Herausragende Persönlichkeiten der Kunstszene präsentiert unsere Gesprächsreihe „Über Kunst“ in der Staatsgalerie. Nächster Gast ist am 5. Dezember Ulla von Brandenburg.

Als Ulla von Brandenburg 2013 in der Hamburger Kunsthalle ihren Werkzyklus „Das Versteck des W.L.“ präsentiert, wählen die Kunsthallen-Verantwortlichen große Worte: „Ulla von Brandenburg“, heißt es seinerzeit, „bedient sich in ihrem künstlerischen Werk der Zeichnung, der Installation, der Performance und des Films.“ Und weiter: „Ihre vielfältigen Quellen stammen beispielsweise aus den Bereichen Literatur, Psychoanalyse, Theater, Fotografie sowie Zirkus.“ Was sich daraus entwickelt? „Ein Bildvokabular, mit dem sie doppeldeutige und faszinierende Geschichten erzählt.“

Gefeiert für „Walküre“ in der Oper Stuttgart

Fast zehn Jahre und zahllose große internationale Auftritte später bestätigt die 1974 in Karlsruhe geborene und heute in Paris und Karlsruhe lebende Ulla von Brandenburg seit Jahresbeginn in Stuttgart ihre künstlerische Programmatik auf furiose Weise. Zeitgleich nahezu triumphiert die Installations- und Bühnenkünstlerin im April im Opernhaus in der Neuinszenierung von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ mit ihrer Interpretation des dritten Aufzugs der „Walküre“ – und lässt das Publikum in der Staatsgalerie über ihre Raumverwandlungen staunen in ihrem Beitrag zu dem Ausstellungsereignis „Moved by Schlemmer“ .

Ulla von Brandenburgs Szenerie für den Sparda-Kunstpreis im Kunstmuseum Stuttgart Foto: UvB

Mehr noch: Wie Camill Leberer und Ülkü Süngün für den Sparda-Kunstpreis Kubus nominiert, macht Ulla von Brandenburg für die Kubus-Schau (zu sehen bis 8. Januar 2023) wie schon im Frühjahr die Staatsgalerie nun das Kunstmuseum Stuttgart zur Bühne. Anders aber als im Frühjahr in der Staatsgalerie und anders auch als bei Ulla von Brandenburgs international gefeierten Anverwandlung des Palais de Tokyo in Paris 2020, ist die Farbigkeit in der ersten Etage des Kunstmuseums deutlich zurückgenommen.

Neue Töne im Kunstmuseum Stuttgart

Erschütterung wird spürbar, und in den auf Stoffbahnen projizierten Videofilmen kommt dem Zweifel eine spürbar starke Rolle zu. Und doch scheint Ulla von Brandenburgs Glaube an die Kraft der künstlerischen Poesie stärker denn je – über zwei Etagen hinweg entwickelt sich im Oberlichtsaal mit Stoffen aus der Warschauer Oper eine Raummalerei voll kunsthistorischer Kenntnis und eigener Sinnlichkeit.

Ob dieser magische Moment den Ausschlag gibt? Die Jury des mit 20 000 Euro dotierten Sparda-Kunstpreises Kubus entscheidet sich Anfang November für Ulla von Brandenburg als Preisträgerin. Und auch Martin Hettich, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Baden-Württemberg ist beeindruckt: „Ulla von Brandenburg verwendet eine spannende und zugleich komplexe Kombination aus Methoden und Vorgehensweisen des Theaters, um sich gesellschaftlichen Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu nähern“, sagt Hettich unserer Zeitung. Und: „Sie bereichert so den gerne auch kontrovers geführten Diskurs, der gerade für unsere heutige Gesellschaft so essenziell ist.“ Hettichs Fazit:„Für uns ist sie eine absolut würdige Preisträgerin.“

Detail aus Ulla von Brandenburgs Installation „Maskiert und vor allem – verschwiegen“ in der Staatsgalerie Stuttgart Foto: UvB

Wie aber entstehen Ulla von Brandenburgs raumgreifende Werke, ihre „räumlichen Inszenierungen“? Welche gesellschaftlichen Bezüge hat ihre Kunst? Was bedeutet ihr Satz: „Ich finde es gut, wenn Kunst auch vergeht“? Wie bewusst steht Ulla von Brandenburg im Spannungsfeld zwischen ehemaligen Lehrerpersönlichkeiten wie Günter Förg an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und Franz Erhard Walther an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg? Was bedeutet ihr das für ihr Werk unumgängliche partizipativer Arbeiten? Und wie sieht die Professorin an der Kunstakademie Karlsruhe (seit 2016) ihre Position als Lehrende? Über diese und andere Fragen spricht Ulla von Brandenburg am Montag, 5. Dezember, als Gast in der Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Staatsgalerie Stuttgart. Beginn ist um 19.30 Uhr.

Großer Ankauf für die Staatsgalerie

„Maskiert und vor allem – verschwiegen“ betitelt Ulla von Brandenburg ihre Installation in der Szenerie „Moved by Schlemmer“ im Frühjahr in der Staatsgalerie Stuttgart. In der dunkelgelb gehaltenen Szenerie warten clownesk anmutende Kostüme, Reifen, Stäbe und eine Kugel auf Aktivierung. Die Freunde der Staatsgalerie haben mit einem Ankauf reagiert: Von 2023 an wird „Maskiert und vor allem – verschwiegen“ als Dauerleihgabe in den Sammlungsräumen der Staatsgalerie zu sehen sein. Ihr „Stuttgart-Jahr“ dürfte die Kubus-Preisträgerin auch deshalb in besonderer Erinnerung behalten.

So können Sie dabei sein

Was?
 Näher dran an herausragenden Persönlichkeiten der Kunstszene – dies ermöglicht die Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Staatsgalerie Stuttgart (Konrad Adenauer-Straße 30–32). Nächster Gast ist am Montag, 5. Dezember, die international renommierte Installations- und Bühnenkünstlerin Ulla von Brandenburg.

Wer?
 Ulla von Brandenburg, 1974 in Karlsruhe geboren, zählt zu den bekanntesten deutschen Künstlerinnen ihrer Generation. Kennzeichnend für ihre Arbeit ist die Verbindung unterschiedlichster künstlerischer Äußerungsformen in einer temporären und ortsbezogenen Präsentation.

Wo?
 Die Gesprächsreihe „Über Kunst“ findet statt im Vortragssaal der Staatsgalerie Stuttgart (Stirlingbau). Beginn am 5. Dezember ist um 19.30 Uhr (Einlass  18.30 Uhr).

Wie?
 Der Eintritt am Montag, 5. Dezember, zum „Über Kunst“-Gespräch mit Ulla von Brandenburg ist frei. 200 Leserinnen und Leser können dabei sein. Eine Anmeldung ist hier erforderlich.