Filder - Fredrik Ljungman hat sich hilflos gefühlt. Der Inhaber der Firma Beteso mit Sitz in Waldenbuch wollte angesichts der dramatischen Bilder aus der Ukraine etwas für die Menschen tun. Und hat sich kurzerhand entschlossen, Geflüchtete aufzunehmen. Daheim in Sindelfingen werden er und seine Familie ab Sonntag sechs wildfremde Personen beherbergen, und auch der Besprechungsraum der Waldenbucher Firma wird Ukrainern als Unterkunft dienen. An diesem Donnerstag schon soll eine Frau aus Odessa mit ihren beiden Kindern einziehen. Fredrik Ljungman weiß nichts über die Drei. Nur, dass sie kommen. „Wir sind am Ausräumen“, sagt er über den Raum.
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Gleichzeitig sei man auf der Suche nach Menschen vor Ort, die sich für das Trio als Kontaktpersonen anbieten wollen. „Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, und unser Beitrag ist überschaubar“, schreibt Fredrik Ljungman bei Facebook. „Aber meine Hoffnung ist, dass wir Nachahmer finden.“
Benefiz, Friedensgebete und Solidarität
Menschen, die einen Beitrag leisten wollen, gibt es viele. Die Hilfsbereitschaft ist gewaltig, täglich kommen neue Angebote von Firmen, Privatleuten und Institutionen hinzu. Unter dem Titel „Help the people of Ukraine“ richtet Sir Waldo Weathers, ehemals Saxofonist von James Brown, an seinem Imbiss Soul Snacks auf der Waldau eine Benefiz-Musikveranstaltung aus. Am 6. März soll dort von 14 bis 17 Uhr zugunsten der Kriegsopfer gespielt werden. Musiker, die sich beteiligen wollen, können sich noch melden. Friedensgebete auf dem Marktplatz in Degerloch finden zudem an allen Donnerstagen im März jeweils um 18 Uhr statt, organisiert beziehungsweise unterstützt vom evangelischen Dekanatsamt, der katholischen und der neuapostolischen Kirche sowie vom Bezirksamt.
In Filderstadt wird an diesem Donnerstag ab 17.30 Uhr eine Solidaritätsveranstaltung an der Filarmonie abgehalten. Die Kommune hat mit Leinfelden-Echterdingen und Ostfildern die gemeinsame Partnerstadt Poltawa in der Ukraine. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet.
Hundeschals für den guten Zweck
Die Lehrerin Tina Martini aus Plattenhardt, selbst Halterin von vier Hunden, näht gelb-blaue Hundeschals für den guten Zweck. „Der Erlös geht an Eqivent, die derzeit in vollem Einsatz für ukrainische Flüchtlinge und auch deren Tiere sind“, schreibt sie bei Facebook. Bestellungen nimmt sie per Mail an martini.riechzelle@gmx.de entgegen. „Ich bin mit einer Freundin gerade dabei, wir schneiden und nähen“, sagt sie am Telefon. 54 Bestellungen seien schon eingegangen.
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Andere sammeln Hilfsgüter. Die Firma WGfS nimmt in ihrem ambulanten Büro in Echterdingen Babyartikel, Thermodecken, Isomatten und Verbandsmaterial an. Nach der Abgabe kann man eine Massage auf Spendenbasis in Anspruch nehmen, Kuchen wird auch verkauft. Infos zu den Zeiten findet man auf der WGfS-Facebook-Seite oder bei myle.de. Kinderkleider und Spielsachen sammelt der Secondhand-Laden Wunderland in Bonlanden (Mail an wunderlandsecondhand@gmx.de). Auch in der Firma Haka Kunz in Waldenbuch wird gesammelt. An diesem Samstag zwischen 10 und 17 Uhr werden haltbare Lebensmittel, Hygieneartikel, Kindersachen, warme Kleidung, Taschenlampen und mehr angenommen. „Wir brauchen alles, was auf der Flucht oder zur Erstversorgung wichtig ist“, sagt die Sprecherin Carmen Ruf. Einen Kontakt an der Grenze habe man.
Medikamente sind schon losgeschickt
Verbandsmaterial, Medikamente und mehr bereits losgeschickt haben Akteure aus Filderstadt, darunter die Fleinsbach-Apotheke, die Apotheke am Bonländer Tor sowie das Ehepaar Gädeke. Die Feuerwehr Filderstadt ist zudem einem Hilferuf des Katastrophenschutzes in der Ukraine gefolgt und hat Sachspenden zusammengetragen – etwa 30 Schutzjacken, 55 Hosen sowie 130 Druckschläuche. Die Ukrainerin Darya Zaitseva studiert an der Uni Hohenheim. „Wir machen Sammelaktionen in Hohenheim, Birkach und im Asemwald“, sagt sie. Gemeinsam mit dem Verein Ukraine in Stuttgart, dem katholischen Stadtdekanat und der evangelischen Kirche wird im Gemeindezentrum Asemwald schon in dieser Woche täglich von 8 bis 10 Uhr sowie von 18 bis 20 Uhr gesammelt: warme Kleidung, Decken, Schlafsäcke, Powerbanks und Medizin. Nächste Woche sei gemeinsam mit studentischen Arbeitskreisen eine Sammelaktion auf dem Hohenheimer Campus geplant.
Auch in der Filderklinik sind zahlreiche Menschen engagiert. „Viele Abteilungen sagen: Machen wir doch was“, sagt die Sprecherin Marleen Job. So wolle eine Oberärztin, die selbst aus der Ukraine stammt, Dinge, die in der Klinik nicht benötigt werden, über private Kanäle verteilen. Auch Pflegepersonal ist aktiv. Schon seit Tagen werden diverse Hilfsgüter in einer Garage in Bonlanden angenommen. „Wir sortieren jeden Abend bis spät“, sagt Marleen Job.