Überfüllte Schulbusse in Ludwigsburg Schulunterricht beginnt bald zeitversetzt

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Überfüllte Schulbusse sind in Ludwigsburg schon lange ein Ärgernis – mit Corona bekommt das Problem zusätzliche Brisanz. Um es zu lösen, soll nach den Ferien der Unterrichtsbeginn entzerrt werden. Denn alle andere Lösungen scheiden aus.

Wie hier in Nürtingen sind auch in Ludwigsburg die Schulbusse oft überfüllt – was in Zeiten der Corona-Pandemie nicht nur nervt, sondern gefährlich ist. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner/Jüptner
Wie hier in Nürtingen sind auch in Ludwigsburg die Schulbusse oft überfüllt – was in Zeiten der Corona-Pandemie nicht nur nervt, sondern gefährlich ist. Foto: 7aktuell.de/Daniel Jüptner/Jüptner

Ludwigsburg - Die weiterführenden Schulen in Ludwigsburg werden aller Voraussicht nach bald einen zeitversetzten Unterrichtsbeginn für verschiedene Klassenstufen einführen, um die Auslastung der Schulbusse zu verringern. Das hat die Stadt am Freitagnachmittag nach einer Telefonkonferenz mit den Rektoren mitgeteilt. Das Ziel sei, einerseits den Unterrichtsbeginn zu entzerren und andererseits weiteren Unterrichtsausfall zu vermeiden, erklärt das Rathaus.

Konkret wurde beschlossen, mit einem Stufenplan auf die steigenden Corona-Zahlen zu reagieren. In der ersten Stufe werden nach den Herbstferien sämtliche Schulgebäude und Klassenräume früher als bisher für die Schüler geöffnet. Außerdem wird an die Mädchen und Jungen appelliert, frühere Busse zu nutzen. Wann die zweite und wesentlich kompliziertere Stufe umgesetzt wird, hängt vom Verlauf der Pandemie ab. In dem Beschluss heißt es: „Sollten die Infektionszahlen weiterhin steigen, soll ein um 15 Minuten versetzter Unterrichtsbeginn für die Klassenstufen 5 bis 7 sowie 8 bis 10 an den weiterführenden Schulen umgesetzt werden.“ Die Entscheidung über den Startzeitpunkt trifft der Stab für Außergewöhnliche Ereignisse der Stadt in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt und dem Stuttgarter Regierungspräsidium.

Abstand halten ist in den Bussen nicht möglich

Die überfüllten Schulbusse sind in Ludwigsburg schon lange ein Ärgernis, das mit der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Abstandsregelungen weitere Brisanz bekam. Zusätzlich verschärft wird die Situation, weil im Herbst und Winter wieder viele Schüler vom Fahrrad auf den Bus umsteigen. Im städtischen Mobilitätsausschuss hatten daher am Donnerstagabend mehrere Fraktionen die Verwaltung zum Handeln aufgefordert. „Das kann nicht mehr länger warten, wir müssen jetzt eine Lösung finden“, sagte Christine Knoß, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, auf deren Antrag hin das Thema spontan auf die Tagesordnung gesetzt wurde.

Hören Sie hier unseren Podcast zum Thema: Corona: Land stellt Geld für mehr Schulbusse zur Verfügung

Doch die Handlungsoptionen der Stadt sind begrenzt. Zwar würde das Land die Kosten für zusätzliche Schulbusse weitgehend übernehmen, aber: Es gibt keine Busse mehr. „Wir haben das natürlich schon mit den Ludwigsburger Verkehrslinien durchgesprochen“, sagte Matthias Knobloch, der Leiter des Fachbereichs Mobilität im Rathaus. „Es sind keine freien Buskapazitäten mehr in der Region vorhanden.“ Dies gelte für alle Arten von Bussen, auch für Reisebusse, und selbst wenn sich irgendwo noch ein Bus auftreiben ließe, fehle es an Fahrern. „Die Verkehrslinien haben ebenfalls mit Corona und mit Krankheitsfällen zu kämpfen, haben also sowieso schon zu wenige Fahrer.“

Die Schulen sehen zeitversetzten Unterricht skeptisch

Als einzige Option blieb demnach der zeitversetzte Schulunterricht übrig, der wiederum in den Schulen selbst mit Skepsis gesehen wird. „Das bedeutet für uns Einbußen im Unterricht, Umplanungen und einiges an zusätzlichen Erschwernissen – in einer Zeit, in der wegen Corona sowieso schon viel Unterricht ausgefallen ist“, sagt Wolfgang Medinger, der Leiter des Goethe-Gymnasiums. Auch für Lehrer sei zeitversetzter Unterricht eine Herausforderung, weil sie in unterschiedlichen Klassen gebraucht würden. „Wir können die Lehrkräfte leider nicht klonen.“

Trotz dieser Einwände haben die Schulen am Freitag zugestimmt. „Natürlich sind wir bereit mitzumachen und es auszuprobieren“, so Medinger. „Wir wollen ja auch nicht, dass unsere Schüler in dieser kritischen Phase in Scharen in die Busse und Bahnen drängen.“




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