Uni Hohenheim Rektor reagiert auf Klagen über katastrophale Wohnheime

Im Wohnheim an der Schwerzstraße in Hohenheim herrschen zum Teil katastrophale Zustände. Foto: Torsten Schöll

Stephan Dabbert ruft das Studierendenwerk dazu auf, junge Menschen mit ihren Wohnnöten ernst zu nehmen, und kündigt pragmatische Hilfe an. Was bedeutet das konkret?

Auf Klagen von Studenten über untragbare Zustände in einigen älteren Hohenheimer Studentenwohnheimen hat nun auch der Rektor der Universität reagiert. Am Mittwoch kündigte Stephan Dabbert „pragmatische Hilfe“ an, sollte es noch einmal zum Ausfall der Wasserversorgung im Wohnheim an der Schwerzstraße kommen. Wie Dabbert erklärt, habe er mit der Kanzlerin und dem Sportbeauftragten der Universität vereinbart, dass in diesem Fall die Duschen und Toiletten der Sportanlage in der Nähe der Wohnheime geöffnet werden. Im Mai hatte aufgrund der derzeitigen Sanierung des Wohnheims Schwerzstraße 3 das benachbarte achtstöckige Gebäude über Tage kein Wasser für Toiletten und Bad.

 

Durch die Berichterstattung unserer Zeitung war Anfang der Woche bekannt geworden, dass es am langen Wochenende um den 18. Mai im Wohnheim Schwerzstraße 1 zu einem massiven Wassereinbruch durch ein leckgeschlagenes Heizungsrohr gekommen war. In der Folge floss heißes Wasser in großen Mengen durch das Treppenhaus des Wohnheims. Weil gleichzeitig der Notruf des Studierendenwerks nicht erreichbar war, mussten die Bewohner die Feuerwehr alarmieren. In den folgenden Tagen war die Wasserversorgung im Wohnheim zusammengebrochen. Auch Toiletten konnten nicht mehr benutzt werden, weshalb die Mutter einer Studentin auf eigene Rechnung mobile Toilettenhäuschen aufstellen ließ.

Der Rektor will „die Wogen mit Pragmatismus glätten“

Nach Telefonaten mit dem rechtlich selbstständigen Studierendenwerk, dem Eigentümer der Wohnheime, wolle der Rektor der Universität nun „die Wogen mit Pragmatismus glätten“, so die Universitätsspitze. „Mir stellt sich der Sachverhalt inzwischen so dar, dass mehrere Dinge zusammengekommen sind“, sagte Dabbert nach einem Gespräch mit der Geschäftsführung des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim.

Demnach sei offenbar im Mai als Teil der Sanierung des Gebäudes Schwerzstraße 3 die Warmwasserversorgung, die auch das betroffene unsanierte Haus Schwerzstraße 1 mitversorgt, umgestellt worden. Dort seien noch alte Kunststoffrohre verlegt, die auf die Anforderungen der neuen Heizungsanlage nicht ausgelegt seien, erklärte das Studierendenwerk gegenüber der Universität. Laut Studierendenwerk hat die beauftragte Fachfirma das Problem nicht vorhergesehen. Die Kosten für die Dixi-Klos seien inzwischen überwiesen.

Studierendenwerk nimmt zum Thema Schimmel Stellung

An die Adresse des Studierendenwerks Tübingen-Hohenheim gab Dabbert den Rat: „Alles so transparent wie möglich halten, Studierende mit ihren Wohnnöten ernst nehmen, und ihnen verdeutlichen: Es wird viel Geld investiert mit dem Ziel, dass Wohnen an der Schwerzstraße mittelfristig richtig attraktiv wird.“ Zum Problem des Schimmelbefalls in einigen Wohnheimen, den die Studenten ebenfalls beklagen, äußerte sich der Rektor der Universität nicht. Auch der Hinweis, dass es teils Ungeziefer und Ratten gebe, blieb unkommentiert.

Das Studierendenwerk hatte angekündigt, wegen des Schimmels eine Umfrage unter den Bewohnern durchzuführen. „Wir können bestätigen, dass im Wohnheim Chausseefeld inzwischen eine solche Befragung stattgefunden hat“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Studierendenwerks. Die Bewohner seien gebeten worden, sich zu melden, falls Schimmel im Zimmer oder in anderen Bereichen eines Gebäudes erkennbar sei.

Nun soll eine Bewertung der einzelnen Meldungen vor Ort erfolgen, so das Studierendenwerk. Erst im Anschluss könnten die entsprechenden Fachfirmen beauftragt werden. Eine vergleichbare Abfrage sei für das Wohnheim Schwerzstraße 1 vorgesehen. Das Studierendenwerk nehme jeden Schimmelfall sehr ernst. „ Hier kann theoretisch immer eine Gesundheitsgefahr bestehen. Daher sind wir um eine rasche Klärung dieser Fälle bemüht, hier aber auch auf die Verfügbarkeit der Fachfirmen angewiesen“, heißt es in der Stellungnahme.

Unterdessen haben sich nun auch Anrainer der Studentenwohnheime an der Schwerzstraße geäußert: Gegenüber unserer Zeitung beklagt eine Anwohnerin, dass es im Außenbereich der Wohnheime teilweise „aussehe wie auf einer Müllhalde“. Man will nicht generell die Schuld bei anderen suchen: „Vielleicht sollte mal jeder Student sein eigenes Verhalten hinterfragen“, sagte die Bewohnerin.

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