Umgestaltung der Ortsmitte Denkendorf soll schöner werden

Die Ochsenkreuzung rund ums Schafhaus (Bildmitte) soll umgestaltet werden: Im Zentrum steht die Berkheimer Straße (rechts), links die Einmündung in die Esslinger Straße. Foto: /Ulrike Rapp-Hirrlinger

Die obere Ortsmitte soll durch mehr Grün und weniger Asphalt lebenswert umgestaltet werden. Die Gemeinderäte schmerzt der Wegfall von Parkplätzen.

Rund um die „Ochsenkreuzung“ in der Mitte Denkendorfs dominiert der Autoverkehr. Breite Straßen, viel Asphalt und wenig Grün prägen das Bild, wo Esslinger-, Berkheimer-, Schnellenstraße und Schäfersteige zusammentreffen. Das soll sich ändern. Der Bereich rund um Schafhaus und Gasthaus „Ochsen“ soll im Sinne von mehr Aufenthaltsqualität aufgewertet und damit für die Bürgerinnen und Bürger attraktiver werden. Das Miteinander von Fußgängern, Rad- und Autofahrern soll im Mittelpunkt stehen.

 

Dazu hat das Ostfilderner Landschaftsarchitekturbüro von K zwei Varianten erarbeitet und im Gemeinderat vorgestellt. Beide sehen den Charakter eines barrierefreien verkehrsberuhigten Geschäftsbereichs vor. Verkehrsflächen sollen zugunsten von Aufenthaltsbereichen, Bepflanzungen und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder reduziert werden. Sitzbänke, Brunnen oder Wasserspiele und Spielgeräte sind angedacht. Die Fahrbahnbreite in der Berkheimer Straße soll von sechs auf 4,75 Metern verringert werden. Damit können sich laut den Planern zwei Autos immer noch problemlos begegnen. Allerdings können Fahrzeuge nicht mehr am Fahrbahnrand parken.

Eine intensive Begrünung ist vorgesehen

Variante A sieht großzügige Grünflächen und Bäume neben den Fahrbahnrändern vor. Dadurch entstünden geschützte Aufenthaltsbereiche auf den Gehwegen, die durch Randsteine von der Fahrbahn abgetrennt sind, erläuterte die Landschaftsarchitektin Anja Flickinger. Variante B verfolgt laut Flickinger den Gedanken eines großen Platzes vor allem in der Berkheimer Straße. Auch hier ist eine intensive Begrünung vorgesehen. Geplant ist ein einheitlicher Pflasterbelag mit lediglich optischer Markierung der Fahrbahnränder.

Beiden Varianten gemein ist der Wegfall von bis zu sieben öffentlichen Parkplätzen – 15 Stellplätze bleiben. Das stieß etlichen Gemeinderäten sauer auf. Doch der Bürgermeister Ralf Barth machte klar: „Eine Umgestaltung und zugleich viele Stellplätze geht nicht. Wenn es aussieht wie früher, nur frisch geteert, wäre das Vorhaben nicht förderfähig.“ Und eine Förderung vom Land sieht die Kommune als Voraussetzung, um das Projekt in die Tat umzusetzen.

Dass Handlungsbedarf für die triste Kreuzung besteht, bezweifelte im Gemeinderat niemand. „Parken ist ein Luxusproblem“, sagte Matthias Schöllkopf (SPD). „Man muss ja nicht direkt ins Schaufenster fahren“, meinte er scherzhaft. Ihm gefällt die Variante A besser, „weil die Abgrenzung vom Autoverkehr größer ist und es mehr Grün gibt“. Für FWV-Fraktionschef Frank Obergöker wäre der Kompromiss für eine gute Aufenthaltsqualität „ordentlich Grün und möglichst viele Stellplätze“. Seine Fraktion wollte sich noch nicht auf eine Variante festlegen. Peter Nester, Fraktionsvorsitzender der CDU, findet zwar, „dass der Platz Aufwertung brauchen kann“, eine Verringerung der Parkplätze kommt für ihn jedoch nicht in Frage. Er befürchtet, dass sich dann nicht nur am bereits bestehenden Leerstand von Geschäften nichts ändert, sondern weitere Läden wie etwa der CAP-Markt in der Berkheimer Straße schließen. Schon heute gebe es zu wenige Stellplätze und die Kunden der Volksbank im Schafhaus würden auf dem Gehweg parken. Auch Karl Schill (CDU) sprach sich für mehr Parkplätze aus. Barbara Fröhlich, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, regte an, man müsse auch an Stellplätze – vor allem auch behindertengerechte – für Besucher der Arztpraxen denken.

Es wird geprüft, wo weitere Parkplätze möglich sind

Für Markus Deuschle (FWV) ist die Frage: „Wollen wir eine richtige Ortsmitte, wo auch Veranstaltungen stattfinden können, das wäre B, oder nur die Läden wiederbeleben?“ Weil in Variante A mehr Fläche entsiegelt würde, sprach sich Christa Brockhaus-Henzler (SPD) für diese Variante aus. Mehrfach geäußert wurde der Wunsch, dass die Buslinie 119 verlängert und das Wohngebiet Lange Äcker angeschlossen wird. Damit würde der Bus nicht mehr die Ochsenkreuzung tangieren. Bisher wurde dieses Ansinnen vom Landratsamt Esslingen negativ beschieden. Und so sieht der Bürgermeister derzeit für eine Streckenverlegung keine Chance, zumal die Haltestellen in diesem Bereich zu den umsatzstärksten gehörten. Damit habe auch der Busbetreiber daran kein Interesse. „Die Buslinie spielt aber für die Konzeption auch keine Rolle“, so Barth. Eine Entscheidung zugunsten einer Gestaltungsvariante mochte das Gremium nicht fällen. Barth schlug vor, intern zu prüfen, wo weitere Parkplätze möglich sind, um anschließend mit den Förderstellen im Land zu besprechen, ob mit dem dann gefundenen Ansatz eine Landesförderung noch möglich wäre. Erst, wenn diese Rahmenbedingungen geklärt sind, will man die Bürgerinnen und Bürger erneut beteiligen. Diese waren bereits im Vorfeld des Projekts gefragt worden. Auf ihre Anregungen gehen die Pläne zurück.

Denkendorf ist eine Modellkommune

Vergangenheit
Bis Ende der 1970er Jahre befand sich an der sogenannten „Ochsenkreuzung“ – benannt nach dem dortigen Gasthaus – die Endhaltestelle der Straßenbahnlinie von Esslingen nach Denkendorf. Außerdem gab es einen Kiosk und öffentliche Toiletten. Der Platz war belebt. Mit Aufgabe der Straßenbahn wurde das Quartier vorwiegend nach den Bedürfnissen des Autoverkehrs umgestaltet und die Straßen verbreitert.

Projekt
Die Gemeinde Denkendorf ist eine Modellkommune im Projekt „Ortsmitten – gemeinsam barrierefrei und lebenswert gestalten“ des Landes. Dazu gab es professionelle Unterstützung durch ein Ingenieurbüro für Stadt- und Verkehrsplanung aus Karlsruhe. In diesem Zuge wurden auch die Bürger nach ihren Wünschen gefragt Die Weiterentwicklung und konkrete Ausgestaltung liegt nun beim Ostfilderner Büro von K.

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