Ein Ludwigsburger Kriminalfall hat am Mittwochabend deutschlandweit Aufmerksamkeit in der ZDF-Sendung Aktenzeichen XY erhalten. Kriminalhauptkommissar Thomas Erwerle vom Polizeipräsidium Ludwigsburg präsentierte einen Fall, der sich im Oktober 2022 in der Barockstadt zugetragen hatte und zu dem die Polizei weiterhin Zeugen sucht. Konkret geht es um einen Tankstellenüberfall, der am 6. Oktober 2022 gegen 5 Uhr morgens in der Friedrichstraße 160 in Oßweil begangen wurde.
Gerangel im Eingangsbereich
In der für die Sendung typischen Art wurde zunächst das Geschehen in der Tankstellen an jenem Morgen mit Schauspielern dargestellt. Aus der Sicht der 56-Jährigen, die bei dem Überfall schwer verletzt wurde. Die Angestellte arbeitete früh morgens alleine in einer Tankstelle. Plötzlich stürmen zwei Männer herein – einer hat ein Messer dabei. Sie haben es auf die Bargeldbestände der Tankstelle abgesehen.
Während einer der Männer die Angestellte in Schach hält, macht sich sein Komplize an den Kassen zu schaffen. Immer wieder sagt einer der Männer zu der Frau: „Wir tun sie nichts.“ Nach kurzer Zeit gelingt es dem anderen, eine Kassenlade zu öffnen und Geld zu entwenden. Dann flüchten die Täter – doch im Eingangsbereich kommt es zum Gerangel mit dem Opfer. Am Ende können die beiden Männer in unterschiedliche Richtung entkommen. Die Beute: 870 Euro.
Nerven in der Hand geschädigt
Erst kurz darauf bemerkt die Angestellte, dass sie schwer verletzt ist. Ihre rechte Hand weist tiefe Schnittwunden auf, die in einem Krankenhaus über mehrere Tage hinweg behandelt werden müssen. Auch viele Monate nach der Tat kämpft das Opfer noch mit den Folgen dieser Verletzung – die Nerven der Hand sind nachhaltig geschädigt. Ob die Hand der Frau jemals wieder voll einsatzfähig sein wird, ist bis heute nicht absehbar.
Nach dem Einspielfilm erklärte Moderator Rudi Cerne, dass es sich bei den beiden Gesuchten um „brandgefährliche Täter“ handele. „Ein bis zwei Tankstellen werden pro Tag in Deutschland überfallen“, so Cerne. 60 Prozent dieser Taten werden demnach aufgeklärt. Auftritt Erwerle: Der Kriminalhauptkommissar erklärt, dass die Aufklärungsquote nicht höher sei, weil die Taten meist in einer recht kurzen Zeitspanne abliefen, und es häufig wenige Spuren gebe. Allerdings würden die Überwachungskameras an Tankstellen und die Kriminaltechnik immer besser, was den Ermittlern helfe.
Kein eingespieltes Team
Zum Fall selbst sagte Erwerle: „Das Verhalten beim Raub hat auf uns nicht gewirkt, als wären das erfahrene Täter und ein eingespieltes Team.“ Dennoch befürchte man, dass weitere Taten des Duos folgen könnten.
Der Mann mit dem Messer soll 20 bis 25 Jahre alt gewesen sein, etwa 1,75 Meter groß, mit schwarzer Kurzhaarfrisur und dunklem Teint. Er trug eine graue Jogginghose, weiße, neu aussehende Turnschuhe, einen schwarzen Rollkragen-Pullover und eine schwarze Sturmhaube mit einem Sehschlitz, die er über die Nase gezogen hatte. Sein Komplize, der bei dem Opfer blieb, ist 20 bis 25 Jahre alt und gut 1,85 Meter groß, mit dunklem Hautton. Er trug eine hellgraue Jogginghose mit Bündchen, weiße Turnschuhe sowie eine dunkelgrüne Jacke, deren Kapuze er sich ins Gesicht gezogen hatte, dazu einen dunklen Schal, den er über die Nase gezogen hatte.
Entscheidende Hinweise zu den Tätern sind nach der Ausstrahlung am Mittwochabend aber zunächst offenbar nicht eingegangen. In der Sendung wurden insgesamt sieben Kriminalfälle präsentiert. Vor allem der Fund einer verbrannten, männlichen Leiche in Mittelhessen Ende 1981 sorgte für zahlreiche Anrufe im XY- Studio.