TV-Kritik: Tatort aus Kiel Schön schaurig bis zum Schluss

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Nicht nur mit dem offenen Ende hat der NDR den Mut zu einem ungewöhnlichen „Tatort“ bewiesen– und einen wirklich spannenden Krimi produziert.

Digital Unit: Jörg Breithut (jbr)
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Stuttgart - Nein, dieses Mal ist der Täter am Ende nicht unter Tränen zusammengebrochen, hat nicht alles gestanden und sich widerstandslos festnehmen lassen. Ganz anders: er kommt davon. Und das ist gut so. Nicht nur mit dem offenen Ende hat der NDR den Mut zu einem ungewöhnlichen „Tatort“ bewiesen– und einen wirklich spannenden Krimi produziert.

Das offene Ende war da nur der folgerichtige Abschluss eines unterhaltsamen Sonntagabend-Thrillers aus Kiel. Die Folge „Borowski und der stille Gast“ rüttelte ordentlich an den Nerven der Fernsehzuschauer und endete so schaurig, wie er begonnen hatte. Ein schmieriger Spanner, der sich heimlich in die Wohnungen junger Frauen schleicht, deren Haare aus dem Abguss fischt und Brezelreste ableckt.

Schön schaurig, Lars Eidinger sei Dank. Der Schauspieler überzeugte in der Rolle des psychisch labilen Kai Korthals, der sich daran berauscht, die Privatsphäre alleinstehender Frauen auszuspähen. Ob schüchtern oder panisch: dank seiner überzeugenden Leistung war der Krimi spannend bis zum Schluss. Auch ohne das übliche Verdächtigen-Roulette.

Leider ist das Sibel Kekilli nicht so gut gelungen. Die Schauspielerin wirkte so starr in ihrer Rolle der Sarah Brandt gefangen, dass sie kaum zeigen konnte, was in ihr steckt. Der Spagat zwischen schlagfertiger Computerspezialistin und verängstigtem Stalkingopfer ist ihr spürbar schwer gefallen. Zudem hatte sie die undankbare Aufgabe, die Epilepsie-Problematik zu personalisieren. Ein wichtiges Thema, keine Frage. Dem werden die Drehbuchautoren allerdings nicht gerecht, indem sie die Krankheit so ungelenk ins Drehbuch pressen wie die computeranimierte U-Bahn, die in einer Szene ziemlich unvermittelt auf die Polizistin Sarah Brandt zurast.




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