Udo-Jürgens-Songs bei „Sindelfingen rockt“ „Aber bitte mit Sahne“ auf dem Marktplatz
Udo-Tribute-Band rund um Gert Prix beschließt die Reihe „Sindelfingen rockt“ – und die Menge singt die meisten der Schlager gut gelaunt mit.
Udo-Tribute-Band rund um Gert Prix beschließt die Reihe „Sindelfingen rockt“ – und die Menge singt die meisten der Schlager gut gelaunt mit.
Es gibt zwei Hits von Udo Jürgens, in denen das Menschenalter eine Rolle spielt. Jürgens textete unter anderem „17 Jahr, blondes Haar“ und mit „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“. Zwischen 17 und 66 Jahren lag wohl auch das Alter der allermeisten begeisterten Zuschauer auf dem gut gefüllten Marktplatz, die dieses Abschlusskonzert der Reihe Sindelfingen rockt keinesfalls versäumen wollten.
Die Udo Tribute Band um den gebürtigen Österreicher Gert Prix zeigte sich bei ihrer klingenden Hommage an den deutsch-österreichischen Popkünstler bestens aufgelegt. Kein Wunder, denn Prix hielt viele Jahre lang Kontakt zu seinem Vorbild und durfte sogar einmal gemeinsam mit ihm ein Konzert realisieren. Der vor acht Jahren in der Schweiz verstorbene Jürgens galt als der Gentleman-Pop-Künstler, was sicher auch in seiner wohlerzogenen Art und seinem stets gepflegten Outfit lag. Und so durfte bei der Zugabe der Udo Tribute Band natürlich auch der weiße Bademantel nicht fehlen. Veranstalter Johannes Leichtle gesellte sich in einem schwarzen Bademantel dazu. Die Crew trug wiederum weißes Frottee.
Das nette Schwiegersohn-Image von Udo Jürgens war allerdings Täuschung. Er war kein Kostverächter, was den Umgang mit dem weiblichen Geschlecht anging, ebenso mit dem Alkohol. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bekannte er: „Wir sind jeden Abend voll ins Bett gefallen.“ Aber beim echten Udo Jürgens gab der Körper rechtzeitig einen Warnschuss ab, seitdem galt er als solide.
Diesen Eindruck hinterließ auch Gert Prix, der wie Jürgens glänzend Klavier spielte. Egal wie man zur Musik von Udo Jürgens steht: Sie ist ungeheuer vielgestaltig, umfasst Schlager, Popsongs und rassige Rocknummern. Prix und seine hervorragend spielenden Musiker beherrschen diese Bandbreite ausgezeichnet. Sympathisch war auch, dass Prix seine Musiker einzeln vorstellte. Spaß gemacht haben auch die weitgehend gut verständlichen Moderationen.
Dabei erntete Leichtle mit seiner Verpflichtung der Udo Tribute Band zunächst Irritationen, weil ein deutschsprachiger Schlagersänger und Popkünstler vielleicht nicht ganz in diese Reihe passen würde. Leichtle: „Dann scheinen sich etliche Leute aber mit der musikalischen Karriere und Qualität von Udo Jürgens beschäftigt zu haben und kamen sehr positiv gewandelt zum Konzert.“ Was Leichtle allerdings ärgert ist die Tatsache, dass Gäste ihre eigenen Bierdosen mitbringen, sich auf die Stühle des Veranstalters setzen und den Müll einfach in der Gegend rum liegen lassen. Leichtle: „Die Veranstaltung lebt finanziell zum großen Teil von den Sponsoren, auch von etlichen Gastronomen. Wir sind darauf angewiesen, dass die am Abend Umsatz machen. Alles in allem äußerte sich der Veranstalter aber zufrieden, denn an den fünf Abenden habe auch das Wetter mitgespielt und für insgesamt 20 000 Zuschauer gesorgt.
Auch jüngere Zuschauer, die nicht gerade zur Generation Udo Jürgens gerechnet werden können, äußerten sich rundweg positiv: „Mir gefällt alles sehr gut, vor allem der Sänger. Auch die Band spielt super. Die Songs gehören zwar nicht zu unserem Alltag, aber sie hören sich alle prima an.“ Das klingt wie ein Beleg für den Satz, den Udo Jürgens in besagtem Interview auch äußerte: „Die Musik ist die Einzige, die mir immer treu geblieben ist.“ Und ein 70-jähriger meinte: „Das Ganze hätte auch viel länger dauern können.“
Gert Prix hat nicht nur figürlich Ähnlichkeit mit Udo Jürgens, auch sein Stimmtimbre kommt dem Original sehr nahe. Als gebürtiger Kärntner ist der Sprach-„Slang“ durchaus passend. Am Ende des Abends konnte man die Gewissheit mit nach Hause nehmen, dass die Musik von Jürgens zur Kategorie der erfolgreichsten ihres Genres gehört. Was auch die Songs zur deutschen Fußballmannschaft bei der WM 1978 „Buenos Dias Argentina“ oder aus dem Musical „Ich war noch niemals in New York“ unterstreichen.
Jürgens komponierte nicht nur für sich, sondern auch für andere Popgrößen wie Sammy Davis Junior, Frank Sinatra oder Shirley Bassey. Helene Fischer und Roland Kaiser gehören zu seinen Interpreten. Natürlich durften auch einige der anderen, rund 1000 Songs nicht fehlen, wobei erstaunlich viele in der Lage waren, mitzusingen: Mathilda, Senorita, 17 Jahr blondes Haar oder griechischer Wein, womit die Frauen und der Alkohol auch musikalisch vorkamen. Nicht zu vergessen Merci, Chéri – womit Jürgens den Eurovision Song Contest gewann.
Am 3. September spielt die Udo Tribute Band auf dem Leonberger Strohländle.