Um Parkgebühren zu sparen, weichen Studenten der Uni Hohenheim in Wohngebiete aus Foto: Torsten Schöll
Mit Unibeginn wird der Parkraum in Plieningen und Birkach wieder knapp. Etliche Studenten versuchen, die Parkgebühren auf dem Campus zu vermeiden. Das führt zu Konflikten mit Anwohnern.
Torsten Schöll
14.04.2024 - 13:08 Uhr
Das Semester hat begonnen. Damit gibt es auch wieder Parkplatzprobleme rund um die Universität Hohenheim und betroffenen Wohngebieten in Birkach und Plieningen.
Olaf Kleindienst ist ein besonnen wirkender Zeitgenosse. Das Haus des 53-Jährigen liegt in der Blütenstraße, direkt neben dem Campus der Uni Hohenheim. Als ehemaliger Student kennt der Birkacher die Nöte seiner Nachbarn: Dass Studenten, die aus dem Umland mit dem Pkw anfahren oder in einem der Wohnheim leben, ihre Fahrzeuge lieber kostenlos am Straßenrand abstellen als auf den seit geraumer Zeit bewirtschafteten Parkplätzen der Universität, kann der Anwohner voll und ganz nachvollziehen.
Für Studenten aus ländlichen Gebieten ist die ÖPNV-Anreise umständlich
„Das würde jeder so machen“, sagt Kleindienst. Was den gelernten Diplomökonomen ärgert ist, dass das Land Geld in die Parkraumbewirtschaftung auf dem Campus gesteckt hat, anstatt die Mittel als Mobilitätsbudget an die Studierenden zu verteilen. Im Wohnquartier rund um die Egilolfstraße komme es immer wieder zu Auseinandersetzungen um Parkplätze, erzählt Kleindienst: „Wir hatten schon mehrfach den Fall, dass Leute sich gegenseitig angeschnauzt haben“, erzählt der Birkacher. Verschärft habe sich die Parkplatzsituation auch, weil seit einiger Zeit die Buslinie 65 direkt an den Flughafen angeschlossen ist. „Hier werden Autos abgestellt, um dann in einer Viertelstunde mit dem Bus zum Flughafen zu fahren.“
Olaf Kleindienst /Torsten Schöll
Dass weniger Studenten mit dem Auto nach Hohenheim pendeln, weil das Land auf den Universitätsparkplätze Parkgebühren verlangt, glaubt der Birkacher nicht. „Das funktioniert hier nicht“, sagt Kleindienst. Einer der Gründe: Viele Studenten kommen aus ländlichen Regionen, von wo die Anfahrt mit dem ÖPNV zu umständlich wäre.
Der FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag, der das Land massiv für die Einführung der Parkraumbewirtschaftung kritisiert, hat vergangenen Montag den engagierten Anwohner und Vertreter der Studentenschaft vor Ort zusammengeführt, um sich über die Situation auszutauschen.
Das Studentenparlament berät ein verbindliches Semesterticket
Ob das Gros der Studenten überhaupt auf Bus und Bahn umsteigen will oder kann, dürfte sich demnächst zeigen. Im laufenden Sommersemester, so Inga Müller, Asta-Vorsitzende der Universität Hohenheim, werden die Studierenden darüber entscheiden, ob ab dem Wintersemester ein verbilligtes Deutschlandticket als verbindliches Semesterticket „im Vollsolidarmodell“ eingeführt werden soll. Jeder Student müsste dann zwangsweise für das Ticket rund 30 Euro monatlich zusätzlich zu seiner Studiengebühr entrichten.
Inga Müller Foto: Torsten Schöll
„Im Studentenparlament ist die Stimmung dazu eher negativ“, sagt die Asta-Vorsitzende. Einer der Gründe könnte sein, dass kaum jemand, der schon ein Auto besitzt und es aufgrund seines Wohnorts auch benötigt, zu den Kosten für das eigene Fahrzeug noch das Semesterticket bezahlen will. Studentenvertreter mehrerer Stuttgarter Hochschulen hatten deshalb auch bei Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper angefragt, ob die Stadt ein solches Studententicket weiter subventionieren könnte, erzählt Müller. Das sei aber abgelehnt worden.
Die Stadt will die Thematik vertieft untersuchen
Wie das Bezirksamt Plieningen-Birkach mitteilt, wird die Stadt nun in zwei definierten Bereichen rund um die Universität vertiefte Untersuchungen anstellen, ob eine Regelung für Anwohnerparken den Konflikt lösen könnte. In dem Fall würde der Druck auf die Studenten steigen, entweder für das Parken zu bezahlen oder trotz aller Hindernisse den ÖPNV zu benutzen. An künftig weniger Fahrzeuge in den Wohnvierteln glaubt Kleindienst indes nicht. „Die künstliche Verknappung der kostenlosen Parkplätze ist weder wirtschaftlich sinnvoll, noch fördert sie die klimafreundliche Mobilität“, sagt der Anwohner. Mit den Gebühren sei nichts erreicht, solange es keine praktikablen Alternativen gebe.