Unter 30: Denise Haverkamp von Finance, Baby! Stuttgarterin setzt sich für finanzielle Unabhängigkeit von Frauen ein

, aktualisiert am 16.01.2023 - 16:00 Uhr
Denise Haverkamp setzt sich mit dem Start-up Finance, Baby! für die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen ein. Foto: Helene Schweizer

Immer mehr Frauen droht in Deutschland die Altersarmut. Denise Haverkamp will sie dazu ermutigen, ihre finanzielle Zukunft in die Hand zu nehmen. Wir haben die Mit-Gründerin des Stuttgarter Start-ups "Finance, Baby!" zum Interview getroffen. [Plus-Archiv]

Aus einer aktuellen Anfrage der Linken beim Bundesarbeitsministerium geht hervor, dass jede dritte Frau mit einer Vollzeitstelle in Deutschland auch nach 40 Arbeitsjahren auf eine Rente von weniger als 1000 Euro netto zusteuert. In vielen Fällen erwartet sie demnach die sogannte Altersarmut. Eine Gründerin, die sich mit ihrem Start-up für die finanzielle Unabhängigkeit von Frauen einsetzt, heißt Denise Haverkamp. "Wir wollen das Thema Finanzen nahbarer machen und Frauen dazu ermutigen, ihr Leben selbst in Hand zu nehmen", so die Stuttgarterin.

 

"Dann wäre mein Potential im Keller vergammelt"

Für die 26-Jährige war das nicht immer selbstverständlich. "Früher hätte ich mir das alles niemals zugetraut. Ich wusste auch von Haus aus gar nicht, was es für verschiedene Möglichkeiten gibt.“ Ihr fehlten genau die Vorbilder, die sie später im Freund:innenkreis fand: „Ohne Menschen um mich herum, die mir vorlebten, dass man selbstbestimmt etwas erschaffen kann, hätte ich diesen Schritt niemals gewagt. Dann wäre mein Potential im Keller vergammelt."

Lernen, mutig zu sein

Denise sagt, sie musste erst lernen, mutig zu sein. Schon während ihres Studiums rief die heute 26-Jährige gemeinsam mit Constantin Schiller und Tim Bengel das Künstler:innenkollektiv Plattform 11 für junge kreative Stuttgarter:innen ins Leben. Die nächste Station ließ nicht lange auf sich warten. Auch bei der Plattform Mädchenflohmarkt erkannte man ihr Potential. Ursprünglich im Lager gestartet, ging es für Denise direkt ins Headquarter des Start-ups, wo sie auch nach ihrem Abschluss knapp drei Jahre lang in den Bereichen Content Marketing, Influencer Relations und Events tätig war. 

Eigene Learnings an andere Frauen weitergeben 

"Ich habe dennoch ziemlich schnell gemerkt, dass ich etwas eigenes machen will, um meine Learnings weiterzugeben. Es gibt einfach zu viele Frauen da draußen, die eine ähnliche Geschichte haben wie ich. Frauen, die mit Angst aufwachsen und sich selbst klein halten, weil sie es nicht anders gelernt haben. Genau das will ich anderen ersparen."

Neben ihrem damaligen Mädchenflohmarkt-Chef Peter Ambrozy, von dem sie viel über den Aufbau eines Start-ups erfahren konnte, lernte sie 2020 Yannick Frank, Gründer von der Agentur Hatchery kennen, der sie dazu ermutigte, ihrem Purpose zu folgen. "Er fragte mich damals, ob ich schon mal darüber nachgedacht hätte, zu gründen. Dann bekam ich Angst, weil ich ja keine finanziellen Mittel hatte." Und letztendlich brachte genau dieses Gefühl den Stein ins Rollen. 

So entstand die eigentliche Idee für Finance, Baby!

Es folgten die Coronapandemie, der erste Lockdown und die damit verbundene finanzielle Instabilität, die immer spürbarer wurde. "Plötzlich investierten alle, kümmerten sich um alternative Altersvorsorgen. Da bekam ich Panik und arbeitete mich näher in die Thematik ein." Im nächsten Schritt befragte die Gründerin 30 Frauen aus ihrem erweiterten Umfeld zum Thema Geld und es stellte sich heraus, dass viele der Befragten sich zwar mit Finanzen auseinandersetzen wollten, aber keine Lösung fanden, weil die Nahbarkeit fehlte. So entstand die eigentliche Idee für Finance, Baby!

"Wer bin ich eigentlich?"

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Teresa Wirth entschied sich Denise dazu, die Idee weiterzuentwickeln - anfangs noch neben dem eigentlichen Vollzeitjob. "Das ging natürlich nicht lange gut. ich befand mich in einem konstanten Zwiespalt und konnte nicht für beides 100 Prozent geben. Aber das ist nun einmal mein Anspruch." Denise kündigte, bewarb sich für einen Teilzeitjob und lies damit auch sich zurück, wie sie sich bisher kannte: "Ich habe mich gefragt: Wer bin ich eigentich ohne das, was ich gemacht habe und wer will ich überhaupt sein?" 

Immer auf das eigene Bauchgefühl hören

Heute weiß sie es besser und hat gelernt, auf ihr Bauchgefühl zu hören. "Wir dachten anfangs oft, dass die anderen ja Recht haben müssen, einfach weil wir noch so unsicher waren. Wir wussten es ja auch nicht besser." Für sie ging das einher, mit dem Gefühl vor anderen abliefern zu müssen. "Dabei gehören Fehler einfach dazu." Bei sich zu bleiben, sei am Ende der Schlüssel zu allem: "Und das geht eben nur, wenn man lernt, die eigenen Energie einzuteilen - und vor allem auch Nein zu sagen", ergänzt Denise.

Seit 2020 ist einiges passiert und das Finanz-Baby von Denise und Teresa ist groß geworden: ein erfolgreiches Crowdfunding, die Weiterentwicklung der Onlineplattform, das erste eigene Gehalt, das erste Office, eine Masterclass, Investoren, die Zusammenarbeit mit Finanzberaterinnen, eine App-Entwicklerin als Vollzeitangestellte und im Mai 2022 folgte schließlich der große "Finance, Baby!"-App-Launch. Für Denise steht fest: Da kommt noch einiges. Denn, und das hat sich auf ihrer bisherigen Reise bestätigt: "Es findet sich immer ein Weg. Wir lassen uns nicht mehr aufhalten."

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