Umstrittener Redner in Leinfelden Die Stadt hat keine gute Figur gemacht

Der umstrittene Historiker und Publizist Daniele Ganser darf in der Filderhalle in Leinfelden auftreten. Foto: Werner /Werner Kuhnle

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen wurde von der Debatte um die Causa Daniele Ganser kalt erwischt – dabei hat sie schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht.

Der Historiker und Publizist Daniele Ganser, der bereits im Zusammenhang mit diversen Verschwörungstheorien aufgefallen ist, wird in der Filderhalle einen Vortrag über den Krieg in der Ukraine halten. Das ist schon insofern heikel, als Leinfelden-Echterdingen die ukrainische Partnerstadt Poltawa hat. Aber gebucht ist gebucht. Oder?

 

Die Stadt als Hausherrin wurde von der Debatte um die Causa Ganser kalt erwischt. Man könnte vermuten, dass das Filderhalle-Team nicht eingehend recherchiert hat, wer da bei so einem sensiblen Thema auf kommunaler Bühne seine Ansichten verbreiten will. Dabei ist vieles online frei verfügbar, etwa ein Clip, in dem Ganser vor lachendem Publikum erklärt, „wer sehr unbewusst ist“, nehme viele Informationen auf, die „unsere Hollywood-Medien“ über den ukrainischen Präsidenten Selenskyj verbreiteten, „und ändert seinen Facebook-Status von geimpft auf ukrainische Flagge“. Eine solche Arglosigkeit der Stadt ist für Akteure, deren Thesen sich mindestens im Graubereich bewegen, eine Einladung. Zumal man in Leinfelden-Echterdingen schon schlechte Erfahrungen gemacht hat. Bei einer Veranstaltung des Kopp-Verlags mit rechtspopulistischen Rednern, die man erst absagen wollte, dann aber doch genehmigen musste, kam es 2012 zu Rangeleien zwischen Demonstranten und Polizei. Im Übrigen: Der Kopp-Verlag vertreibt Gansers Bücher.

Die Stadt hat bereits schlechte Erfahrungen gemacht

In Summe hat die Stadt keine gute Figur gemacht. Erst schien sie ahnungslos, dann beriet sie nicht öffentlich, später teilte sie in einem knappen Statement mit, man sei nach gründlicher Prüfung zum Ergebnis gekommen, Gansers Äußerungen fielen unter die Meinungsfreiheit. Freilich geht es bei der ganzen Misere auch um Geld. Die Karten zu je 30 Euro sind ausverkauft.

Viele Hundert Menschen passen in die Filderhalle. Sprich: Auf die Stadt hätte bei einer Absage eine saftige Schadensersatzforderung zukommen können. Stattdessen hat man nun einen Imageschaden in Kauf genommen. Zumindest eine eindeutige und öffentliche Distanzierung von jeder Art von Verschwörungstheorien wäre kostenfrei gewesen. Aber sicher nicht umsonst.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Leinfelden Kommentar