaugenossenschaft für Aprikosen bis hin zu großen, schon fast konzernähnlichen Mandelproduzenten – bekämen von Seeberger spezielle Vorgaben zur Anbauweise, zum Einsatz von Spritzmitteln, zur Lagerung der Ware. „Letztlich bezahlen wir für die Selektion der Ernte“, betont Beranek. Seeberger nehme nur Waren ab, die von der Größe, der Farbe und der Beschaffenheit her erstklassig seien. „Manche Lieferanten hängen sich ein Schild an die Tür, um zu zeigen, dass sie für uns arbeiten.“ Das sei sozusagen der Ritterschlag.

Rohstoffe aus 45 Ländern

Seeberger verarbeitet im Jahr etwa 25 000 Tonnen Rohware. Das 1844 als Kolonialwarenladen gegründete Unternehmen bezieht seine Rohstoffe aus fast 45 Ländern: Macadamia-Nüsse stammen aus Australien, die Cranberries aus Kanada, die Kaffeebohnen aus Guatemala. Der allergrößte Teil der Waren wird in sortenreinen Containern verschifft und dann von den Überseehäfen mit der Bahn bis zum Güterbahnhof Dornstadt nördlich von Ulm gebracht. Die letzten 20 Kilometer bis zum Werkstor werden mit dem Lkw bewältigt.

Dort angekommen, werden die Kisten in das im September 2013 fertig gestellte vollautomatische Rohwarenlager einsortiert: unten bei drei bis vier Grad Celsius die Nüsse, oben bei zwölf bis 14 Grad das Obst. Damit nichts schimmelt, werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit permanent kontrolliert. Zudem wird die Ware vor der Weiterverarbeitung lebensmittelchemisch untersucht.

Die Kontrollen sind praktisch lückenlos: Bevor eine Charge verarbeitet wird, werden mehrere Dutzend Kilo entnommen. Aus dieser Probe wird anschließend eine homogenisierte Mischung hergestellt. Dann wird eine löffelgroße Portion davon im firmeneigenen Labor untersucht. Seeberger kann präzise nachverfolgen, woher eine Lieferung stammt. Bei Beanstandungen geht die komplette Lieferung zurück. Die Ulmer haben dieses Kontrollsystem schon Anfang der 80er Jahre eingeführt, das erst vor rund zehn Jahren zur Pflicht geworden ist.