Stuttgarter Unis So funktioniert die Mitfahr-App

Manmit Padhy (rechts) arbeitet an der Fakultät für Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart und nutzt für den Weg dorthin oft das Auto – aber selten allein. Foto: privat

Seit dem Frühjahr gibt es eine Mitfahr-App an den Universitäten der Stadt. Sie soll dazu führen, dass weniger Menschen mit dem Auto fahren. Wie wird das Angebot angenommen?

Manmit Padhy braucht mit seinem Auto ungefähr 15 Minuten zu seinem Arbeitsplatz an der Fakultät Luft- und Raumfahrttechnik der Uni Stuttgart. Möchte er die Strecke allerdings mit den öffentlichen Verkehrsmittel zurücklegen, kostet ihn das meistens eine halbe Stunde mehr.

 

„Gerade wenn ich früh am Morgen für wichtige Termine an der Uni sein muss, kann ich nicht mit der Bahn fahren, da dauert das einfach zu lange“, erklärt er. Deswegen nehme er doch öfter das Auto als die umweltfreundlichere Bahn. Durch eine Mitarbeiter-Mail wurde Padhy aber auf die Mitfahr-App der Uni aufmerksam und bietet seitdem seine Fahrten dort regelmäßig an. „Ich fahre ja sowieso und ob dann jemand mitfährt, ist mir egal“, so Padhy. „Außerdem sind so weniger Autos auf der Straße, das tut vor allem in Stuttgart gut.“

Weniger Autos auf der Straße – das ist auch das Ziel von Luisa Hoffmann, Mobilitätmanagerin an der Uni Stuttgart. „Wir möchten natürlich niemanden von den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad abbringen. Aber wenn jemand sowieso mit dem Auto fährt, wäre es doch super, wenn sich eine Fahrgemeinschaft bildet.“ Vorteile sieht sie vor allem in der Ressourcenteilung. So werden Emissionen aber auch Spritkosten unter den Mitfahrenden aufgeteilt. „Außerdem kommt auch ein sozialer Aspekt hinzu, vielleicht ergeben sich ja bei manchen regelmäßige Fahrgemeinschaften, durch die man neue Menschen kennenlernt“, so Hoffmann.

Fahrgemeinschaften werden zu Freunden

Neue Bekanntschaften hat auch Nicolas Klein von der Uni Hohenheim gemacht. Der 29-jährige Doktorand fährt fast jeden Tag aus der Nähe von Reutlingen an die Uni. Das sind 45 Minuten Fahrt mit dem Auto, mit den Öffentlichen fast eineinhalb Stunden. „Durch Zufall hat sich dann jemand über die App bei mir gemeldet, der nur zehn Minuten entfernt von mir wohnt“, so Klein. Diese erste Nachricht legte den Grundstein für eine regelmäßige Fahrgemeinschaft – und noch mehr. „Wir sind eine Gruppe von fünf Personen und verstehen uns richtig gut“, sagt Klein. So kommt der 29-Jährige mit Kollegen ins Gespräch, die er sonst nie kennengelernt hätte: „Die Fahrten sind total erfrischend, weil wir uns über alles Mögliche austauschen: Kinofilme, Theater oder ein besonderer Weihnachtsmarkt.“

Eine Mitfahrerin von Nicolas Klein ist Olga Calvo. Auch sie genießt die entspannten Fahrten mit der Fahrgemeinschaft. „Wir hören keine Musik im Auto, weil unsere Gespräche einfach super sind“, sagt die Projektmanagerin. Außerdem ist für sie noch ein Punkt wichtig: „Ich möchte einfach ans Klima denken, aber eben auch gerne vor Ort an der Uni sein. Mit der Fahrgemeinschaft kann ich meine beiden Ziele unter einen Hut bringen.“

Nicolas Klein, Olga Calvo und Florian Klebs (von links) von der Uni Hohenheim bilden einen Fahrgemeinschaft. Foto: privat

Die Uni Hohenheim ist im Gegensatz zur Uni Stuttgart fast ausschließlich mit dem Auto zu erreichen, da es bisher noch keine direkte Stadtbahnanbindung nach Hohenheim gibt. „Viele Mitarbeitende und Studis kommen von den Fildern oder ländlichen Regionen, und da könnte ich mir vorstellen, lohnt sich die Mitfahr-App sehr“, so Martin Kerner, Mobilitätsmanager an der Uni Hohenheim. Ein Vorteil der App ist für Kerner vor allem die Individualität: „Wir legen hier an der Uni in unserem Mobilitätskonzept Wert darauf, dass viele unterschiedliche Möglichkeiten angeboten werden, wie man zur Uni kommen kann.“

Die Mitfahr-App wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr finanziert und kann von Mitarbeitenden der Unis in Stuttgart, des Stuttgarter Flughafens, der Stadt und des Marienhospitals genutzt werden.

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