Unverpackt-Laden in Schorndorf Die Gelbe Tonne bleibt leer

Herzstück des Unverpackt-Ladens von Larissa Berger sind die vielen Glasspender Foto: Gottfried Stoppel

Larissa Berger hat im Frühjahr ihren Unverpackt-Laden in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) eröffnet. Trotz der widrigen Begleitumstände durch die Corona-Pandemie bereut die 28-Jährige ihren Schritt nicht.

Schorndorf - Müsli, Mandeln, Majoran. Spülmittel, Shampoo, Schokolade. Es gibt fast nichts, was es bei Larissa Berger nicht zu kaufen gibt. In Bioqualität und ohne Verpackung. Am liebsten geliefert vom Erzeuger um die Ecke. Die Seifen kommen aus dem Schwäbischen Wald, die Nudeln aus Urbach, das Waschmittel aus Winterbach. Und wenn kurze Wege nicht möglich sind – wie bei den Nüssen –, dann achtet die Schorndorferin auf ein Fair-Trade-Siegel.

 

Im Mai, kurz nach dem ersten Lockdown, hat sie ihren Unverpackt-Laden in Schorndorf (Rems-Murr-Kreis) eröffnet. „Als meine Idee konkret geworden ist, war Corona kein Thema“, erzählt die 28-Jährige. Auch wenn es bessere Zeiten gibt, um eine Mischung aus Lebensmittelladen und Gastronomie zu gründen, „ich würde es bereuen, hätte ich es nicht gemacht“.

Den alltäglichen Einkauf müllfrei ermöglichen

Auf die Idee ist Larissa Berger gekommen, weil ihr eine müllfreie Einkaufsmöglichkeit selbst gefehlt hat. Während des Studiums und als Berufsanfängerin hat sie in München gelebt und dort das Konzept der Unverpackt-Läden kennengelernt. Vergangenes Jahr ist sie mit ihrem Mann zurück nach Schorndorf gezogen. Schnell vermisste sie es, die Dinge des täglichen Bedarfs verpackungsfrei einzukaufen. „Es gibt zwar in Schwäbisch Gmünd und Stuttgart Unverpackt-Läden, aber das ist für den alltäglichen Einkauf zu weit weg, das wäre nicht nachhaltig.“

Innerhalb nur eines halben Jahres hat Larissa Berger ihre Idee in die Tat umgesetzt – mit Hilfe der ganzen Familie, weswegen sie ihren Laden auch „Bergerei“ genannt hat. Bestandteil des Konzeptes ist die Verbindung mit einem Café und einem Mittagstisch: „Ich möchte zeigen, was man mit den Lebensmitteln alles machen kann, wie der Zerowaste-Kaffee schmeckt, möchte inspirieren, möchte, dass man sich hier wohlfühlen kann“, erzählt die Quereinsteigerin, die eigentlich aus dem Bereich Produktmanagement kommt.

Kein Cent aus Corona-Hilfsprogrammen

Der Oktober war der erste Monat, in dem sich alles eingespielt hatte – und der damit endete, dass Larissa Berger ihr Tagescafé schließen musste. Weil sie Neugründerin ist und nur einen geringen Anteil an Gastronomie hat, bekommt sie keinen Cent aus Überbrückungsprogrammen. „Das ist schon hart“, sagt Larissa Berger, die froh ist, wenn sie die Miete zahlen kann. Trotzdem ist sie davon überzeugt, dass sie den richtigen Weg geht. „Jeder kann im Kleinen anfangen, kann bewirken, dass sich etwas ändert“, sagt sie. Die deutsche Recyclingquote von nur 30 Prozent findet sie erschreckend – und sie ist überzeugt, dass der allermeiste Müll unnötig ist.

„Mich motiviert, wenn ich sehe, was wir jetzt schon einsparen konnten.“ So hat sie zum Beispiel zwei Lieferanten davon überzeugen können, die Waren verpackungsfrei zu bringen: Die Kräuterbünde sind mittlerweile in Papier statt Plastik eingeschlagen, die Nudeln kommen in großen Eimern und sind aus dem Biogrieß gefertigt, den sie verkauft. „Sie passen sich an“, erzählt Larissa Berger.

Fokus auf qualitativ hochwertige Lebensmittel

Auf der anderen Seite erzählen ihr Kunden stolz, dass die Gelbe Tonne leer bleibt. Auch ihre Eltern haben sich von ihr anstecken lassen, „und das finde bemerkenswert, denn je älter man wird, desto mehr muss man aus seinem Muster raus“. Die Weihnachtsbäckerei mit der Mutter sei müllfrei gewesen, „ohne dass sich Mandelpäckchen stapeln“.

Eine starke Motivation sei aber schließlich nicht nur der Verpackungsverzicht, sondern auch der Inhalt. „In Deutschland gilt immer noch für viele, dass Lebensmittel so günstig wie möglich sein sollen. Ich will aufzeigen, dass das System nicht zukunftsträchtig ist, möchte, dass die Menschen über ihren Konsum nachdenken.“ Ihr selbst ist für das bestmögliche Produkt kein Aufwand zu groß – nicht zufällig arbeitet Larissa Berger mit mehr als 100 Lieferanten zusammen.

Das Bestellen, Abfüllen, die Beratung, all das bedeutet einen riesigen Aufwand. Derzeit kommt Larissa Berger auf eine 70-Stunden-Woche. „Ich bin in einer Lebenssituation, in der ich so viel Energie reinstecken kann. Manchmal ist es schon verrückt. Aber wenn ich nicht bereit dazu wäre, hätte ich es auch nicht gemacht.“

Müllfreies Einkaufen in der Region Stuttgart

In Göppingen und Ludwigsburg, in Herrenberg und Esslingen, in Backnang und Nürtingen und gleich mehrmals in Stuttgart: In vielen Städten der Region gibt es verpackungsfreie Läden. In verpackungsfreien Läden gibt es Lebensmittel und andere Produkte lose zu erwerben. Der Kunde bringt ein eigenes Gefäß zum Abfüllen mit. Dieses wird vor dem Einkauf abgewogen, das Leergewicht wird notiert. Dann wird das jeweilige Produkt in der gewünschten Menge abgefüllt, danach wird das Gefäß wieder gewogen. Es gibt verschiedene Initiativen, die sich für die Verbreitung des verpackungsfreien Einkaufs einsetzen. So gibt es einen bundesweiten Unverpackt-Verband, der seine Mitglieder schult und sich zum Beispiel für eine verpackungsfreie Lieferkette einsetzt.

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