Unter 30: Louisa Schneider Die Stuttgarter Aktivistin geht auf Klima-Weltreise

Die Aktivistin Louisa Schneider im Amazonasregenwald in Brasilien, Nähe Sinop. Foto: Markus Mauthe

Was bewegt eine 23-Jährige, eine Weltreise für das Klima anzutreten? Louisa Schneider ist Journalistin, Moderatorin und Klimaaktivistin - und reist im Auftrag von Greenpeace zu fünf Klimakipppunkten. Wir haben mit ihr über das große Vorhaben gesprochen.

"Ich war schon immer eine Naturenthusiastin", sagt Louisa lachend. Wir sitzen am Marienplatz, gleich muss die 23-Jährige weiter, "stichfeste Kleidung besorgen." Denn ihr stehen sowohl das größte Abenteuer als auch die größte Herausforderung ihres bisherigen Lebens bevor: Für Greenpeace begleitet Louisa seit dem dritten September den Naturfotografen Markus Mauthe auf Weltreise zu fünf Klimakipppunkten des Planeten - Brasilien, Westafrika, USA/Kanada, Grönland und Richtung Pazifik. 

 

"Wir wollen hinhören und lernen"

Die Reise erstreckt sich auf ein ganzes Jahr. Fünf Wochen dauert der Aufenthalt im Amazonas-Regenwald. Neben einer begleitenden Instagramseite, die als Live-Ticker fungiert, soll es zum Ende einen Film, viele Fotoshows und Vorträge geben. "Es wird eine Dokumentation über die Auswirkungen globaler Klimaveränderungen, doch wir wollen auch Lösungen aufzeigen - denn die gibt es. Die Utopien eines besseren, anderen Lebens im Einklang mit Mensch, Tier und Natur werden bereits an verschiedenen Orten unseres Planeten gelebt. Wir wollen ihre Stimmen verstärken, hinhören und von ihnen lernen."

WEITERLESEN NACH DIESEM VERLAGSANGEBOT

Stadtkind

Bleibe up-to-date mit dem Stadtkind-Newsletter.

Weiter Mehr erfahren

Die Welt sehen, wie sie wirklich ist

Die Studentin gibt zu: "Natürlich habe ich Angst, aber vor allem auch großen Respekt." Außerdem sei Angst ja auch ein Antrieb. „Ich weiß, dass diese Reise viel verändern wird. Es fühlt sich ein bisschen so an wie in dem Film Matrix: Willst du die blaue oder rote Pille schlucken? Willst du lieber in deinem europäisch-privilegierten Traumland weiterleben oder die Welt so sehen, wie sie wirklich ist", sagt Louisa.

In Vorbereitung recherchiert die Aktivistin viel und setzt sich unter anderem mit dem Thema White Saviorism - also dem kritischen Bild der Weißen Retter:innen - auseinander. "Das ist definitiv ein wichtiger Punkt, da ich unsere westliche Sicht auf Dinge nicht reproduzieren will."

Zwischen Klimaschutz und Resignation

Das Thema Natur- und Klimaschutz lag ihr schon immer am Herzen, auch wenn sie es zwischenzeitlich aus den Augen verloren hat. "In meiner Schulzeit absolvierte ich ein Praktikum bei einer Dienstleistungsgesellschaft, die ökologische Begehungen für Grünflächen machen. Mir sind dort so viele resignierte Menschen begegnet, die abgeschlossen hatten mit dem Gedanken, dass sie wirklich etwas verändern können, da sie das Gefühl hatten, nicht ernstgenommen zu werden."

Louisa bewarb sich also zunächst für den Studiengang Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien und entdeckte dort in einer Vorlesung, beim Schulradio sowie dem Hochschulfernsehen ihre Liebe zum Journalismus. Mittlerweile arbeitet sie in der Redaktion des SWR, als freie Moderatorin und klärt seit Sommer 2021 auf Social Media in kurzen Videos über klimarelevante Themen auf. In ihren Clips verbindet sie Fakten mit Humor, ohne mit dem Finger auf andere zu zeigen.

"Alles fängt mit Bildung an"

„Bei mir hat ja auch alles erst mit Bildung angefangen", sagt sie und erinnert sich zurück. "Im November 2018 bin ich morgens in einen Fridays-for-Future-Streik reingelaufen und dachte mir: 'Hä was ist hier los?' Ich habe dann eine Klimaaktivistin angesprochen und war total fasziniert, dass da so viele Menschen auf der Straße sind, die sich mit Themen auseinandersetzen, die mir wichtig waren und nach wie vor wichtig sind."

Mit Fridays for Future zur Klimaaktivistin

Die Fridays-for-Future-Bewegung inspirierte Louisa, sich dem Thema wieder zu nähern. Sie engagierte sich erst lokal, dann bundesweit. 2021 moderierte sie sogar den globalen Klimastreik im Schlossgarten. "Das war eine außerkörperliche Erfahrung", sagt die 23-Jährige. "Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich Gänsehaut."


Ein weiterer großer "Mindchanger", so die Stuttgarterin, war das Buch "Vom Ende der Klimakrise" von Luisa Neubauer und Alexander Repenning, in welchem sie zum ersten Mal von Begriffen wie "Klimakippunkte" erfuhr. "Ich war echt sauer. Warum wird das nicht schon viel früher in der Schule behandelt? Klar, im Erdkundeunterricht wurde der Klimawandel damals einmal kurz abgeklappert, so nach dem Motto: 'Es könnte mal zum Problem werden, aber halt erst in 50 Jahren.' Dabei sind wir doch schon mittendrin."

Auch Louisa muss immer wieder Kritik einstecken - vor allem von Klimawandelleugner:innen. Sätze wie "Bist du auch so eine Fridays-for-Future-Göre?" oder "Ihr solltet lieber etwas Richtiges lernen" hat die Aktivistin schon etliche Male gehört. Diskutieren will sie trotzdem. Der Klimawandel sei immerhin ein globales Problem.

"Wir müssen immer im Gespräch bleiben"

"Natürlich ist es schwierig, wenn man merkt, da lässt jemand nicht mit sich reden. Aber es geht uns ja alle an. Ich versuche den Menschen deshalb immer auf Augenhöhe zu begegnen, nicht zu appellieren, auch wenn das die Situation eigentlich erfordert. Meistens hilft es, zuzuhören, die Probleme der anderen zu erfassen und so ein gemeinsames Fundament zu kreieren." Mit ihrer Arbeit will Louisa den Zugang zum Thema Klimawandel erleichtern. Canceln ist für sie keine Option: "Wir müssen immer im Gespräch bleiben."

Weitere Themen