TV-Tipp „Ich bin Steve McQueen“ Der coolste Hund aller Zeiten

Der Hollywood-Tausendsassa Steve McQueen war Filmstar, Rennfahrer, Herzensbrecher und Stilikone. Arte zeigt eine flotte Doku über ihn, die Lust macht, seine Filme neu zu sehen. Gary Oldman allerdings erklärt, warum der Beiname „King of Cool“ der falsche für McQueen ist.

Bedrohlicher als jede Hassgrimasse: Steve McQueens zu allem bereite Abgebrühtheit in „Bullit“ Foto: dpa/Reisfeld 22 Bilder
Bedrohlicher als jede Hassgrimasse: Steve McQueens zu allem bereite Abgebrühtheit in „Bullit“ Foto: dpa/Reisfeld

Hollywood - Der Blick aus Steve McQueens blauen Augen konnte Stahltüren aufschweißen. Die Drohung, eine Karriere als Tresorknacker zu beginnen, war dabei noch eine der harmloseren Botschaften, die der Leinwandstar aus „Gesprengte Ketten“ (1963), „Bullit“ (1968) und „Getaway“ (1972) wortlos vermitteln konnte.

Der 1930 in eine kaputte Familie hineingeborene McQueen, der Teile seiner Jugend in einem Erziehungsheim verbrachte, konnte die Aggressivität allerdings fein dosieren. Er machte in dreckverspritzten Klamotten auf einem Geländemotorrad eine so gute Figur wie im maßgeschneiderten Dreiteiler mit Krawatte in „Thomas Crown ist nicht zu fassen“. Er konnte elegant, charmant oder bubenhaft sein – aber stets mit einem Unterton von Kraft, Wut und Rebellentum. Er war der coolste Hund, den Hollywood je hervorgebracht hat.

Süchtig nach Geschwindigkeit

Im flotten Dokumentarfilm „Ich bin Steve McQueen“ geben das neidlos auch Kollegen wie der Ausnahmeschauspieler Gary Oldman und der Ex-Bond Pierce Brosnan zu. Kunststück, könnte man sagen, McQueen ist seit 1980 tot, er macht einem keine Rolle mehr streitig. Aber man spürt: Was hier gesagt wird, geht über wohlfeiles Lobhudeln hinaus. Echte Bewunderung bricht da durch – McQueen war und bleibt ein Eroberer, ein Mann, dem man nicht widerstehen kann.

„Ich bin Steve McQueen“ montiert stets passgenau Filmzitate so, dass sie das Privatleben von McQueen illustrieren. Und das war nicht ohne. Der Mann, der seine Stunts am liebsten selbst absolvierte, war ein Geschwindigkeitssüchtiger. Er mischte in Auto- und Motorradrennen auf Profiniveau mit. „Ich weiß selbst nicht“, hat er gesagt, „ob ich ein Schauspieler bin, der nebenbei Rennen fährt, oder ein Rennfahrer, der nebenbei schauspielert.“

Der Mann, der was kann

Die Leidenschaft seiner Figuren für Muskelkarren und Extremsituationen war seine eigene. Der Adrenalinrausch auf der Leinwand war nicht gespielt, die Verführungskraft blieb keine Behauptung des Drehbuchs und kein Trick der Kamera, das Bedrohliche an ihm keine Augentäuschung. Umgekehrt war McQueens Leben jenseits der Filmkamera kein Posieren für die Paparazzi, kein Eitelkeitenprojekt: Er liebte, was er tat, und er kannte sich darin gut aus. An ihm scheitert die auf manchen passende Theorie, große Schauspieler brächten ihre Figuren aus der Verzweiflung heraus zum Leben, dass sie ihr eigenes Dasein ohne Drehbuch nicht auf die Reihe bekämen.

Seiner Wirkung war sich McQueen stets sicher. Wo andere Schauspieler darum kämpfen, noch ein paar Dialogzeilen mehr zu bekommen, strich er ganze Passagen aus Drehbüchern und entschied, das alles mit Blicken zu vermitteln. In „Ich bin Steve McQueen“ wird die Richtigkeit und Wucht dieser Methode an schön herausgesuchten Beispielen deutlich gemacht. Man will gleich alle seine großen Filme wiedersehen.

Einfach nur „Wow“

Kinder und Enkel, Ex-Frauen, Stuntmänner, Assistenten, Filmkritiker, Martial-Arts-Trainer, andere Autonarren, jüngere Kolleginnen von heute, die ihn gerne kennengelernt hätten, sowie der Regisseur Norman Jewison, der mehrfach mit McQueen gearbeitet hat, kommen in Jeff Renfroes Dokumentation zu Wort. In den ersten zwei, drei Minuten fürchtet man, dieser Wirbel von Begeisterung, Verzückung, Lobpreis und Verlustschmerz werde einem zügig auf den Wecker gehen. Aber dann trägt das Ganze souverän, bleibt in seiner Häppchenhaftigkeit nicht nur kurzweilig, sondern spannend, weil die Filmausschnitte, die Interviews mit McQueen, die Fotos, Heimvideos, Nachrichtenschnipsel von einst Mal um Mal vermitteln, dass man auf diesen Kerl eben vor allem mit einem großen „Wow“ reagiert.

Einen allerdings gibt es, der sich an der gängigen Würdigung von McQueen als King of Cool stört: Gary Oldman. Ihm ist sie - und man kann das hier rasch nachvollziehen – nicht gut und präzise genug. „Es gibt cool“, erklärt er, „und es gibt Steve McQueen.“

Ausstrahlungen bei Arte: Freitag, 13. Juli 2018, 21.45 Uhr; Samstag, 21. Juli 2018, 06.15 Uhr; Sonntag, 5. August 2018, 09.55 Uhr; abrufbar in der Arte-Mediathek vom 13. Juli bis 12. August 2018.