Umweltzone in Stuttgart Bürger sollen ihr Verhalten ändern

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

In den kommenden zwei Jahren setzt der Verkehrsminister zunächst auf Appelle an die Bürger. Diese sollen die Luftqualität freiwillig durch Verhaltensänderungen verbessern. „Wir möchten die Bürger dazu bewegen, ihre Verhalten aus Überzeugung zu ändern“, betont Hermann. Jeder könne durch mehr Wege zu Fuß und mit dem Fahrrad oder durch eine Fahrgemeinschaft mit Arbeitskollegen dazu beitragen, das Verkehrsaufkommen um 20 Prozent zu verringern. „Appelle allein reichen sicher nicht“, meint Hermann. Es sei aber wichtig, die Bevölkerung zu sensibilisieren. Es gelte, die Stuttgarter auch dazu zu bewegen, an kritischen Tagen kein Holz in Kaminöfen zu verbrennen. In Stuttgart stünden mehr als 20 000 dieser „Landlust-Öfen“, die nicht zum Heizen benötigt würden.

Eine klare Botschaft richtet der Minister auch an das Rathaus und den Gemeinderat. „Stuttgart muss sein Radwegenetz massiv ausbauen.“ Die Radwegeplanung dürfe kein Stückwerk sein, sondern müsse strategisch ausgerichtet sein, um den mageren ­Radverkehrsanteil von sieben Prozent zu erhöhen. „Andere Städte geben den Faktor zehn für Radwege aus und bekommen dafür auch noch viel Lebensqualität“, so Hermann. Man sei bemüht, den Kampf gegen den Feinstaub so weit wie möglich im Konsens mit der Stadt zu führen. Es könne aber auch Weisungen geben.

Ende Juli wird Hermann das Luftreinhaltekonzept noch einmal präzisieren. Denn Brüssel moniert – wie berichtet – auch die zu hohen Stickoxidwerte in der Stadt. Als Gegenmaßnahme soll Stuttgart von 2019 an zur blauen Zone werden, in der  nur noch Dieselfahrzeuge mit blauer Euro-6-Plakette fahren dürfen. Dafür fehlt allerdings noch die rechtliche Grundlage, die das Land mit einer Bundesratsinitiative bis 2018 schaffen will.

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