TV-Tipp: Die neue ZDF-Krimireihe „Schwartz & Schwartz“ Achtung, der Hochstapler kommt!

Grundverschieden: Mads (Golo Euler, li.) und Andi Schwartz (Devid Striesow) Foto: ZDF 19 Bilder
Grundverschieden: Mads (Golo Euler, li.) und Andi Schwartz (Devid Striesow) Foto: ZDF

Das Konzept klingt banal, liefert aber einen starken Reihenauftakt: In „Schwartz & Schwartz“ im ZDF bekommt ein korrekter Polizist Probleme mit seinem windigen Bruder.

Kultur: Thomas Klingenmaier (tkl)

Stuttgart - Noch eine öffentlich-rechtliche Krimireihe, würde fast jeder brummen, braucht das deutsche Fernsehen so dringend wie der Hypernervöse eine Tasse starken Kaffee. Aber dann sitzt man staunend vor der Auftaktfolge von „Schwartz & Schwartz“ und möchte sofort mehr davon sehen. Dabei klingt die Grundidee erst einmal arg bemüht, wie ein mühselig aus müden Köpfen gequetschtes Konzept in einer Drehbuchsitzung mit der Vorgabe „Wir brauchen mal einen originellen Ansatz“. Vor allem wie ein Konzept, das schon mal im Papierkorb gelandet war und dann mutlos wieder entknüllt wurde, als die Kreativgruppe deprimiert kapituliert hatte, Motto: „Alles andere hatten wir halt schon.“ „Schwartz & Schwartz“ erzählt von zwei Brüdern, von denen der eine ein korrekter Kriminalbeamter, der andere ein windiger Privatdetektiv geworden ist.

Aber das Drehbuch- und Produktionsteam Eva Wehrum und Alexander Adolph, das bereits die ebenfalls außergewöhnliche ZDF-Krimireihe „München Mord“ entwickelt hat, flickt keine Restideen zur ärmlichen Lumpenpuppe zusammen, sondern lässt zusammen mit Regisseur Rainer Kaufmann und einem großartigen Ensemble von der ersten Szene an Leben entstehen. Die Auftaktfolge „Mein erster Mord“ zeigt, wie wichtig Tonarten, Details des Verhaltens und Sprechens, auch mal das Vertrauen auf Blicke und Gesten statt auf durcherklärende Dialoge sein können.

Keiner der üblichen TV-Polizisten

Wie Golo Euler als Mads Schwartz im Schnelldurchlauf Routinearbeiten beim Kriminaldauerdienst absolviert, bei jener Bereitschaftseinheit, die als erste an Tatorten eintrifft und später die Ermittlungen an Fachabteilungen abtritt, hat die ungewohnte Würze des Realitätsnahen. Dieser Cop, wird klar, muss mit ganz anderen Hürden und Schwierigkeiten klarkommen als normale TV-Kommissare. Er muss bei Einvernahmen auch viel bedachter, raffinierter, konzentrierter sein als sonstige Fernsehpolizisten, deren gerne Verhör genannte Brüll-, Droh- und Märchenstunden oft bloß ein lustiges Bällebad für Drehbuchautoren und Schauspieler sind.

Nachdem die Figur einmal so etabliert ist, wirkt auch ihr Privatleben nicht mehr wie die übliche Problemrucksackattrappe, die Serienpolizisten umgeschnallt bekommen, damit sie nicht wie Reviermobiliar wirken. Die Familie von Mads Schwartz gibt ihm Halt, sie fordert auch, sie bietet Angriffsflächen. Als der von Devid Striesow gespielte Bruder Andi endlich auftaucht, gewinnt dessen lügenfixes Hochstapler- und Gaunertum dadurch Substanz, dass es sich an der Solidität von Mads’ Leben reiben kann.

Schlauer Mediziner

Noch etwas, das eigentlich gar nicht mehr funktionieren dürfte und in dieser Variante doch überzeugt: Ulrich Noethen spielt den renommierten Mediziner Jasper, der in Verdacht gerät, seine Frau heimtückisch ermordet zu haben – so, dass alles wie ein tragischer Unfall aussieht und jeder Zweifel eines Polizisten als blinder Karriere­eifer oder brutaler Sozialneid abgebügelt werden kann.

Es ist eine eherne Regel des Fernsehkrimis, dass der teuerste Gastdarsteller als Schuldiger geheuert worden ist. Dieses Vorwissen macht Noethens Figur aber kein bisschen weniger interessant. Wehrum und Adolph widerstehen der Versuchung, einen großen Schauspieler detaillierte, selbstvergessene Selbsterklärungsmonologe deklamieren zu lassen. Jasper bleibt glaubhaft schmallippig. Wenn er Ausbrüche hinlegt, kann man sicher sein, dass das kalkulierter Werkzeugeinsatz ist.

Ein bisschen Luft muss bleiben

Der kinoerfahrene Regisseur Rainer Kaufmann („Die Apothekerin", „Ein fliehendes Pferd“) arbeitet stilsicher, ohne Mätzchen, ohne einer Szene je das Gefühl eines unwichtigen Überleitungsmoments zu geben. Nur der Schluss ist mit seinem Vertrauen in Selbstjustiz vielleicht ein wenig zu schlicht geraten. Aber es muss ja Luft bleiben, dass „Schwartz & Schwartz“ bei einem neuerlichen Einsatz auch etwas besser machen kann.

Ausstrahlung: ZDF, Samstag, 27. Oktober 2018, 20.15 Uhr




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