Investor will nicht nur am Stammsitz investieren
Die Beschäftigten wurden kürzlich in einer Betriebsversammlung über den Verkauf informiert. Der Investor will offenbar ordentlich investieren, nicht nur am Stammsitz selbst, sondern auch in Frankreich, Sachsen und Serbien. „Alle sind guter Dinge“, berichtet ein Insider aus der Firma, die schon lange in finanziellen Nöten war. Dennoch schwinge in der Belegschaft die Sorge mit, was die Zukunft bringen wird – nicht nur, was den Erhalt der Jobs, sondern auch Fragen wie Tarifbindung und Mitbestimmung des Betriebsrats betrifft.
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Dejan Wick, Gewerkschaftssekretär bei der IG Metall Göppingen-Geislingen, kann den Mitarbeitern diese Angst nehmen: „Ich gehe davon aus, dass der Investor etwas Gutes für Allgaier vorhat. Tarife und Arbeitsplätze sind gesichert.“ Wick bewertet es positiv, „dass die geplanten Investitionen von Westron das Unternehmen tatsächlich gesunden lassen. Und zwar so erheblich, dass es in den nächsten Jahren deutlich aufwärts gehen wird“. Das Wichtigste sei, dass der Standort Uhingen und auch der Werkzeugbau erhalten blieben, letzterer war lange Zeit ein Wackelkandidat.
Eine Chance für Cartec-Mitarbeiter?
Diese Tatsache könnte möglicherweise auch Beschäftigten der Cartec Tooling zugute kommen. Der Göppinger Werkzeugbauer, der bis vor zwei Jahren zu Schuler gehörte, muss schließen. Ein potenzieller Investor sprang in letzter Minute ab. Rund 140 Mitarbeiter werden in den kommenden Wochen ihren Arbeitsplatz verlieren. „Ich hoffe, dass Allgaier ein paar Leute von Cartec aufnehmen kann. Da sind wir gerade dran“, sagt Dejan Wick.
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Der Gewerkschafter ist zuversichtlich, dass der Einstieg der Chinesen bei Allgaier längerfristig angelegt ist: „Chinesische Investoren investieren in der Regel viel und nicht kurzfristig“, meint Dick – im Gegensatz zu Geldgebern aus manch anderen Ländern, „die den letzten Cent aus dem Unternehmen herauspressen“. Wie der Investor – der letzte Interessent, der übrig geblieben war – Allgaier aber umstrukturieren und umorganisieren wird, bleibe abzuwarten.
Betriebsrat und Geschäftsführung äußern sich nicht
Die Allgaier-Geschäftsführung ließ am Mittwoch über die Pressestelle ausrichten, dass sie keinen Kommentar zu dem bevorstehenden Verkauf abgeben will. Auch der Betriebsratsvorsitzende Stilianos Barembas war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, hatte aber vor einigen Wochen den positiven Eindruck der IG Metall bestätigt. Viel mehr wollte er nicht sagen – offenbar sollten die Verhandlungen bis zur letzten Unterschrift unter größter Verschwiegenheit stattfinden.
Westron ist in der Region nicht unbekannt
Westron ist in der Region im übrigen nicht völlig unbekannt. Im Jahr 2018 verkauften die Stuttgarter Autozulieferer Bosch und Mahle nach monatelanger Suche ihr gemeinsames Turboladergeschäft. Das Gemeinschaftsunternehmen BMTS (Bosch Mahle Turbo Systems) mit seinerzeit 1300 Mitarbeitern an drei Standorten ging an FountainVest Partners mit Sitz in Hongkong und Westron. Seither hat BMTS nach eigenen Angaben auf seiner Homepage seine globale Präsenz mit neuen Standorten in China, Mexiko und Serbien erweitert.
Lange Durststrecke
Blick zurück
Dass Allgaier in finanziellen Nöten war, ist kein Geheimnis. Lange kämpfte das Unternehmen noch unter dem früheren Geschäftsführer Helmar Aßfalg um die Finanzierung, bis Ende 2020 alle Zusagen der Banken eingetroffen und die Unterschriften unter dem erweiterten Konsortialkreditvertrag taufrisch waren. Die Tage, als in dem Traditionsunternehmen, das 1800 Mitarbeiter beschäftigt, viel Unruhe herrschte und die Gerüchteküche brodelte, schienen erst einmal Geschichte.
Sorgen
Im Sommer 2021 wuchsen die Sorgen um die Zukunft des Unternehmens wieder, die Suche nach einem Investor schürte wieder neue Ängste unter den Beschäftigten.