Der Sportunterricht könne zwar stattfinden, berichtet die Schulleiterin der Immanuel-Kant-Realschule, Heike Hauber. „Aber es kommt halt immer wieder Wasser rein“, sagt sie. Vor dem Sportunterricht müssten die Kollegen den Boden nach Pfützen absuchen, damit kein Kind ausrutscht und sich verletzt. „Es nervt, dass man nicht einfach unbedarft in die Halle kann“, sagt Hauber.
Sportunterricht und Training sind nur mit Einschränkungen möglich
Zum Verdruss trägt auch bei, dass das undichte Dach seit vielen Monaten immer wieder für neue nasse Überraschungen sorgt, ist von anderer Seite zu hören. Immer wieder werden neue Stellen entdeckt, an welchen es tropft – im Flur, in Nebenräumen und in der Turnhalle selbst. Sogar die Innenseiten der Trennwände waren schon voll mit Wasser gelaufen. Für die Schüler ist der Unterricht nur noch mit Einschränkungen möglich, das gilt auch für das Training von Vereinen. Wenn eine neue Pfütze in der Sporthalle entdeckt wird, wird der Bereich abgesperrt. Die herumstehenden Wasserauffangbehälter seien auch außerhalb der originären Sporthalle ein Hindernis, etwa in den Umkleiden.
Seit März gibt es die neue Gefahrstoffverordnung als Referentenentwurf beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Sobald die geänderte Fassung der Gefahrstoffverordnung in Kraft getreten ist, soll die Dachsanierung angegangen werden. Der entsprechende Baubeschluss war bereits im März vergangenen Jahres gefasst worden. Die Stadt möchte aber vor allem aus finanziellen Gründen auf die neue Gefahrstoffverordnung warten.
„Würden wir aktuell, ohne die Änderung der Gefahrstoffverordnung abzuwarten, das Dach abbrechen, müsste man mit Mehrkosten im Bereich von 300 000 bis 600 000 Euro rechnen“, erklärt der Bürgermeister Benjamin Dihm. Sollte die Änderung der Gefahrstoffverordnung kommen, so müsse voraussichtlich die Kleberschicht zwischen den Trapezblechen und der untersten Dachabdichtungsbahn nicht entfernt werden. Dadurch könne das Dach deutlich schneller wieder verschlossen werden. Bei jetziger Umsetzung müsse die Kleberschicht zwingend entfernt werden, was dazu führe, dass das Dach mehrere Tage offen stehe, was eine Interimsüberdachung notwendig machen würde.
Das Asbest sitzt in den Dachbahnen
Eine Gefahr für die Nutzer der Turnhalle besteht aus Sicht der Stadtverwaltung von Leinfelden-Echterdingen derzeit nicht. „Im bestehenden Dachaufbau wurden Dachbahnen verwendet, die asbesthaltig sind. Das Asbest wird jedoch nur freigesetzt, wenn die Dachbahnen entfernt werden und es zu einer Zerfaserung beim Material kommt“, teilt Dihm schriftlich mit. „Wird am Dachaufbau nichts abgebrochen, wird das Asbest auch nicht freigesetzt, da es in der bituminösen Dachbahn gebunden ist.“ Manche Nutzer haben trotzdem ein ungutes Gefühl. Immerhin läuft das Wasser durch das asbesthaltige Dach in die Halle.
Schulen und Vereine seien gebeten worden, jeden Wassereintritt sofort zu melden, so Dihm. Wichtig ist es der Verwaltung, dass die Halle trotz des schadhaften Dachs nutzbar bleibt und kein Schaden im Innern entsteht. Als erste Maßnahme würden nach einem Wassereintritt Auffangbehälter aufgestellt. Anschließend werde der Schaden so rasch wie möglich behoben.
Wann die Gefahrstoffverordnung in Kraft tritt, ist derzeit ungewiss. Allerdings ist das Ausbessern der Dachschäden aus Sicht der Stadt nicht so teuer, als dass sich das Warten nicht lohnen würde. Für die jüngsten Ausbesserungsarbeiten seien beispielsweise 1400 Euro bezahlt worden, so der Bürgermeister. Je länger das Dach jedoch undicht bleibt, desto größer sei die Gefahr, dass das eindringende Wasser den frisch sanierten Innenraum beschädige.
Wissenswertes zum Asbest
Gesundheit
Asbest ist eine Mineralfaser, die im Falle des Einatmens als krebserregend eingestuft wird. Gefährdet sind vor allem Handwerker, die bei ihrer Arbeit dem Stoff ausgesetzt sind. Die Herstellung und Verwendung von Asbest ist zwar schon seit mehr als zwanzig Jahren verboten. Das Thema ist aber, wie der Fall der Leinfeldener Sporthalle zeigt, immer wieder aktuell. Asbesthaltige Materialien wurden noch bis in die 90er-Jahre hinein verbaut. Sie stecken bis heute in zahlreichen Gebäuden.
Einsatz
Dass Asbest trotz der heute bekannten Gesundheitsgefahren lange in vielen Produkten gerne verwendet wurde, hängt mit seinen Eigenschaften zusammen. Asbest ist chemisch sehr beständig, unempfindlich gegen Hitze und nicht brennbar. Ferner weist es eine hohe Elastizität und Zugfestigkeit auf. Außerdem lässt es sich aufgrund seiner Bindefähigkeit mit anderen Materialien leicht verarbeiten.