Unterer Schlossgarten Stuttgart Wie geht es mit dem Kiosk am Grillplatz weiter?

Ein Provisorium, das erst mal so bleiben soll – erst im Herbst 2024 soll ein neuer Kiosk am Grillplatz entstehen. Foto: Jürgen Brand

Ein Provisorium bestehend aus Imbisswagen und Containertoiletten: Die Interimslösung am Grillplatz im Unteren Schlossgarten wird es auch im nächsten Jahr noch geben.

Kioske sind voll im Trend. Der Kultur Kiosk von Sara Dahme im Züblin-Parkhaus ist das Paradebeispiel dafür, auch wenn er als Ausstellungs- und Veranstaltungsort eher wenig mit einem eigentlichen Kiosk zu tun hat. Oder der Kiost am Ostendplatz im Stuttgarter Osten, wo einem klassischen und schon etwas verstaubten alten Kiosk neues und zeitgemäßes Stadtleben eingehaucht wird.

 

Den Kiosk am Grillplatz im Unteren Schlossgarten gibt es dagegen nicht mehr. Stattdessen steht dort ein mit einer Holzfassade verkleidetes Provisorium, bestehend aus Imbisswagen und Containertoiletten. Das soll bis nächstes Jahr auch so bleiben, bevor dann doch vielleicht mit dem Kiosk-Neubau begonnen wird.

Der Kiosk war ein zu allen Zeiten beliebter Treffpunkt

Der Bereich um den Grillplatz im Schlossgarten ist beliebt, selbst an den zuletzt wirklich heißen Augusttagen war dort immer etwas los. An den Tischtennisplatten werden unermüdlich Matches ausgetragen, wenn gegrillt werden darf, haben die Grillstellen kaum Zeit zum Abkühlen, und die Schattenplätze auf den umliegenden Wiesen sind selten verwaist. Deswegen steht oder besser stand der Kiosk dort seit Jahrzehnten an genau der richtigen Stelle. Das war bis 2021 so. Dann fegte ein Gewittersturm durch die Innenstadt, ein benachbarter Baum konnte ihm nicht standhalten und fiel genau auf das Kioskdach. Schon etliche Jahre vorher war über eine Sanierung oder Erneuerung des deutlich in die Jahre gekommenen Zweckbaus samt längst nicht mehr hygienischen Toiletten diskutiert worden. Aber auch bei einem einfachen Kiosk dauert es hierzulande halt einfach manchmal länger. Auch jetzt noch.

Ein kurzer Blick zurück: Die Anlage war zur Bundesgartenschau 1977 errichtet worden und war bis zu dem Gewittersturm eines der letzten Originalgebäude aus der Zeit. Die Fläche gehört dem Land, um den Schlossgarten kümmern sich Wilhelma-Gärtner, auch um die Hinterlassenschaften der vielen Partygriller, deren Zahl dort im Lauf der Jahre eher zugenommen hatte. Auch die hygienischen Zustände waren mit der Zeit fragwürdiger geworden.

Erste Forderungen nach einer Sanierung gab es schon 2016

Im Jahr 2016 hatte der einstige Bezirksvorsteher von Stuttgart-Ost und heutige Leiter des Grundsatzreferats Klimaschutz, Mobilität und Wohnen im Rathaus, Martin Körner, das Land aufgefordert, den Bereich zu sanieren und zu modernisieren. Zunächst geschah nichts, ein Jahr später stellte das Land dann doch Geld für einen Neubau zur Verfügung. Die Pläne dafür – ein zu begrünendes Funktionsgebäude aus Beton – fielen jedoch im Gestaltungsbeirat und auch im Bezirksbeirat Stuttgart-Ost sang- und klanglos durch. Und die Stadt wollte auch keine Befreiung vom gültigen Bebauungsplan – der sieht dort eine Grünfläche vor – in Aussicht stellen, weil das neue Gebäude auch wirklich zum Unteren Schlossgarten passen müsse.

In den folgenden Jahren war der Bundesgartenschau-Pavillon vor allem im Bürgerhaushalt immer wieder Thema: Mehrfach wurde eine Neugestaltung gefordert, die Anlage sei „für so eine reiche Stadt wie Stuttgart nur ein schlechter Witz“, hieß es in Kommentaren unter anderem. Im Jahr 2020 ließ das Land dann einige Schönheitsreparaturen vornehmen. Das weitere Vorgehen sollte nach der damaligen Sommersaison geprüft werden.

Der Bezirksbeirat hätte den Kiosk gerne wieder aufgebaut

Dann, 2021, riss der Sturm den Baum um, der Kiosk musste geschlossen werden. Das Land stellte als Ersatz den Imbisswagen samt WC-Container zur Verfügung. Ende 2021 begannen die Demontagearbeiten an den Kioskresten, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Im September 2021 machte sich der Bezirksbeirat Stuttgart-Ost für „eine denkmalgerechte Wiederherstellung des Kiosks“ stark.

Anfang 2022 antwortete das Finanzministerium auf ein Schreiben des Sprechers der SPD-Bezirksbeiratsfraktion, Jörg Trüdinger: „Die bereits durchgeführte Prüfung der Bausubstanz hat ergeben, dass eine Sanierung des stark beschädigten Bestandsgebäudes unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht möglich ist.“ Das Land wolle aber an der Einrichtung festhalten.

Ministerium kann keine „belastbaren Aussagen“ machen

Jetzt, eineinhalb Jahre später, hat das Finanzministerium sich erneut zu dem Pavillon geäußert. Der FDP/DVP-Landtagsabgeordnete Friedrich Haag hatte in einem ganz anderen Zusammenhang eine Anfrage gestellt und dabei auch nach dem Zeitplan für den Kiosk gefragt.

Die Antwort diesmal: „Vorbehaltlich der Vorlage der notwendigen rechtlichen Genehmigungen soll der Baubeginn für den Kioskneubau im Jahr 2024 erfolgen und der Kiosk zur Saison 2025 in Betrieb gehen. Zu den Gesamtkosten kann aufgrund des aktuellen Planungsstands keine belastbare Aussage getroffen werden. Die Planung sieht die Errichtung einer Unisex-24h-Toilette vor. Zu den Unterhaltungskosten kann aufgrund des aktuellen Planungsstands keine belastbare Aussage getroffen werden.“

Darüber, wie das neue Gebäude aussehen soll, werden keine Aussagen gemacht. Berücksichtigt man den für solche Bauvorhaben üblicherweise erforderlichen Genehmigungsvorlauf, müssten die Pläne dafür eigentlich noch in diesem Jahr dem Bezirksbeirat Stuttgart-Ost und anschließend dem Gemeinderat vorgelegt werden. Vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien könnte dann auch im Herbst 2024 wirklich mit dem Neubau begonnen werden.

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