U 12 Hier informiert der Chef persönlich

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Die SSB AG beginnt den Bau der neuen U 12-Tunnel mit einem Termin auf der Baustelle.

Der Beginn der Tunnelröhren ist in der Baugrube vor der Bibliothek sichtbar. Am Ende wird die Grube eingeebnet. Foto: red
Der Beginn der Tunnelröhren ist in der Baugrube vor der Bibliothek sichtbar. Am Ende wird die Grube eingeebnet. Foto: red

S-Mitte - Zumindest unterschwellig schwingt die Botschaft mit: Nicht jeder, der im Erdreich der Landeshauptstadt Tunnel bohren lässt, taugt zum Feindbild. Doch, doch, sagt Winfried Reichle, „wir haben das ernsthaft prüfen lassen“. Hinter dem Hauptbahnhof wird die SSB AG einen Stadtbahntunnel aufgeben, wenn die zwei neuen Richtung Nordbahnhof fertig sind. Geprüft wurde der Gedanke, ob diese Röhre ein Ersatz sein könnte für den Club Röhre, den die Bahn zum Auszug aus seinen Räumen am Wagenburgtunnel gezwungen hat. Der Vorschlag scheiterte aber, weil die Wege zu steil und eng für Partybetrieb sind.

Reichle ist Infrastrukturchef der Straßenbahner. Mit ihm ist der Projektverantwortliche Markus Wittmann gekommen. Die Sicht der Stadt erklären Bernd Schröder vom Tiefbauamt und sein Abteilungsleiter Claus-Dieter Hauck. Vor der Bibliothek, im Container auf der Baustelle zur U 12-Trasse, wird Kommunikation nicht bürokratisiert, hier informiert der Chef – das ist Teil der Botschaft. Auch über Unangenehmes: 24 Stunden am Tag werden die Tunnel vorangetrieben. „Das werden die Anwohner schon hören, es können auch mal Gläser klirren“, sagt Reichle.

Dies ist der erste einer Reihe von Terminen, zu denen Journalisten eingeladen werden, damit sie wiederum der Öffentlichkeit erklären, was gerade warum geschieht. Anwohner können alles auf Flugblättern nachlesen, die sie in ihre Briefkästen geworfen bekommen. Im vergangenen Oktober gab es einen Informationstermin für alle, die das Projekt interessiert.

„Irgendwann wollen wir in Betrieb gehen“

Dass ein Vorhaben dieser Größe sich nicht geräuschlos abwickeln lässt, offenbart sich Laien schon beim Blick von der Heilbronner Straße aus in die Tiefe der ersten Baugrube. Stünde in ihr ein fünfstöckiges Haus, würden Autofahrer davon nur den Dachfirst sehen. Zum Ende der Bauarbeiten wird die gesamte Grube bis zum Niveau der Straße zugeschüttet.

Wie berichtet, sind die neuen Röhren nötig, weil der alte Stadtbahntunnel dem Tiefbahnhof im Weg ist. Selbstredend schmähen die S 21-Gegner die SSB, weil das Unternehmen in einer Zeit den Bau beginnt, in der ein Aus fürs Bahnprojekt zumindest erwogen wird. „Aber irgendwann wollen wir in Betrieb gehen“, sagt Reichle. Die neue U 12-Trasse beginnt in Vaihingen und endet in Remseck. Wegen des Teilstücks am Bahnhof wollen die Straßenbahner nicht ihren gesamten Plan opfern.

An die Röhren schließt eine 145 Meter lange Brücke über die Wolframstraße an, die für Fußgänger und Radfahrer benutzbar sein wird und für sie den Vorteil hat, dass sie zwischen Nord- und Hauptbahnhof keine steile Steigung mehr überwinden müssen. Der Bau der Brücke beginnt in den nächsten Wochen und soll anderthalb Jahre dauern. Allein er ist mit knapp sieben Millionen Euro kalkuliert.

Das Hauptproblem für die Bahnplaner ist bemerkenswerterweise der Straßenverkehr. Am Kurt-Georg-Kiesinger-Platz und an der Heilbronner Straße müssen Baugruben ausgehoben und dafür Fahrspuren verschwenkt werden. Um die Autofahrer nicht mehr als nötig zu behindern, werden zwei provisorische Brücken gebaut.

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