Unfall im Engelbergtunnel Zerstörter Ferrari sollte bei der Motorworld gezeigt werden

Unfall im Engelbergtunnel: der zerstörte Ferrari F40 Foto: KS-Images/Andreas Rometsch

Erst zerstört ein 42-Jähriger seinen italienischen Sportwagen im Leutenbachtunnel. Und nur zwei Tage später gibt es einen weiteren Ferrari-Unfall im Engelbergtunnel. Besonders letzterer weckt Erinnerungen.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Es war kein gutes Wochenende für Ferrari-Freunde. Erst demolierte ein 42-Jähriger am Freitagabend seinen Flitzer im Leutenbach-Tunnel im Rems-Murr-Kreis. 120 000 Euro Schaden waren das Resultat, als der Fahrer beim Beschleunigen auf der linken Spur die Kontrolle verlor. Der Sportwagen schrammte 100 Meter an der Tunnelwand entlang, bevor er zum Stillstand kam. Glück im Unglück: Verletzt wurde niemand. Und dann kam der Sonntagmorgen – mit einem weiteren Unfall.

 

Ferrari F40 ist eines der markantesten Modelle des italienischen Herstellers

Den Ferrari F40 dürften viele zumindest als Modell- oder Spielzeugauto kennen. Erstmals 1987 gebaut und versehen mit mächtigem Heckspoiler, ist der Supersportwagen eines der markantesten Modelle des Herstellers aus dem italienischen Maranello. Und an jenem Sonntagmorgen endete für einen dieser raren Boliden die Fahrt durch den Engelbergtunnel jäh – ebenfalls an der Tunnelwand. Der Wert des 1990 gebauten Fahrzeugs vor dem Unfall: drei Millionen Euro.

Da lag sie nun auf dem Asphalt, die Frontabdeckung samt Kotflügeln. Das linke Vorder- und Hinterrad in ungesundem Winkel verdreht, auch die Klappscheinwerfer hatten sich über den Standstreifen verteilt. Es waren Bilder, die Ferrari-Fans – und nicht nur denen – fast schon körperliche Schmerzen bereiteten. Vorab sei gesagt, dass bei diesem Unfall der 24-jährige Fahrer zwar ins Krankenhaus gebracht wurde, dort aber nicht stationär behandelt werden musste.

F40 gehört zum Fuhrpark von Mechatronik

Wie auf den Bildern vom Unfallort zu erkennen ist, gehört der rund 500 PS starke Ferrari F40 zum Fuhrpark des Pleidelsheimer Oldtimer-Restaurateurs Mechatronik. Der Sportwagen hätte am Mechatronik-Stand zur Saisoneröffnung der Böblinger Motorworld gezeigt werden sollen. Wie Unternehmenssprecher Pascal Stephan auf Nachfrage unserer Zeitung berichtet, handelt es sich bei dem Wagen „um eine italienische Erstauslieferung“. Im Jahr 2005 sei der Ferrari nach Japan exportiert worden, bevor er 2015 wieder nach Europa zurückgelangt sei. Das Fachblatt „Auto Motor und Sport“ berichtet darüber hinaus, dass das Fahrzeug mit einem Tachostand von gerade einmal 21 000 Kilometern (Stephan: „Eine in Anbetracht des Fahrzeugalters noch immer überschaubare Laufleistung“) auf der Plattform mobile.de zum Verkauf angeboten gewesen sei. Die Anzeige existiere inzwischen jedoch nicht mehr.

Gegenüber „Auto Motor und Sport“ gab Mechatronik-Sprecher Pascal Stephan zu Protokoll, man habe „alles in allem Glück im Unglück“ gehabt. Während die Polizei den entstandenen Schaden mit einer Höhe von mehreren Hunderttausend Euro angegeben hatte, wollte man beim Pleidelsheimer Unternehmen noch keine Prognose abgeben. Man müsse zunächst auf Experten des Herstellers zurückgreifen. „Aktuell sieht der Schaden allerdings überschaubar aus, wir gehen größtenteils von Karosserieschäden aus“, so Stephan. Allerdings seien auch Felgen und Fahrwerk stellenweise in Mitleidenschaft gezogen worden.

Vorfall erinnert an einen Crash mit Mercedes 300 SL

Der Unfall erinnert an das Jahr 2013. Damals hatte ein Mechatronik-Mitarbeiter einen Mercedes 300 SL Flügeltürer, Baujahr 1956, zu Schrott gefahren. Das Auto hätte eigentlich einem Kunden im rund 400 Kilometer entfernten Gemünden (Main-Spessart-Kreis) überstellt werden sollen. Zwischen Mundelsheim und Pleidelsheim hatte sich der Oldtimer jedoch überschlagen, nachdem er von der Landstraße abgekommen war. Die beiden Insassen – der 26-jährige Fahrer und sein 18-jähriger Beifahrer – blieben unverletzt. Der Schaden damals: etwa 650 000 Euro.

Die Polizei vermutete einst „nicht angepasste Geschwindigkeit“ als Unfallursache – wie auch beim aktuellen F40-Unfall. „Sämtliche Mitarbeitenden unseres Hauses, welche Abnahme oder Überführungsfahrten durchführen, durchlaufen seit dem Vorfall 2013 jährlich mindestens zwei Fahrsicherheitskurse sowohl für klassische wie auch moderne Fahrzeuge“, betont Pascal Stephan auf Nachfrage. Gegenüber „Auto Motor und Sport“ ergänzt er zudem, dass der Fahrer des Ferrari ein langjähriger Mitarbeiter sei, der mehrere Fahrtechnikkurse durchlaufen habe. Er sei „qualifiziert, dieses Modell zu bewegen“. Man stehe zu dem Mitarbeiter. „Wie beim Fußball sind wir ein Team und Fehler können passieren.“ Das sei menschlich, wenn auch in diesem Fall kostspielig.

Wie lange die Aufbereitung des demolierten Ferrari F40 dauern wird, steht noch in den Sternen. Für die Reparaturen am Mercedes 300 SL waren rund zwei Jahre veranschlagt worden.

Ein ruhm- und traditionsreicher Name

Ferrari F40
 Vom markanten Ferrari F40 wurden laut Herstellerangaben von 1987 bis 1992 exakt 1311 Fahrzeuge produziert. Der Name „F40“ steht für den 40. Jahrestag der Fahrzeugproduktion beim traditionsreichen Sportwagenhersteller aus dem italienischen Maranello. Für damals 444 000 D-Mark wurde der Wagen ausschließlich an ausgesuchte Kunden verkauft.

Enzo Ferrari
 Die Präsentation des F40 war die letzte, an der Firmengründer Enzo Ferrari vor seinem Tod im Jahr 1988 persönlich teilnahm.

Nachfolger
 Der Nachfolger des F40 ist der Ferrari F50, von dem von 1995 bis 1997 offiziell 349 Exemplare gebaut wurden.

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