Universität Hohenheim Der Einzelkämpfer hat ausgedient

Von -Gauß 

Auch Wissenschaftler dürfen sich künftig nicht mehr in eine Studierklause zurückziehen, sondern müssen ihre Themen zu Forschungsprojekten zusammenführen. So umschreibt Rektor Stephan Dabbert von der Universität Hohenheim die Zukunft der Hochschulstruktur.

Die Universität Hohenheim frischt sich auf: Innerlich ändern sich die Strukturen, äußerlich steht die Sanierung des Schlosses auf dem Plan Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Die Universität Hohenheim frischt sich auf: Innerlich ändern sich die Strukturen, äußerlich steht die Sanierung des Schlosses auf dem Plan Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Das Jahr 2015 war für die Universität Hohenheim ein Jahr der Reformen. „Der Wind wehte, und wir haben die Segel gesetzt“, sagte Rektor Stephan Dabbert bei seinem Jahresbericht vorm Senat. Die Basis dazu legte der neue Hochschulfinanzierungsvertrag, der den Hochschulen von Seiten des Landes Baden-Württemberg finanzielle Sicherheit bis ins Jahr 2020 garantiert und Bürokratie abbauen hilft.

Der Universität Hohenheim habe dies beispielsweise dabei geholfen, so Professor Dabbert, die auf drei Monate festgelegte Wiederbesetzungssperre für frei werdende Stellen abzuschaffen. Früher kassierte das Finanzministerium einen Teil des eingesparten Geldes, der andere Teil floss in den laufenden Betrieb, während die verbliebenen Beschäftigten die Arbeit des bisherigen Stelleninhabers miterledigen mussten. „Jetzt besetzen wir frei werdende Stellen sofort wieder, was einem Gegenwert von jährlich rund zwei Millionen Euro für Forschung und Lehre entspricht“, so Dabbert.

Forscher müssen raus aus der Denkerklause

Auch die Forschung selbst unterliegt einem Wandel. Mehr denn je soll in Hohenheim in drei fakultätsübergreifenden Forschungszentren gearbeitet werden. Ein entsprechendes Leitbild gibt es für die Forschungsschwerpunkte Bioökonomie, Gesundheitswissenschaften, globale Ernährungssicherung und Ökosysteme. Dadurch öffnet sich die Hohenheimer Forschung neuen Themen, die eine neue zentrale Servicestelle künftig an Doktoranden weitergibt – der Doktorvater ist künftig nicht mehr Mädchen für alles. Hilfreich bei diesen Strukturreformen ist laut Dabbert „unsere Überschaubarkeit, das ist eine unserer Stärken“.

Zu dieser Überschaubarkeit hat auch die Ausgliederung der Gartenbauschule beigetragen. Die Zusammenarbeit mit der Uni funktioniere seither gut, so der Rektor. Und auch die Auflösung der Landesanstalt für Chemie bietet den Wissenschaftlern eine neue Chance: Mit Hilfe ehemaliger Mitarbeiter der Landesanstalt wird eine so genannte Core Facility aufgebaut. Sie ist zuständig für teure analytische Forschungsgroßgeräte und Datenbanken, die den Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt werden.

Campus platzt aus allen Nähten

Die niedrigsten Abbruchquoten des Landes und die guten Ideen für eine gute Lehre lobte jüngst das Wissenschaftsministerium. Rektor Dabbert ist 2015 als beliebtester Rektor Baden-Württembergs, 2016 als beliebtester Rektor Deutschlands ausgezeichnet worden. Künftig, auch das ein neuer Beschluss im Zuge der Strukturreformen, werden Studierende bei der Suche nach einem neuen Rektor einen Vertreter in die Findungskommission entsenden können.

Dies alles und die historische Kulisse des Campus zieht Studierende magisch an, es verschärft allerdings die Platznot der Hohenheimer. Dennoch fand man mit Hilfe des Masterplans 2030 Lösungen, das Labor für Phytomedizin und die Mensa zu erweitern, und auch für neue Wohnheime soll eine Neubaulösung auf dem Campus in greifbare Nähe gerückt sein. Auch das Schloss muss umfassend saniert werden, allerdings erst nach dem 200-Jahr-Jubiläum im Jahr 2018. Bis dahin will Dabbert den nächsten Struktur- und Entwicklungsplan fertig haben.




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