UN-Studie Syrien verliert seine Zukunft

Kinder werden immer häufiger Opfer des Krieges in Syrien. Foto: dpa
Kinder werden immer häufiger Opfer des Krieges in Syrien. Foto: dpa

Rund zwei Millionen syrische Flüchtlinge suchen Schutz im Ausland. Weit über die Hälfte von ihnen sind nach UN-Angaben Kinder – davon drei Viertel jünger als zwölf Jahre.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)
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Genf - Das Elend der syrischen Flüchtlinge ist vor allem das Leid von Kindern. Unter den mehr als zwei Millionen Menschen, die das Land wegen des Bürgerkrieges verlassen haben, sind nach UN-Angaben inzwischen rund 1,1 Millionen Kinder, davon drei Viertel jünger als zwölf Jahre. In diesem blutigen Wüten wird nicht nur die Gegenwart Syriens, sondern auch die Zukunft des Landes zerstört. Viele der Kinder sind schwer traumatisiert.

In dieser angespannten Situation, geprägt von Tod, Mangel und Unsicherheit, baue sich ein unglaublicher Hass auf, schreibt das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen in seinem am Freitag veröffentlichten Bericht. Große Wut sei ein weit verbreitetes Symptom unter den Kindern. Ihnen könne kaum geholfen werden, die Situation zu verarbeiten. Viele hätten nur ein Ziel: den überfüllten und provisorischen Flüchtlingscamps zu entkommen und zurück nach Syrien zu gehen, um selbst zu kämpfen. Die Chancen dieser Kinder auf eine bessere Zukunft schwinden der UN-Studie zufolge auch dadurch, dass sie in den Wirren des Krieges keine Ausbildung erhalten. In Jordanien geht dem Bericht zufolge mehr als die Hälfte der Flüchtlingskinder nicht zur Schule. Im Libanon erhalten rund 200 000 Kinder keinen Unterricht, denn die Kapazitäten der Schulen des kleinen Landes sind erschöpft.

Die Kinder werden ausgebeutet

Damit nicht genug: viele Kinder werden in dieser Situation auch noch ausgebeutet. Selbst Siebenjährige müssten für wenig Geld körperliche Arbeit auf Feldern, Bauernhöfen oder in Läden verrichten, heißt es in dem Bericht. Viele seien die einzigen Ernährer einer ganzen Familie, weil die Väter tot sind oder im Krieg kämpfen. Manche Kinder schuften nach Darstellung der UN-Helfer unter gefährlichen Bedingungen. Oftmals arbeiten sie sechs bis acht Stunden am Tag körperlich hart und verdienen damit knapp drei Euro. Allein im Camp Saatari in Jordanien beschäftige die Mehrzahl der rund 700 kleinen Geschäfte Kinder. Im Libanon geraten zudem viele in die Fänge von kriminellen Banden, die sie in den Straßen von Beirut zum Betteln zwingen. Das Fazit der Helfer: eines Tages wird dieser Krieg ein Ende haben, doch die Kinder werden den Schrecken ein Leben lang in ihren Köpfen tragen.




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