Tunnelbau für Stuttgart 21 Bahn will das Verfahren wechseln

Von Thomas Braun und Jörg Nauke 

Die Bahn hat beschlossen, bei der Tunnelgrabung für Stuttgart 21 auf ein maschinelles Vortriebsverfahren zu setzen.

Beim Tunneldurchbruch unter dem Gotthard war ebenfalls ein Spezialbohrgerät der Firma Herrenknecht im Einsatz. Foto: dpa
Beim Tunneldurchbruch unter dem Gotthard war ebenfalls ein Spezialbohrgerät der Firma Herrenknecht im Einsatz. Foto: dpa
Stuttgart - Die Bahn drückt aufs Tempo und schafft ungeachtet des ausstehenden Stresstests für den geplanten Tiefbahnhof bei Stuttgart 21 die Voraussetzungen für einen Beginn weiter gehender Arbeiten. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung hat der Tunnelbaumaschinen-Produzent Herrenknecht aus Allmannsweier bei Freiburg von der Bahn prinzipiell grünes Licht bekommen, mit der Herstellung des Bohrkopfs für den Bau des Fildertunnels zu beginnen.

Die Bahn ließ allerdings am Freitag auf Anfrage verlauten, es gebe hierzu noch keine Entscheidung. In Kreisen der Baubranche dagegen wird es als offnes Geheimnis gehandelt, dass der Konzern beschlossen hat, statt der im Planfeststellungsbeschluss festgeschriebenen Spritzbetonbauweise, bei der der Hohlraum abschnittsweise mit Beton und Stahlbögen stabilisiert werden muss, auf ein maschinelles Vortriebsverfahren zu setzen. Zudem bestätigte das Eisenbahnbundesamt als Aufsichts- und Genehmigungsbehörde auf Anfrage, dass die Bahn für den Fildertunnel und für den Tunnel zwischen dem Hauptbahnhof und Obertürkheim den Antrag auf ein weiteres Bauverfahren gestellt habe.

Herrenknecht hat an die CDU gespendet


Eine Entscheidung der Bahn, für die Tunnelgrabung Herrenknecht-Maschinen einzusetzen, wäre auch ein Politikum. Der Firmenchef Martin Herrenknecht ist ein vehementer Befürworter des umstrittenen Bahnprojekts, dem Aufsichtsrat des Unternehmens steht der Exministerpräsident Lothar Späth (CDU) vor, der wiederum Mitglied der Initiative Pro Stuttgart 21 ist. Die Projektgegner wittern auch deswegen Vetterleswirtschaft, weil Herrenknecht im Jahr 2009 70.000 Euro an die CDU gespendet hat. Für die Bahn dürften vor allem praktische Gründe für den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen sein.

Selbst der Gutachter der Projektgegner, Martin Vieregg, hatte der Bahn attestiert, mit diesem Verfahren ließe sich der knapp zehn Kilometer lange Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Flughafen günstiger, weil schneller herstellen als in herkömmlicher Bauweise. Herrenknecht ist Weltmarktführer, seine Produkte verfügen über ausgezeichnete Referenzen. Eine Maschine aus dem Schwarzwald hat etwa den Gotthard-Basistunnel in der Schweiz gegraben.

Allerdings muss das Eisenbahnbundesamt die Änderung der Pläne genehmigen - ein formaler Akt, der eine Verschiebung des Tunnelbaubeginns um mindestens ein Jahr zur Folge haben könnte, weil die geänderten Dokumente öffentlich ausgelegt werden müssten. Zur Verfahrensdauer will das Eisenbahn-Bundesamt derzeit keine Prognose abgeben. Den Zeitverzug könnte die Bahn freilich gut wegstecken, weil dafür der Tunnelbau wesentlich schneller vonstattenginge.

Der Konzern hat auch die Arbeiten für Logistikflächen und Baustraßen vergeben, und zwar an eine Arbeitsgemeinschaft (ARGE) bestehend aus den beiden Firmen Bickhardt Bau AG und Hartung Bau GmbH aus Hessen. Die neuen Logistikstraßen verbinden zukünftig die Baustellen im Bereich des Hauptbahnhofs mit der zentralen Logistikfläche am Nordbahnhof. Die Straßen verlaufen parallel zum Gleis 1, entlang der A1-Fläche (auf der die neue Bibliothek entsteht) in Richtung Eisenbahnunterführung und über die Rosensteinstraße. Die Projektsprecher Udo Andriof und Wolfgang Dietrich betonten, dadurch würden sowohl die Belastungen des öffentlichen Straßenverkehrs insbesondere in der Innenstadt als auch entstehende Emissionen durch die Baulogistik minimiert.