Umstrittener Brustkrebs-Test der Uniklinik Heidelberg CDU und FDP nehmen Ministerin Bauer ins Visier

In Sorge um den Ruf der Uni Heidelberg: Wissenschaftsministerin Theresia Bauer Foto: dapd

Welche Rolle hat der Aufsichtsrat im Skandal um einen umstrittenen Bluttest auf Brustkrebs an der Uniklinik Heidelberg gespielt? CDU und FDP nehmen jetzt Wissenschaftsministerin Bauer ins Visier. Eine Vertraute von ihr sitzt in dem Gremium.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Stuttgart - Der Skandal um einen verfrüht angepriesenen Bluttest auf Brustkrebs an der Uniklinik Heidelberg beschäftigt zunehmend auch den Landtag. Die mitregierende CDU und die oppositionelle FDP nehmen dabei besonders die Rolle des Wissenschaftsministeriums von Theresia Bauer (Grüne) ins Visier. Deren Ressort ist im Aufsichtsrat durch eine Spitzenbeamtin vertreten, die frühere Amtschefin Simone Schwanitz. Daher wird gefragt, wann das Ministerium von den Vorgängen in Heidelberg erfuhr und ob die Kontrolle funktioniert hat. Zugleich wird bekannt, dass eine dafür wichtige Position im Haus Bauers in der fraglichen Zeit monatelang unbesetzt war.

 

Der Leiter der Uni-Frauenklinik Christof Sohn hatte den Test im Februar der Öffentlichkeit vorgestellt und als bald marktfähig angepriesen. Daran gab es viel Kritik: Es sei zu früh gewesen, seriöse Aussagen über den Test zu machen.

Die Landtags-CDU nimmt in der Affäre keine besondere Rücksicht auf ihren Koalitionspartner, sondern hakte bereits mit zwei Anfragen nach. Ihre wissenschaftspolitische Sprecherin Marion Gentges begründete dies damit, bei der Uniklinik handele es sich um eine Einrichtung des Landes, die unter der Aufsicht zweier Ministerien stehe – neben dem Bauers auch des Sozialressorts von Manfred Lucha (Grüne). Daher wolle sie wissen, „wann wer welche Kenntnisse über die Abläufe gehabt hat“.

Bauer verurteilt „Effekthascherei“

Auch die FDP-Fraktion hinterfragt die Kontrolle durch den Aufsichtsrat. Die mangelnde Marktreife des Bluttests könne dem Gremium „nicht unbekannt geblieben sein“, sagt der Abgeordnete Nico Weinmann. Spätestens seit der entsprechenden Warnung einer Molekularbiologin, die 2018 die Leitung einer Forschungsgruppe abgeben musste, hätten die Aufseher die Entwicklung „kritisch begleiten müssen“. In einem Fachbeitrag habe diese damals sehr deutlich gemacht, dass der Bluttest noch viel Forschungszeit brauche.

In den Antworten an die Fraktionen verurteilt Bauer erneut die verfrühte Vermarktung des Tests. Im sensiblen Gesundheitsbereich dürfe es „keine Effekthascherei geben“. Zu Unrecht geweckte Erwartungen könnten in Enttäuschung umschlagen und der Wissenschaft insgesamt schaden. Besorgt äußert sich die Heidelberger Abgeordnete über die Folgen der Affäre für den Ruf von Uni und Uniklinik. Beide seien „Institutionen von höchster internationaler Reputation“, welche durch höchste Ansprüche an die wissenschaftliche Arbeit und deren Kommunikation „jeden Tag neu gesichert“ werden müsse.

Werbung weiter auf Homepage

Die CDU-Frau Gentges erkundigte sich, warum auf der Homepage der Uni-Tochterfirma Heiscreen nach wie vor für den „ersten marktfähigen Bluttest für Brustkrebs“ geworben werde. Bauer will die Aussage entfernt sehen und verweist auf laufende Gespräche mit den Verantwortlichen. Eine „direkte Anweisung“ sei wegen der Gesellschafterstruktur aber nicht möglich. Zudem bestätigt die Ministerin, dass die Leitung des Fachreferates Hochschulmedizin vom November 2017 bis April 2018 nicht besetzt gewesen sei; ein „Konnex“ zu den Vorgängen um den Bluttest bestehe aber nicht. Just in diesem Zeitraum gab es in Heidelberg allerdings wichtige Weichenstellungen.

Für den FDP-Mann Weinmann besteht der Kern des Problems darin, bei der Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen hohe wissenschaftliche Standards zu wahren. Dies sei in Heidelberg trotz entsprechender Vorgaben im Hochschulrecht nicht erfolgt. Der Fall erinnere ihn „in bedrückender Weise“ an die Vorgänge um die Beamtenhochschule in Ludwigsburg, in dessen Folge das Bauer-Ministerium die Zügel gegenüber den Hochschulen angezogen habe.

Die Vorgänge um den Bluttest werden derzeit von einer unabhängigen Kommission untersucht. Nach einer Anzeige der Uniklinik ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft.

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