Als die Stuttgarter Arena von 2008 an zu einer reinen Fußballarena umgebaut wurde, gab es eines Tages amüsante Szenen zu sehen. Hunderte, vielleicht sogar Tausende der markanten roten Klappsitze aus der Arena wurden vor der Cannstatter Kurve abgelegt – und die Fans konnten sich einfach bedienen.
Manche kamen mit Klein-LKWs und machten die ganze Ladefläche voll. Bis heute werden die Sitze teilweise wie brandheiße Ware gehandelt, aufgearbeitet und in heimischen Hobby-Räumen oder Herrenzimmern wie Trophäen präsentiert.
Hinter der Aktion steckt die Concular GmbH
Seit Anfang März und noch bis zum 29. April bietet sich den VfB-Fans wieder die Möglichkeit, sich ein solch einzigartiges Andenken zu sichern. Allerdings erfolgt die Vergabe nicht mehr im Wild-West-Stil vor dem Stadion, sondern komplett digital.
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Hinter der Aktion steckt die Concular GmbH. Ein Startup aus Stuttgart, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, (Um)Bauprozesse nachhaltiger, im Idealfall CO2-neutral zu gestalten. Indem man Materialien aus Gebäuden rettet, die vor dem Abriss stehen. „Materialien werden in unserem Circularity Assessment digitalisiert, in Materialpässen festgehalten und anschließend vermittelt, sodass sie ein neues Zuhause finden“, erklärt Nina Krass, die Projektleiterin für die Aktion in der Stuttgarter Arena. Für die Katalogisierung wurde eigens eine App entwickelt.
Zirkuläres Bauen mithilfe einer digitalen Datenbank
Zirkuläres Bauen soll so gefördert werden, um die gesamte Branche ressourcenschonender aufzustellen. Schließlich sind viele Teile des Arena-Interieurs, das nun aufgrund der Umbaumaßnahmen für die EM 2024 im Haupttribünenbereich entfernt werden wird, noch gut in Schuss und können einer weiteren Nutzung zugeführt werden. Als Basis dient dem Unternehmen hierfür eine digitale Datenbank. Und diese ist öffentlich zugänglich. Interessierte können sich auf der Webseite durch den Katalog scrollen und Artikel genauso einfach bestellen, als würden sie grade bei Amazon ordern.
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Den Auftrag für die Aktion erhielt das Unternehmen von „ASP Architekten“, die den Umbau der Arena leiten. Weitere dieser Projekte, die eine zirkuläre Wertschöpfungskette etablieren und lokale Kreislaufsysteme fördern sollen, begleitet Concular unter anderem in Augsburg, Düsseldorf und Berlin. Die Stuttgarter Aktion läuft gut. „Wir haben sehr viele Anfragen von VfB-Fans. Einige Möbelstücke sind bereits ausverkauft, jedoch sind einzelne Stücke in großer Stückzahl vorhanden und dadurch noch verfügbar“ bilanziert Projektleiterin Krass die ersten Wochen der Aktion. „Die Kunststoff-Klappsitze und auch die VIP-Logensitze laufen sehr gut, generell Möbel. Schwieriger sind da schon größere Bauteile wie beispielsweise Treppenanlagen“, so Krass weiter.
Zukünftig auf dem Platz von Sasa Kalajdzic sitzen?
Auch andere Bauteile gibt es zuhauf. Leuchtmittel, Einbauschränke, Stehtische, Bullaugen, LCD-Monitore, selbst die Spinde aus den Mannschaftskabinen sind verfügbar. Wer also schon immer einmal zuhause auf dem Platz sitzen wollte, auf dem sich sonst Daniel Didavi, Atakan Karazor und Sasa Kalajdzic für das Spiel vorbereiten, kann noch zuschlagen.
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Betreiber anderer Stadien haben bisher sich nicht gemeldet, um die Stuttgarter Sitze an anderer Stelle wieder demselben Zweck zuzuführen. „Die Abgabe einer größeren Anzahl Sitze an ein anderes Stadion wäre schön gewesen“, sagt Krass, die mit ihrem Team den selektiven Rückbau der Arena begleitet. Der beginnt direkt nach dem letzten Spieltag gegen Köln am 14. Mai. Dann werden die entsprechenden Arena-Bereiche „zerstörungsfrei zurückgebaut und die Artikel an die Käufer übergeben.“
Abholtermine werden noch entsprechend definiert und an die Käufer kommuniziert. Übrigens: Was nicht verkauft werden kann, darüber verfügt nach Ende der Aktion der VfB. Gut möglich also, dass doch noch einmal eine große Anzahl Klappsitze vor der Cannstatter Kurve auftauchen werden.