Unmut in Stuttgart-Wangen Projekt für Menschen in Notlagen polarisiert

Von Mathias Kuhn 

Die Evangelische Gesellschaft will das Haus Wasenstraße 14 anmieten und dort Menschen in Notlagen betreuen. Die Wangener sind darüber nicht erfreut.

Die Evangelische Gesellschaft möchte  gern das   Haus Wasenstraße 14 für ein sozial betreutes Wohnprojekt anmieten. Foto: Kuhn
Die Evangelische Gesellschaft möchte gern das Haus Wasenstraße 14 für ein sozial betreutes Wohnprojekt anmieten. Foto: Kuhn

Wangen - Die Evangelische Gesellschaft Stuttgart (Eva) hat die Gelegenheit erhalten, ein Haus in der Wasenstraße 14 anzumieten. Der Eigentümer sei mit dem Angebot auf die Gesellschaft zugekommen. „Wir wollen in dem Haus Wohnraum für Menschen schaffen, die gerade in persönlichen Notlagen sind“, berichtete Eva-Mitarbeiter Klaus Masanz. In den sieben Wohnungen will die Evangelische Gesellschaft 20 Personen unterbringen – in Wohngemeinschaften mit zwei bis vier Personen. Das Erdgeschoss des Hauses sei für Büros und für die Eva-Mitarbeiter als Ansprechpartner reserviert. Ein fünfköpfiges Eva-Team werde sich vor Ort um die künftigen Bewohner kümmern.

Masanz machte allerdings klar, dass die künftigen Bewohner sich von den Bewohnern des Hotels plus der ambulanten Hilfe im ehemaligen „Rössle“ in der Ulmer Straße unterscheiden würden. „Bei unseren Bewohnern geht es in erster Linie darum, ihnen Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Sie haben ein gutes Maß an Selbstversorgung und gehen in der Regel auch einer Arbeit nach.“ Krankheit, Scheidung, Verlust des Partners, Verschuldung oder der Verlust der Arbeitsstelle – aus unterschiedlichen Gründen seien sie aus der Bahn geworfen worden und hätten ihre Wohnung verloren. Teilweise leiden sie unter Depressionen. Sie haben Zugang zu den Fachberatungsstellen, nun müsse ihre Versorgungsstruktur ergänzt werden. Sie benötigen Hilfe bei Medikamenten der in Geldfragen und vor allem ein Dach überm Kopf. Insofern sei in Zeiten der Wohnungsnot das Angebot des Hausbesitzers eine große Hilfe. „Die Menschen erhalten die Chance, ihren Weg ins normale Leben wiederzufinden. Eine Wohnung ist dazu ein zentraler Baustein“, ergänzte Jan Peter vom Sozialamt der Stadt.

Die Wohnungen werden gerade renoviert

Die Wohnungen in dem Eckhaus werden gerade renoviert. Die bisherigen Mieter sind teilweise ausgezogen, die neuen sollen Ende des Jahres einziehen können. Sie erhalten normale, unbefristete Mietverträge. Der Innenhof könne von den Mietern zusätzlich für gemeinsame Aktivitäten genutzt werden, erklärte Masanz in der vergangenen Bezirksbeiratssitzung.

Die Bezirksbeiräte blieben skeptisch. Peter Selig-Eder (SÖS/Linke) fragte sich, ob es für den Besitzer nicht doch eine günstige Gelegenheit ist, mehr Miete zu verdienen. Grundsätzlich gebe es in Wangen traditionell eine äußerst tolerante Haltung gegenüber sozialen Projekten, betonte Bezirksvorsteherin Beate Dietrich. Immerhin gebe es im Stadtbezirk Wangen bereits einige sozial betreute Wohnungsprojekte, was sich auch an den Ergebnissen im Sozialdatenatlas ablesen lassen könne. „Die Daten für Wangen verschlechtern sich. Wir benötigen Unterstützung. Wie können wir dies kompensieren?“, sprach Dietrich die Sorgen der Wangener an. Zumal die neuen Wohnungen keineswegs Wangenern in Not zugutekommen sollen. Die Warteliste der Stadt sei so groß, dass das Amt nicht garantieren könne, dass Wangener bevorzugt berücksichtigt würden und auf diese Weise im Stadtbezirk gehalten werden könnten.

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