Ludwigsburg: Berkan Çakir (bec)

Seit dem Baubeginn vor drei Jahren wird auch Jochen Rach vom Pech verfolgt. Ihm begegnet man auf einem Minigolf-Platz an der Galileistraße, wo er die Bahnen mit Wasser sauber spritzen will, aber mit einem Leck in seinem Gartenschlauch zu kämpfen hat. „Halten Sie mal bitte den Schlauch“, ruft er. Dann dreht er das Wasser ab und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

„Um die 40 Prozent“, sagt er auf die Frage, wie viel Verlust er in den dreieinhalb Jahren ungefähr gemacht hat. Rach ist der Besitzer vom Galileo Minigolf-Tennis-Park, zu der auch die große Traglufthalle gehört, in der sich zwei Tennisfelder befinden. In dem Pneu herrscht gähnende Leere. Statt dem poppenden Geräusch der Tennisschläger, die gegen den Ball hauen, hört man lediglich das Rauschen der Lüftung. Auch die zwei Felder im Freien sind unbenutzt.

„Seitdem hier gebaut wurde, ging es bergab. Die Leute sind zum Spielen lieber nach Möhringen gegangen“, berichtet der Tennisplatzbetreiber. Zeitweise sei die Zufahrt zu seinem Gelände komplett gesperrt gewesen. Auch die verpachtete Gaststätte nebenan habe Einbußen zu verzeichnen. Wie viel genau, kann er nicht sagen. „Aber wenn hier jeden Tag der Bagger lärmt und der Presslufthammer schellt, kann man sich vorstellen, dass viele Kunden deshalb wegbleiben“, sagt Rach. Dass hier durch die neue Endhaltestelle irgendetwas besser wird, glaubt er nicht. Rach sagt, er wäre schon zufrieden, wenn die abgewanderten Kunden irgendwann wieder kommen.

SSB hat Verständnis für Sorgen der Bürger

Die SSB äußert Verständnis für die Bürger, die unter dem Ausbau der U12 nach Dürrlewang zu leiden hatten. „Es war klar, dass die Baumaßnahme ein Herausforderung wird. Ziel war es, den Verkehr weiterhin aufrecht zu erhalten und zusätzlich die Interessen der Anlieger zu berücksichtigen“, sagt Projektleiter Marco Saturno. „Die Sperrungen waren notwendig, um bauen zu können. Wir hatten intensiven Kontakt mit den Anliegern und haben mit der Beschilderung versucht, ihnen so gut wie möglich zu helfen.“

Jochen Rach bestätigt die Hilfsbereitschaft der SSB. An der Gesamtsituation habe das aber nichts geändert. Vor seinem Mini-Golf-Platz pendelt inzwischen die U12 schon fleißig hin und her. Die Eröffnungsfeier am Freitag den 13. ist zu Ende. Die Dürrlewanger können diesem angeblichen Unglückstag durchaus auch etwas positiv abgewinnen. „Gott sei Dank ist das alles jetzt vorbei“, sagt der Schneider Filippidis. Von nun an sollen die Dinge in Dürrlewang wieder den gewöhnlichen Lauf nehmen.

Einer von ihnen ist Stilianos Filippidis. Seine Modeschneiderei befindet sich direkt an der neuen Endhaltestelle. Seit 1994 schneidert der Mann, der bei der Arbeit stets das Schneidermaßband um den Hals hängen hat, die Kleidung der Menschen aus Dürrlewang und dem Umkreis.

„Die Dürrlewanger sollen doch froh sein“, sagt einer seiner Kunden von der Rohrer Höhe. Filippidis steht hinter seiner Ladentheke, nimmt gerade das Maß einer Hose und muss lachen. Sein Kunde könne ja nicht mal ahnen, wie es in Dürrlewang während der dreijährigen Bauzeit zuging. Von einer „Katastrophe“ spricht der Schneider: „Die Straßen waren morgens frei und nachmittags plötzlich gesperrt. Man wusste nie, was einen erwartet. Oft mussten ich und meine Kunden weite Umwege fahren, um zu meinem Laden zu gelangen“, sagt er. Für viele Anwohner seien die Umleitungen so unerträglich gewesen, dass sie über einen naheliegenden Feldweg den Heimweg abgekürzt hätten: „Die hat die Polizei dann erwischt und sofort Strafzettel verteilt“, berichtet Filippidis.

SSB hält die Strecke für rentabel

Auch viele Kunden, die in die Schneiderei des gebürtigen Griechen ein- und ausgehen, sind nicht gut auf die neue Endhaltestelle zu sprechen. Manch einer verzieht entnervt den Mund, andere winken nur ab. Darunter auch der 69-jährige Kurt Ramsaier. Er habe von Anfang keinen Grund für eine Bahnverbindung nach Dürrlewang gesehen: „Denn mit dem Bus hat ja alles prima geklappt“, sagt der Rentner. Dann staunt er immer wieder über das dafür ausgegebene Geld: „25 Millionen Euro!“, sagt er und schüttelt fassungslos den Kopf. Dabei sei die S-Bahn in Rohr ja gleich ums Eck.

Laut SSB-Pressesprecherin Susanne Schupp zeige eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung für die Strecke nach der – wie es im schönsten Verwaltungsdeutsch heißt – Verfahrensvorschrift der „Standardisierten Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen des ÖPNV“ aber, dass der Ausbau durchaus lohne. Die Rechnung habe sogar den höchsten Wert erzielt, der bisher in Stuttgart für Stadtbahnprojekte nachgewiesen wurde. „Mittelfristig sollen 6000 Fahrgäste transportiert werden“, so Schupp.

Bäckerei Mausser lief die Kundschaft davon

Keine hundert Meter von Filippidis‘ Modeschneiderei entfernt, in Richtung eben jener S-Bahn-Haltestelle in Rohr, befindet sich ein kleiner Park, wo sich auf der einen Seite mehrere Wohngebäude und auf der anderen die Dürrlewanger Einkaufspassage erstrecken. Ortsansässige berichten, dass hier schon seit der Eröffnung der Schwabengalerie in Vaihingen nicht mehr viel los sei. Durch die Umbaumaßnahmen für die U12 sei es aber noch schlimmer geworden.

Entlang der Passage gibt es neben einem Supermarkt und einem Fitness-Studio auch die Bäckerei Mausser, die hier seit 1958 steht. Vor dem Eingang hat Gabriele Mausser einige Tische und Stühle im Schatten der Bäume aufgestellt. Zwei Kunden trinken dort einen Kaffee. Im Laden selbst stehen mehrere Leute in der Schlange und warten auf Brot, Brötchen und süße Stückchen. Es sieht so aus, als liefe das Geschäft hier immer noch ganz passabel.

Warten auf bessere Zeiten

Doch fragt man Gabriele Mausser nach den vergangenen drei Jahren, stößt sie einen tiefen Seufzer aus. Auch ihre Bäckerei hat unter den Folgen der Baumaßnahmen gelitten. Eigentlich, sagt sie, will sie nicht meckern, aber eine Sache tue ihr besonders leid: „Wegen der Straßensperrungen war mein Laden schwer zu erreichen. Ich habe dadurch viele Stammgäste verloren, die hier morgens zum Gewerbegebiet durchfahren. Sie haben sich alle einen anderen Bäcker gesucht“, sagt sie.

Mausser blieb nichts anders übrig, als auf bessere Zeiten zu warten. „Vielleicht kommen sie ja jetzt wieder“, sagt die Bäckerin, „Und vielleicht wird Dürrlewang ja jetzt wieder besser.“

Kein Spielbetrieb im Tennis-Park

Seit dem Baubeginn vor drei Jahren wird auch Jochen Rach vom Pech verfolgt. Ihm begegnet man auf einem Minigolf-Platz an der Galileistraße, wo er die Bahnen mit Wasser sauber spritzen will, aber mit einem Leck in seinem Gartenschlauch zu kämpfen hat. „Halten Sie mal bitte den Schlauch“, ruft er. Dann dreht er das Wasser ab und wischt sich den Schweiß von der Stirn.

„Um die 40 Prozent“, sagt er auf die Frage, wie viel Verlust er in den dreieinhalb Jahren ungefähr gemacht hat. Rach ist der Besitzer vom Galileo Minigolf-Tennis-Park, zu der auch die große Traglufthalle gehört, in der sich zwei Tennisfelder befinden. In dem Pneu herrscht gähnende Leere. Statt dem poppenden Geräusch der Tennisschläger, die gegen den Ball hauen, hört man lediglich das Rauschen der Lüftung. Auch die zwei Felder im Freien sind unbenutzt.

„Seitdem hier gebaut wurde, ging es bergab. Die Leute sind zum Spielen lieber nach Möhringen gegangen“, berichtet der Tennisplatzbetreiber. Zeitweise sei die Zufahrt zu seinem Gelände komplett gesperrt gewesen. Auch die verpachtete Gaststätte nebenan habe Einbußen zu verzeichnen. Wie viel genau, kann er nicht sagen. „Aber wenn hier jeden Tag der Bagger lärmt und der Presslufthammer schellt, kann man sich vorstellen, dass viele Kunden deshalb wegbleiben“, sagt Rach. Dass hier durch die neue Endhaltestelle irgendetwas besser wird, glaubt er nicht. Rach sagt, er wäre schon zufrieden, wenn die abgewanderten Kunden irgendwann wieder kommen.

SSB hat Verständnis für Sorgen der Bürger

Die SSB äußert Verständnis für die Bürger, die unter dem Ausbau der U12 nach Dürrlewang zu leiden hatten. „Es war klar, dass die Baumaßnahme ein Herausforderung wird. Ziel war es, den Verkehr weiterhin aufrecht zu erhalten und zusätzlich die Interessen der Anlieger zu berücksichtigen“, sagt Projektleiter Marco Saturno. „Die Sperrungen waren notwendig, um bauen zu können. Wir hatten intensiven Kontakt mit den Anliegern und haben mit der Beschilderung versucht, ihnen so gut wie möglich zu helfen.“

Jochen Rach bestätigt die Hilfsbereitschaft der SSB. An der Gesamtsituation habe das aber nichts geändert. Vor seinem Mini-Golf-Platz pendelt inzwischen die U12 schon fleißig hin und her. Die Eröffnungsfeier am Freitag den 13. ist zu Ende. Die Dürrlewanger können diesem angeblichen Unglückstag durchaus auch etwas positiv abgewinnen. „Gott sei Dank ist das alles jetzt vorbei“, sagt der Schneider Filippidis. Von nun an sollen die Dinge in Dürrlewang wieder den gewöhnlichen Lauf nehmen.

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