Umbau der Mercedes-Benz-Arena Warum der VfB Stuttgart ein städtisches Darlehen benötigt

Die Stadion KG und der VfB Stuttgart denken jetzt an die Zeit nach Corona. Die Haupttribüne der Mercedes-Benz-Arena wird zeitgemäß modernisiert. Foto: imago images

Die Stadion KG und der VfB Stuttgart denken jetzt an die Zeit nach Corona. Die Haupttribüne der Mercedes-Benz-Arena wird zeitgemäß modernisiert.

Stuttgart - Der Geschäftsführer der städtischen Veranstaltungsgesellschaft In Stuttgart, Martin Rau, war in letzter Zeit besonders angespannt. Ihn plagen zum einen Einnahmenverluste von 8,5 Millionen Euro, weil seine Hallen nicht bespielt werden können, der Ticketservice in erster Linie Geld zurückzahlen muss und sämtliche Feste auf dem Cannstatter Wasen und den Stuttgarter Plätzen infolge der Corona-Pandemie gestrichen worden sind. Und als Fußballfan hat ihn in der laufenden Bundesligasaison gequält, dass der VfB Stuttgart sich teilweise so verhielt, als wolle er gar nicht aufsteigen. Dabei war die dann doch gelungene Rückkehr ins Oberhaus die zwingende Voraussetzung, um im Gemeinderat für die von ihm vorbereitete Modernisierung der Mercedes-Benz-Arena eine Genehmigung zu erhalten.

 

Planung in Corona-Zeiten

Martin Rau hat das Projekt „Arena 24“ als Geschäftsführer der städtischen Stadiongesellschaft, in der der VfB atypisch stiller Gesellschafter ist, auch in Corona-Zeiten planerisch vorangetrieben und wird dem Gemeinderat noch in diesem Monat sein Konzept vorlegen. So mancher Stadtrat dürfte überrascht sein.

So sind die Gesamtkosten von bisher 65 Millionen Euro um 4,5 Millionen Euro gestiegen. Die Anforderungen an eine ordentliche Beschallung seien immens, die Beleuchtung mit LED-Lampen teurer, aber ökologischer und auf Dauer rentabler. Die Stadion KG kann darauf verweisen, bei früheren Bautätigkeiten nach detaillierter Vorplanung im Kostenplan geblieben zu sein. Martin Rau sagt, er sei auch dieses Mal zuversichtlich.

Der städtische Anteil würde sich erhöhen

Fußballkenner wird es nicht überraschen, dass die vorgesehene Finanzierungsvereinbarung zwischen der öffentlichen Hand und dem Aufsteiger geändert werden soll. Die Stadt soll weiterhin 20 Millionen Euro beisteuern (plus die Hälfte der Mehrkosten), und zwar für jene Modernisierungen im Innern der Haupttribüne, die notwendig sind, um bei der Europameisterschaft 2024, die auch in Stuttgart ausgetragen wird, die Kriterien des europäischen Verbands zu erfüllen. Es bleibt dabei, dass die Hälfte der übrigen bisher 45 Millionen Euro für Ausbau und Modernisierung des Businessbereichs von der Stadion KG über ein Darlehen aufgebracht wird.

Davon, dass der VfB die anderen 22,5 Millionen Euro sofort bereitstellt, ist allerdings keine Rede mehr, denn das Dasein in der zweiten Liga, die Corona-Pause und die Spiele vor leerem Haus haben den Club auf der Habenseite geschwächt. Gerade einmal fünf Millionen Euro sollen kurzfristig für dringend benötigte neue Spieler flüssig gemacht werden können. An 24,75 Millionen Euro (22,5 Millionen Euro plus die Hälfte der Mehrkosten von 4,5 Millionen Euro) für eine Investition ins Stadion ist aktuell nicht zu denken.

Rückzahlung bis 2031

Dem Gemeinderat wird deshalb eine Umfinanzierung vorgeschlagen - die Stadt solle dem VfB Stuttgart das Geld in Form eines Darlehens vorstrecken. Die Rückzahlung soll nach der Fertigstellung 2024 in acht Jahresraten erfolgen. Sehr viel habe sich dadurch nicht geändert, sagt VfB-Finanzvorstand Stefan Heim. Bisher sei geplant gewesen, dass der Verein als erster die Baukostenrechnungen begleicht, nun rutsche er an die dritte Stelle. Jedoch trägt die Stadt als Kreditgeber das Ausfallrisiko.

Der Plan dürfte jene nicht überzeugen, die den Fußball-Bundesligisten in einer privilegierten Sonderrolle wähnen. Sie werden auf die Gefahr eines möglichen sportlichen Misserfolgs verweisen, in dessen Folge eine Rückzahlung des Kredits illusorisch wäre. Stefan Heim ist dagegen überzeugt, jetzt nicht in die Mannschaft zu investieren, sondern mit Eigenmitteln ins Stadion, würde diese Gefahr sogar erhöhen. Er geht zudem davon aus, dass Umbau und Modernisierung die Situation des VfB Stuttgart wegen der zusätzlichen Erlöspotenziale – weitere 550 Businesssitze und Preiserhöhungen für besseren Service im Vip-Bereich – stärke. Im besten Falle könnten Mehreinnahmen von bis zu vier Millionen Euro jährlich erzielt und in gute Spieler investiert werden, um die Konkurrenzfähigkeit zu steigern.

VfB bezahlt Pacht und Steuern

Heim betont, die Verpflichtungen als Stadionpächter stets erfüllt zu haben. Die Risiken seien nicht geringer, hätte die Stadt Stuttgart die Arena noch in eigener Hand und nicht vor 15 Jahren in die Stadion KG ausgelagert und den Betrieb dem VfB überlassen. Im Gegenteil: Anfangsverluste wegen der hohen Abschreibungen wurden durch die Einlage des VfB in Höhe von 27 Millionen Euro ausgeglichen. Außerdem fließen jährlich rund eine dreiviertel Million Euro Erbbauzins in die Stadtkasse, und der Betrieb wird statt vom Sportamt vom VfB finanziert.

Das Gesellschaftskonstrukt habe sich trotz zweier Abstiege robust gezeigt, so Heim. Dass es einen dritten verkraften könnte, würde Geschäftsführer Rau nicht unterschreiben. Die Stadion KG finanziert die Tilgung von Krediten für frühere Ausbauten von immerhin 60 Millionen Euro ausschließlich durch die Pachteinnahmen.

Viele Baustellen auf der Haupttribüne

Die Haupttribüne ist eines der ältesten Bauteile, sie wurde 1974 errichtet. Beim Umbau 2010 und der Tieferlegung des Spielfelds wurden nur die untersten Zuschauerreihen ergänzt. Der Bauzustand ist angegriffen, Betonsanierungen sind nötig. Funktionsbereiche und Zuschauereingänge sind nicht getrennt, es gibt auch keine zuschauerfreie Feuerwehrzufahrt. Die Umkleiden und Trainerräume sind zu klein und sanierungsbedürftig. Es gibt keine Klimatisierung. Es gibt Sichteinschränkungen aufgrund ungünstiger Stufengeometrie. Der VIP-Innenbereich
entspricht nicht den Flächenanforderungen der Uefa. Die Satellitenküchen sind zu klein, es fehlen zudem eine Frischkochküche und Umkleiden für Catering-Mitarbeiter. Auch die Räume für Pressekonferenzen und die Mixed-Zone sind zu klein.

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