Straßennamen in Stuttgart Wer entscheidet, wonach Straßen benannt werden?

Wird ein Neubaugebiet errichtet, müssen auch die Straßen benannt werden. Wie wird dabei vorgegangen? Und was passiert, wenn eine Straße umbenannt werden soll? Wir erklären die Vorgänge.

Solche malerischen Straßennamen wie in Stuttgart-Vaihingen sind eher selten. Foto: Decksmann
Solche malerischen Straßennamen wie in Stuttgart-Vaihingen sind eher selten. Foto: Decksmann

Filder - Entstehen komplette Neubaugebiete, müssen auch die Straßen, die darin liegen und an denen die neuen Häuser stehen sollen, benannt werden. Wie wird dabei vorgegangen? Und was passiert, wenn eine Straße umbenannt werden soll? Wir erklären die Vorgänge.

Wer entscheidet über neue Straßennamen?

In Stuttgart ist es der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, der über Straßennamen entscheidet, zuvor wird der jeweilige Bezirksbeirat dazu gehört.

In Filderstadt gibt es eine Straßenbenennungskommission, darin versammelt sind je ein Mitglied aller Gemeinderatsfraktionen. Dort werden die Vorschläge für eine Straßenbenennung eingebracht, die Vorschläge entstehen im Stadtplanungsamt. „Wir haben ein großes Verzeichnis von möglichen Straßennamen, auf das wir dabei zurückgreifen“, sagt Waldemar Kolb, Leiter des Haupt- und Personalamts in Filderstadt. Darin sind Namen von bekannten Dichtern und Denkern, Gewannen, Orten, Gewürzen, Blumen sowie Filderstädter Persönlichkeiten versammelt. Hat die Straßenbenennungskommission dem ausgesuchten Namen zugestimmt, ergeht ein Vorschlag an den Verwaltungsausschuss, der abschließend entscheidet. „Bei neuen Namen befragen wir auch den Heimatverein“, erzählt Kolb. Unstimmigkeiten seien bei Straßenbenennungen aber selten, „man eignet sich verhältnismäßig schnell.“

Nach welchen Kriterien wird eine Straße benannt?

„Der Stuttgarter Gemeinderat hat vor einigen Jahren Richtlinien für Straßenbenennungen beschlossen“, erklärt Jasmin Bühler, eine Sprecherin der Stadt. Darin sei festgelegt, dass Straßennamen im Stadtgebiet nur einmal vergeben werden dürfen und dass nur bereits verstorbene Personen Namensgeber sein dürfen. Bei Neubaugebieten wird oft ein durchgängiges Thema für die neuen Bezeichnungen gewählt, beispielsweise in der Märchensiedlung in Möhringen.

Warum werden Straßen umbenannt?

Geht es um Straßen, die nach umstrittenen Personen benannt sind, werden die Historiker des Stadtarchivs um eine Einschätzung gebeten. „Die Entscheidung trifft der zuständige Bürgermeister“, sagt Jasmin Bühler, in diesem Fall ist das der Erste Bürgermeister für allgemeine Verwaltung, Kultur und Recht Fabian Mayer. Dabei würden alle Informationen, insbesondere die aus dem Stadtarchiv, berücksichtigt. „Das Verändern von Bezeichnungen ist sehr schwierig, weil bereits Hausadressen an der Verkehrsfläche vergeben sind“, erklärt die Sprecherin. „Für die betroffenen Anlieger bedeutet eine Umbenennung, dass sie eine neue Adresse bekommen und den gleichen Aufwand für Änderungsmitteilungen betreiben müssen wie bei einem echten Umzug.“ Darum dürften Namensänderungen nach den städtischen Richtlinien für Straßenbenennungen nur beschlossen werden, wenn ein überwiegendes öffentliches Interesse besteht.

Welche Beispiele hat es jüngst gegeben?

2011 ist in Bernhausen der Bahnhofsplatz in Dr.-Peter-Bümlein-Platz umbenannt worden, um den ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt, der 2010 verstorben ist, zu ehren.

Aktuell steht eine Umbenennung einer Straße an: Ein Teil der Fabrikstraße in Bonlanden wird in das Gelände der Firma Herma inkorporiert und somit zu einer Privatstraße. Der Straßenteil vom Kreisverkehr bis zum Beginn der Privatstraße heißt dann nicht mehr Fabrikstraße, sondern Heinrich-Hermann-Straße, nach dem Gründer von Herma.

In Möhringen ist erst kürzlich entschieden worden, einen neuen Platz im ehemaligen Hansa-Areal nach dem 2016 verstorbenen Jörg Zink zu benennen. Der als Fernsehpfarrer bekannte Mann war auch maßgeblich an der Gründung der Jugendfarm in Möhringen beteiligt.

Sonderthemen