Trommelkurs in Pleidelsheim Wie mit dem Trommeln auch Stress schwindet

Gabriele Koch gibt in ihrem Drum Circle Kurs den Rhythmus vor und hilft den Teilnehmern dabei, in den Takt zu finden. Foto: Werner Kuhnle

Einfach Lostrommeln und Spaß haben – das ist das Motto im Drum Circle von Gabriele Koch. Auch ohne Vorkenntnisse kann jeder beim Trommelkreis in Pleidelsheim teilnehmen und diverse Schlaginstrumente ausprobieren. Bald startet ein neuer Kurs.

Ludwigsburg: Nicole Töppke (top)

Gabriele Koch steht in der Mitte des Chorsaals im Alten Schulhaus in Pleidelsheim und gibt mit einer Percussion-Kuhglocke einen Rhythmus vor. Die Teilnehmer ihres Drum Circles, auf Deutsch Trommelkreis, sitzen im Stuhlkreis um sie herum und wiederholen den Takt auf den Schlaginstrumenten vor ihnen. Darunter Bass Drums, Djembes, Congas und ein Cajon. „Die Instrumente sind aus speziellem Kunststoff gefertigt, der auch in der Raumfahrt genutzt wird“, erklärt Kursleiterin Koch. „So können wir bei jedem Wetter auch draußen spielen.“ Die 60-Jährige übernimmt die Rolle des sogenannten Facilitators, was so viel wie Moderator bedeutet. „Ich helfe den Teilnehmern, in den Groove zu finden.“

 

Das Konzept stammt aus den USA

Sie sagt, sie sei schon immer musikalisch gewesen und wollte ihr Hobby unbedingt zum Beruf machen. So entschied sich die Diplom-Verwaltungswirtin im Ruhestand dazu, eine berufsbegleitende Ausbildung zur Rhythmuspädagogin an der Musikakademie Münsingen zu absolvieren. Dort lernte sie auch das Drum-Circle-Konzept kennen. Es basiert auf der Philosophie von Arthur Hall aus den USA. „Er hat das Trommeln für alle zugänglich gemacht“, erklärt Gabriele Koch. Die Idee: auch für Nichtmusiker das aktive Erleben musikalischer Phänomene wie das Gemeinschaftsgefühl erlebbar machen. „Beim Drum Circle benötigt man keine Vorkenntnisse“, sagt Koch. „Man trommelt einfach los und kann so die Sorgen und den Alltagsstress wegtrommeln.“

Das bewog zum Beispiel Andrea Raff aus Pleidelsheim dazu, einfach mitzumachen. „Ich bin total unmusikalisch, kann nicht singen oder ein Instrument spielen“, sagt die 58-Jährige. „Dadurch, dass man hier keine Vorkenntnisse braucht, habe ich es einfach mal ausprobiert.“ Besonders für den Stressabbau und zum Abschalten genieße sie die Abende. Auch die Gemeinschaft findet sie toll. „Wir sind eine lustige Runde und lachen viel“, sagt Andrea Raff.

Rund zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer treffen sich wöchentlich zum Drum Circle im Alten Schulhaus. Eineinhalb Stunden lang wird dann getrommelt. Jeder Teilnehmer spielt pro Drum-Circle-Session ein anderes Instrument. Eigentlich haben die Instrumente einen festen Platz im Stuhlkreis. „Aber wir sich da locker drauf“, sagt Gabriele Koch. Sie betont, dass der Spaß für sie im Vordergrund stehe. „Im Drum Circle kann man nichts falsch machen, außer man denkt, man macht etwas falsch.“ So können alle die Instrumente ausprobieren und herausfinden, welches am besten zu ihnen passt.

Verschiedene Übungen führen zu spannenden Rhythmen

Die Stunde beginnt sie mit einer Übung, die sich „Call and response“ nennt. Dabei spielt Koch einen Takt vor, den die Gruppe anschließend wiederholt. Daraus entsteht langsam ein fließender Rhythmus. Koch leitet die Gruppe an, indem sie in der Mitte steht und unterschiedliche Handzeichen gibt. Nimmt sie ihre Arme nach oben, soll lauter gespielt werden, gehen die Arme nach unten, werden die Trommeln leiser. Manchmal soll nur eine Seite leise und die andere laut spielen. Fängt Koch an zu springen, wird laut zum Takt der Sprünge getrommelt.

Die Gruppe passt sich den Hand- und Körperbewegungen der Kursleiterin an. Teilweise kommen auch Schilder zum Einsatz. „Zeige ich das Schild mit der Frau, sollen nur die Frauen spielen. Beim Schild mit dem Mann die Männer.“ Auch die Teilnehmer experimentieren mit unterschiedlichen Rhythmen und Taktfolgen, werden eins mit der Gruppe und entfernen sich langsam wieder. Anfangs kann es etwas herausfordernd sein, sich in den Rhythmus einzugliedern, doch nach kurzer Zeit machen die Finger alles wie von alleine. Die Köpfe und Füße bewegen sich im Takt. Die Freude am Spielen spiegelt sich in den Gesichtern wider.

Auch Tambourin und Agogo kommen zum Einsatz

Während der Session verteilt Gabriele Koch auch andere Instrumente in der Gruppe. Eine Frau begleitet die Trommelnden mit einem Rasselei. Auch andere Percussion-Instrumente wie ein Tambourin kommen zum Einsatz. Der Klang des Agogos sticht besonders heraus. Bei der nächsten Übung fängt ein Mitglied der Gruppe an zu spielen. Der Teilnehmer daneben setzt ein, wenn er einen passenden Rhythmus gefunden hat. „Das ist nur mit kleinen Gruppen möglich. Man hat die Möglichkeit zu hören, wie die anderen Instrumente so klingen“, erklärt Gabriele Koch. In größeren Gruppen sei es üblich, die Gruppe nach Instrumenten aufzuteilen. So spielen beispielsweise nur die Cajons oder die Bass Drums. „Das hat bei einer so kleinen Gruppe aber wenig Sinn.“ Die Gruppengröße wird beim Drum Circle nicht begrenzt. „Es ist eigentlich umso schöner, je mehr Leute mittrommeln.“

Der Spaß steht im Vordergrund

Adelbert Kramer kam in einem Frankreich-Urlaub erstmalig mit einem Drum Circle in Berührung. „Plötzlich kamen viele Menschen um die Ecke und haben losgetrommelt. Das hat mich sofort begeistert“, berichtet der 65-Jährige. Über einen Artikel sei er später auf den Kurs von Gabriele Koch aufmerksam geworden. Musikalisch ist Kramer schon immer, wie er sagt. Er sang im Chor und spielte Geige. Getrommelt habe er davor jedoch noch nie. „Bei der Geige muss man deutlich mehr Leistung bringen, dass es gut klingt.“ Dennoch probiert er in der Runde immer wieder auch kompliziertere Trommelrhythmen aus. „Es macht mir viel Spaß hier in der Gruppe“, sagt er.

Wie auch die anderen Kursteilnehmer würden Raff und Kramer nach den laufenden Kurseinheiten gerne weitertrommeln. Diesen Wunsch kann Koch erfüllen. Vom 4. Juni an wird es einen Folgekurs beim GSV Pleidelsheim geben. Dienstags alle 14 Tage trifft sich die Gruppe von 18.30 bis 20 Uhr im Alten Schulhaus in Pleidelsheim. Koch hofft auf viele neue Gesichter. „Je mehr es sind, umso besser werden die Sessions“, sagt sie.

Kursanmeldung per E-Mail an info@EinfachLostrommeln.de

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