Ungewöhnliche Reiseziele 5 Gründe für Saudi-Arabien

Die Ruhestätte von Qasr Al-Farid ist das berühmteste von rund 100 Monumentalgräbern in der Nabatäer-Stadt Hegra. Foto: imago images/robertharding

Das erzkonservative Königreich auf der Arabischen Halbinsel erlaubt seit Kurzem auch nicht-muslimischen Touristen die Einreise. Was hat das Land zu bieten?

Leben: Susanne Hamann (sur)

Saudi-Arabien war jahrzehntelang vom Rest der Welt abgeschottet. Nur Geschäftsleute und muslimische Pilger durften einreisen. Es galten die strengen, teils grausamen Regeln eines extrem ausgelegten Islam. 2019 wurden auf Befehl des Kronprinzen Mohammed bin Salman die Regeln für die Bürger gelockert, Frauen haben auf einmal Rechte und westliche Touristen sind willkommen. Wir stellen vor, was es im größten land auf der arabischen Halbinsel zu sehen gibt:

 

1. Petras kleine Schwester

Allein schon die bizarre Landschaft mit den schroffen Felsformationen aus zwischen Rostrot und Kamelbeige changierendem Sandstein ist ein beeindruckender Anblick. Das Sahnehäubchen: was Menschenhände hier leisteten. Die 2000 Jahre alte Stadt Hegra sieht aus wie die berühmte jordanische Wüstenperle Petra.

Kunststück, beide Orte mit ihren in den Fels gemeißelten Monumentalgräbern wurden von den Nabatäern geschaffen. Die Römer haben das Volk später ausgelöscht. Die antiken Stätten waren wichtige Stationen an der Weihrauchstraße, auf der Kamelkarawanen das Baumharz aus Südarabien in den Mittelmeerraum transportierten. Beide dürfen sich heute mit dem Welterbe-Titel der Unesco schmücken.

In Hegra gibt es rund 100 Gräber mit reich verzierten Fassaden. Der auf arabisch „Mada’in Saleh“ genannte Platz wurde von den Einheimischen jahrhundertelang gemieden. Denn der Ort soll verflucht sein – so steht es im „Hadith“, der Sprüchesammlung des Propheten Mohammed. Kronprinz Mohammed bin Salman möchte, dass diese Geschichte vergessen wird.

Hegra ist auf Touristen vorbereitet, es gibt mehrsprachige Hinweistafeln, moderne Toilettenanlagen, bestens ausgebildete Guides. Doch im Gegensatz zum überlaufenen Petra verlieren sich bisher nur einige wenige Besucher in die weitläufige Wüste von Hegra. Sie bestaunen bei der Gelegenheit auch die Inschriften am Berg Ikmah und einen Felsen, der ausschaut wie ein Elefant, der den Rüssel zum Boden senkt. Eine hübsche Laune der Natur.

2. Die Wiege des saudischen Staates

Wie eine überdimensionale Sandburg mit geschwungenen Zinnen ragen die karamellbraunen Lehmbauten in den dämmerigen Himmel. Der Muezzin ruft in der Ferne zum Maghrib, dem vierten Gebet des Tages, das stets bei Sonnenuntergang stattfindet. Ein warmer Wind kämmt die Palmen.

Am Abend ist es besonders magisch, Diriyya zu besuchen, einen Vorort am nordwestlichen Rand der saudischen Hauptstadt Riad. Moderne LED-Beleuchtung setzt die Palastanlage At-Turaif aus dem 15. Jahrhundert raffiniert in Szene. Eine auf die Fassaden der Zitadelle projizierte Lightshow erzählt die Geschichte des Landes.

Hier in der Oase Wadi Hanifa steht die Wiege des ersten saudischen Staates. Im Salwa-Palast lebte die Familie al-Saud, die die verschiedenen Beduinenstämme der Arabischen Halbinsel vereinte und sich selbst zur herrschenden Dynastie erklärte.

Auf den Gründer Muhammad ibn Saud geht der Name des Landes zurück: Das Arabien der Sauds – Saudi-Arabien. Während des ersten saudischen Staates von 1744 bis 1818 war Diriyya Hauptstadt. Nach der Eroberung durch die Osmanen verfielen die Lehmziegelgebäude.

2010 erklärte die Unesco die Ruinen zum Weltkulturerbe, seitdem wird der Ort zu einem riesigen Freiluftmuseum umgebaut. Rundherum sind viele Freizeitanlagen entstanden, unter anderem gibt es eine Rennstrecke für die Elektrorennserie Formel E.

3. Auf der Himmelsbrücke

Ein flaues Gefühl stellt sich ein, als der Aufzug in wenigen Sekunden ins 99. Stockwerk saust. Oben angekommen öffnet sich ein gebogener Steg mit bodentiefen Fenstern. Die Skybridge im Kingdom Tower ist nichts für Menschen mit Höhenangst: 300 Meter über der Stadt bieten sich beeindruckende Ausblicke auf Riad mit seinen schachbrettartig angelegten Straßen.

Die saudische Metropole ist ein rund 1500 Quadratkilometer großer Moloch – das entspricht der Fläche des Großraums London. Die Farbe Grün sieht man von oben nur vereinzelt. Dabei bedeutet Riad übersetzt „die Gärten“, denn hier war einmal eine Oase.

Seit 1938 in der Nähe von Dammam Erdöl gefunden wurde, ist das Königreich unermesslich reich, das sieht man der Hauptstadt an. Der 2002 gebaute Kingdom Tower ähnelt einem riesigen Flaschenöffner und ist das Wahrzeichen von Riad. Zu dem Wolkenkratzer gehört ein Einkaufszentrum mit Boutiquen westlicher Luxusmarken von Gucci bis hin zu Cartier.

4. Dominospiel in der Altstadt von Dschidda

Enge gepflasterte Gassen, Häuser aus weißen Korallensteinen mit aufwendig verzierten, bunten Fenstererkern aus Holz – die Altstadt von Dschidda hat Charme, nicht nur wegen der besonderen Architektur. In Al-Balad schlägt das Herz der Hafenstadt am Roten Meer.

Dschidda gilt als liberalster Flecken im erzkonservativen Königreich. Von jeher kommen Menschen aus aller Welt hier an, um ins nahe gelegene Mekka zu pilgern. Früher nutzten sie den Seeweg, heute sieht man die typischerweise in weiße Tücher gehüllten Reisenden zu Hunderten am supermodernen König-Abd-al-Aziz-Flughafen.

Dschidda ist die Drehscheibe der Pilgerströme zu den heiligen Stätten des Islam. In Al-Balad flanieren viele unverschleierte Frauen zwischen den alten Kaufmannshäusern, sie trinken Tee oder Saft in Cafés und shoppen in den Souks. Ältere Männer sitzen auf der Straße an Holztischen und spielen Domino. Jugendliche sausen auf E-Rollern vorbei – brav geschützt mit Helm und grellgelber Warnweste.

Besonders stolz ist man in Dschidda auf das Nassif-Haus. In dem Palast mit dem großen Niembaum vor der Tür unterzeichnete Abd Al-Aziz ibn Saud, der Staatsgründer des heutigen Saudi-Arabiens, 1933 den ersten Vertrag mit der US-amerikanischen Firma Standard Oil. Wenige Jahre später wurde tatsächlich Erdöl gefunden, auf einmal war das bitterarme Königreich fabelhaft wohlhabend.

Dschidda trägt aber auch den Makel, die Heimatstadt des Terroristenführers Osama bin Laden zu sein. Seine Familie, im Straßenbaugeschäft reich geworden, lebt noch immer hier und genießt großes Ansehen. „Man darf den Angehörigen nicht die Schuld für die Taten eines Einzelnen geben“, sagt Touristenführer Maan Mohammed Omar Filemban.

5. Die Wüste blüht auf

Bis vor Kurzem war die Wüstenstadt Al’Ula ein verschlafener Ort. Dann wurde die Royal Commission of Al’Ula gegründet – und Hunderte Mitarbeiter setzten mit einem Milliarden-US-Dollar-Budget mal eben schnell eine Tourismus-Infrastruktur in den Wüstensand. Nun lädt die renovierte Altstadt zum Flanieren ein.

Am Abend ist die Hauptstraße stimmungsvoll beleuchtet, in den Lehmhäusern wird kein chinesischer Tand verkauft, sondern handgemachte Töpferwaren, Bücher, Kosmetik aus Moringa-Öl, edle Stoffe. Hier hat jemand das Sagen, der sich von alternativen Pop-up-Stores in Europa inspirieren ließ.

Alle Läden tragen ähnlich gestaltete Schilder, das Straßenpflaster ist mit bunten Punkten bemalt. Dazwischen finden sich Cafés, eine Filiale der in Saudi-Arabien beliebten Fast-Food-Kette Dunkin’ Donut und auf einmal: ein riesiger Fernseher. Männer und Frauen lümmeln auf Sandsäcken und schauen Fußball. Es läuft ein Spiel der höchsten saudischen Liga: Al-Nasr Riad verliert 0:4 gegen Al-Hilal Riad.

Info: Anreise

Lufthansa (www.lufthansa.com) und Saudia Airlines (www.saudia.com) fliegen ab Frankfurt direkt nach Riad. Zur Einreise sind ein Visum sowie eine Covid-Krankenversicherung nötig. Beantragung unter https://visa.visitsaudi.com.

Unterkunft und Veranstalter

In Riad gibt es viele Hotels westlicher Ketten wie Holiday Inn, Hilton oder Hyatt. Preisbeispiel: Hyatt Place Riyadh Sulaimania, rund 130 Euro im Doppelzimmer inkl. Frühstück, www.hyatt.com.Habitas Al’Ula ist ein luxuriöses Öko-Resort mitten in der Wüste. Die weitläufige Anlage bietet minimalistischen Schick und Annehmlichkeiten wie einen Infinity-Pool, den sowohl Männer als auch Frauen benutzen dürfen. Ab 560 Euro pro Villa, www.ourhabitas.com. Elegant wohnt man im prunkvollen Hotel Ritz-Carlton direkt an der Corniche von Dschidda, DZ ab 300 Euro pro Person, www.ritzcarlton.com.Der Veranstalter FTI hat eine Tour zu den wichtigsten saudischen Sehenswürdigkeiten im Programm. Die Rundreise „Zauberhafte Welt zwischen Wüste und Moderne“, 8 Tage/7 Nächte ab Riad bis Dschidda kostet ohne Flug ab 1999 Euro pro Person inklusive Halbpension, Buchung unter www.fti.de oder im Reisebüro.

Essen und Trinken

Somewhere heißt ein Lokal in Al‘Ula, in dem es leckere Levante-Küche und einen stimmungsvoll beleuchteten Innenhof gibt, Infos unter: www.experiencealula.com Kabana ist ein schickes In-Lokal mit großer Terrasse in einem Hochhaus von Dschidda, https://kabanarestaurant.com.

Weitere Infos

Saudi-Arabien Tourismus, www.visitsaudi.com

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