Kurz vor Jahresende ließ Kleemann mit seinem rasanten Expansionskurs aufhorchen: Der zum Weltkonzern John Deere gehörende Hersteller von Brech- und Siebanlagen möchte an seinem Standort im Göppinger Stauferpark von derzeit 700 auf 1000 Mitarbeiter wachsen. Der Umsatz habe sich im zu Ende gehenden Jahr vermutlich auf 470 Millionen Euro und damit auf ein neues Rekordniveau empor katapultiert. Erstmals in der Firmengeschichte wurden mehr als 1000 Anlagen produziert. Kleemann will auch flächenmäßig weiter zulegen und neue Grundstücke im Stauferpark kaufen.
Die Senkung des CO2-Ausstoßes hat Priorität
Bei all diesen hochgesteckten Plänen hat der Konzern die Umwelt und die jetzt wieder steigenden Energiepreise im Blick. „John Deere hat sich strenge Ziele gesetzt und sich auf den Weg gemacht, klimaneutral zu werden. Bis 2030 ist eine Halbierung des CO2-Ausstoßes geplant“, sagt Frank Späth, Leiter technische Dienste bei Kleemann. Jedes Unternehmen der Gruppe ziehe da an einem Strang, „wir haben viele Themen in der Pipeline“, ergänzt Marketingleiter Mark Hezinger. Ein eigens beauftragter „Nachhaltigkeitsmanager“ kümmert sich um alles rund um Energieeinsparung und Ressourcenreduzierung beziehungsweise -Schonung im Werk.
Ein großer Schritt in Richtung klimafreundliches Unternehmen wurde 2017 getan. In diesem Jahr habe man begonnen, sämtliche Produktionshallen mit LED-Leuchten auszustatten. 1068 Lampen wurden getauscht, in den Umkleide- und Aufenthaltsräumen sei die Zahl der Leuchten reduziert worden. „Die LED sind heller, da braucht man weniger“, unterstreicht Späth. Unter dem Strich käme bei 20 Stunden Produktion in fünf Tagen plus Samstagen in Stoßzeiten eine ordentliche Ersparnis zusammen. „70 Prozent der gesamten elektrischen Energie ist Licht. Licht ist damit der größte Energietreiber“, verdeutlicht Späth. Die Umstellung auf die Leuchtdioden im Verwaltungsgebäude werde daher noch folgen. Sich intern als Betrieb umweltbewusst aufzustellen, sei das eine. Die andere Seite seien Fragen wie: „Wie baue ich meine Maschinen? Wie kommen die Teile zu mir“, sagt Hezinger. Diese Themen seien den Kunden immer wichtiger. Es gebe Anfragen, ob Teile beispielsweise mit Elektrofahrzeugen angeliefert werden. Und gefragt seien natürlich effiziente Anlagen mit möglichst wenig Spritverbrauch und CO2-Emissionen, unterstreicht der Marketingleiter.
Der Gigant im Göppinger Stauferpark könne da durchaus punkten, sind sich die Verantwortlichen einig. „70 Prozent der Kleemann Brech- und Siebanlagen können per ,externe Stromeinspeisung‘ betrieben werden. Also lokal, CO2-emissionsfrei und vollelektrisch“, erklärt Pressesprecherin Claudia Hizman. Die restlichen 30 Prozent seien sehr effizient und bräuchten verhältnismäßig wenig Diesel, „das wird immer wieder von unseren Kunden beschrieben“. Zudem seien alle Kleemann-Anlagen HVO-fähig. Bei HVO handelt es sich um Biodiesel-Kraftstoff, der aus Abfallstoffen, wie Altspeiseölen, oder Ölen aus Nutzpflanzen oder Altfetten stammt. Ziel sei es, dass bis 2026/27 die gesamte Produktpalette von Kleemann hybrid unterwegs ist.
Der Klimaschutz setzt sich bei dem Baumaschinenhersteller letztlich aus vielen kleinen Mosaiksteinchen zusammen – nicht erst seit dem vergangenen Winter, als die Energiepreise durch die Decke gingen. Bei Firmenfahrzeugen setze das Unternehmen mehr und mehr auf Hybrid, der Strom ist zumindest anteilig grün. Beim Licht hat Kleemann nicht nur auf LED umgestellt, sondern auch versucht, den Verbrauch zu senken. Der Betrieb ist an das Fernwärmenetz der Energieversorgung Filstal angeschlossen und hat durch eine „angepasste Raumtemperatur“ auch hier Energie gespart.
„Das sind viele kleine Prozesse. Wir versuchen, das Thema an ganz vielen Stellen anzupacken“, fasst Mark Hezinger zusammen. Letztlich gehöre auch dazu, die Mitarbeitenden für den Klimaschutz zu sensibilisieren. Meist legen die Beschäftigten heute auch selbst Wert darauf, dass ihr Arbeitgeber umweltbewusst handelt, betont Hizman.
Die Erfolge sind sichtbar und mit Zahlen belegt: „Im Vergleich zum Jahr 2021 haben wir 2023 21 Prozent CO2 eingespart“, rechnet Frank Späth vor. Um hier noch besser zu werden, werde aktuell über eine eigene Photovoltaik-Anlage auf den Dachflächen des Unternehmens nachgedacht. Hier sei man dabei, die Dachflächen zu berechnen und die Anforderungen an die Statik zu untersuchen, erklärt der Technische Betriebsleiter. Es gehe auch um die Frage, ob man überschüssige Energie dann verkauft oder nur so viel für den Eigenbedarf produziert. Mögliche Blackouts könnten Kleemann dann nicht mehr so schnell aus der Ruhe bringen. Ende 2024 beziehungsweise Anfang 2025 könnte die PV-Anlage in Betrieb gehen, schätzt Frank Späth. E-Ladesäulen sollen in diesem Zuge dann mitinstalliert werden, Ladeboxen für E-Bikes gibt es.
Schlechte Anbindung des Stauferparks an den öffentlichen Nahverkehr
Ein Thema brennt den Verantwortlichen des Baumaschinenherstellers jedoch auf den Nägeln: „Die Verkehrsanbindung in den Stauferpark ist schwierig“, bemängelt Mark Hezinger. Mitarbeiter aus dem Stuttgarter oder Ulmer Raum würden gerne das 49-Euro-Ticket nutzen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit pendeln. Doch dies sei ein schwieriges Unterfangen. „In manchen Fällen haben wir schon die Arbeitszeiten an den ÖPNV angepasst. Aber das geht natürlich nicht immer.“
Teil eines internationalen Unternehmensverbunds
Struktur
Die Kleemann GmbH ist ein Unternehmen der Wirtgen Group, einem international tätigen Verbund der Baumaschinenindustrie. Zu ihm gehören die fünf renommierten Marken Wirtgen, Vögele, Hamm, Kleemann und Benninghoven mit ihren Stammwerken in Deutschland sowie lokalen Produktionsstätten in Brasilien, Indien und China.
International
Als Teil der Muttergesellschaft gehört das Unternehmen zum US-amerikanischen Land- und Baumaschinenkonzern Deere & Company. Weltweit werden Kunden durch 55 eigene Vertriebs- und Servicegesellschaften betreut.