Tübinger Curevac So ist der Hoffnungsträger gescheitert

Curevac konzentriert sich auf ein Vakzin der zweiten Generation. Foto: imago images/Ulmer Pressebildagentur
Curevac konzentriert sich auf ein Vakzin der zweiten Generation. Foto: imago images/Ulmer Pressebildagentur

Für Curevac ist es eine bittere Pille, dass der erste Corona-Impfstoff gefloppt ist. Die Hoffnungen ruhen auf einem Nachfolge-Vakzin. Wie es soweit kommen konnte.

Wirtschaft: Imelda Flaig (imf)
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48 Prozent – das war die entscheidende Zahl beim Absturz des Hoffnungsträgers. Der mRNA-Impfstoff des Tübinger Biotechunternehmens Curevac wirkte nur bei 48 Prozent der Patienten gegen eine Corona-Infektion, deutlich schlechter als bei Biontech oder Moderna. Das teilte das Unternehmen bereits Ende Juni mit. Eine Schocknachricht – allen voran für Peter Kremsner, der die weltweite Curevac-Impfstoffstudie geleitet hat und Direktor des Instituts für Tropenmedizin der Universität Tübingen ist.

Die Frage, die man sich stellte: Warum wirkte das Vakzin bei Testpersonen so schlecht? Kremsner vermutete, dass die Ursache in der niedrigen Dosierung lag. Bei Curevac waren in der Spritze nur zwölf Mikrogramm mRNA je Dosis enthalten, bei Biontech dagegen 30, bei Moderna sogar 100 Mikrogramm.

Zu geringe Dosierung?

Doch Curevac konnte in der Dosierung nicht höher gehen, weil in den Versuchen mit den ersten Probanden zu starke Nebenwirkungen zu beobachten waren.

Der Impfstoff an dem das Unternehmen auch mit staatlicher Unterstützung – der Bund ist über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit 17 Prozent beteiligt – seit Monaten intensiv arbeitete, blieb damit deutlich hinter anderen Corona-Impfstoffen zurück und auch hinter den Erwartungen der Investoren. Curevac-Aktien büßten massiv ein. Im Dezember 2020 etwa notierte die Curevac-Aktie bei rund 120 Euro, jetzt schwankt sie um die 35 Euro.

Ursprünglich hatte Curevac mit einer Zulassung für das zweite Quartel 2021 gerechnet. Daraus wurde nichts. Vieles kam beim Absturz des Hoffnungsträgers zusammen. Curevac selbst sprach von einem „herausfordernden Umfeld“. So hatte man es laut Unternehmen bei der Zulassungsstudie – mit rund 40 000 Teilnehmern – auch mit mindestens 13 Virusvarianten zu tun.

Bereits im September hatte Curevac erste Konsequenzen aus den enttäuschenden Studienergebnissen seines Covid-19-Impfstoffs gezogen und erste Produktionspartnerschaften zur Herstellung des Vakzins aufgegeben. Die Verträge mit Wacker und Celonic wurden beispielsweise gekündigt.

Vakzin der zweiten Generation als Hoffnungsträger

Das endgültige Aus kam diese Woche, als Curevac die Reißleine zog und mitteilte, die Arbeit an dem Covid-19-Impfstoffkandidaten der ersten Generation, CVnCoV, einzustellen und den Antrag bei der europäischen Arznei-Zulassungsbehörde zurückzuziehen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Bayer-Konzern ist damit hinfällig. Die bereits produzierten Dosen des Impfstoffes werden laut Curevac nun vernichtet,

Jetzt ruhen alle Hoffnungen auf dem Vakzin der zweiten Generation, einem Nachfolgepräparat, das die Tübinger gemeinsam mit dem britischen Pharmaunternehmen Glaxo Smith Kline entwickeln.

 

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