Unvollständige Uniformen und schlechte Logistik Polizeireviere werden zu Kleidertauschbörsen

Reicht die Versorgung mit neuen Uniformteilen aus? Die DPolG hat ihre Zweifel, die Beschwerden häufen sich. Foto: dpa/Marijan Murat (Symbolbild)

Die Deutsche Polizeigewerkschaft beklagt zu lange Lieferzeiten und schlechte Logistik bei der Auslieferung der Uniformteile. Die Polizistinnen und Polizisten finden kreative Lösungen.

Lokales: Christine Bilger (ceb)

Eine Polizistin und ihr Kollege steigen aus dem Streifenwagen, setzen ordnungsgemäß die Mütze auf. Das Hemd gebügelt, der Gürtel mit der Ausrüstung sitzt. Doch dann zieht die Kamera auf die Totale und die Autotüren fallen ins Schloss. Sie gehen los – in Unterhosen. Die Botschaft der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) in Bayern: Viel zu lange müssen die Einsatzkräfte dort auf ihre Uniformteile warten. Monate vergehen von der Bestellung bis zur Auslieferung. Ein exklusives Problem der Bayern?

 

Nein. „Man könnte diese Aktion auch auf Baden-Württemberg übertragen“, sagt Ralf Kusterer, der Vorsitzende der DPolG im Land. Auch Baden-Württemberg habe „erhebliche Probleme mit der Lieferung von Uniformteilen“, sagt er. Aufgrund der langen Wartezeiten auf Ersatz würden die Kolleginnen und Kollegen schon antizyklisch einkaufen. Am Herbstanfang werde die Sommerkleidung bestellt, im Frühling die warmen Sachen für den Winter geordert, sagt Kusterer. Nur so hätten die Polizistinnen und Polizisten überhaupt eine Chance, die Uniformteile zu erhalten, die sie brauchen.

Es geht sogar noch weiter: Not macht erfinderisch, es finden Kleiderbörsen statt. Was in Hipster-Kreisen als Modetrend gilt, ist in den Reihen der Polizei eine Notlösung. Wer ab- oder zunimmt und deswegen eine Größe nicht mehr braucht, verkauft intern weiter. Aber auch wer in den Ruhestand geht, in ein anderes Bundesland oder zur Kriminalpolizei wechselt, die keine Uniform trägt, macht mit beim internen Kleiderflohmarkt. „Das ist in Baden-Württemberg die einzige Möglichkeit, um in dringenden Fällen schnell Ersatz zu bekommen“, sagt der Gewerkschaftsvorsitzende.

Die problematische Lage habe mehrere Ursachen, analysiert Ralf Kusterer. Zum einen funktioniere das Logistikzentrum in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) nicht. Vor Jahren sei dort eine Softwareumstellung ein Problem gewesen, jetzt seien es andere Probleme – seit Jahren vor allem der Personalmangel. Zudem habe sich das Land „wie viele andere Industriezweige auch“, auf Zulieferer in Kriegs- und Krisengebieten verlassen. Aufgrund der Krisen habe man die Lagerbestände erhöht, aber sei den dadurch gewachsenen Anforderungen nicht gewachsen gewesen. Die Kritik gelte aber keinesfalls den Mitarbeitenden des Logistikzentrums, die alles tun würden, um Auslieferungen zu ermöglichen.

Die Kritik der DPolG sei nicht neu, sie habe von Anfang an das System der Verteilung infrage gestellt. Man habe schon bei der Einführung der blauen Uniform vorgeschlagen, ein anderes Verteilsystem zu nutzen: Die Polizistinnen und Polizisten würden ihre getragenen Kleidungsstücke in der Dienststelle in eine Box abgeben und dann gereinigt und gebügelt sowie im Schadensfall ausgebessert und genäht zurückbekommen. Ein Modellversuch sei damals gut gelaufen. Trotzdem habe sich das Land dagegen entschieden. Auch andere Kritikpunkte würden nicht berücksichtigt. So gebe es immer wieder Beschwerden von Frauen in Uniform, da die Kleidung nach wie vor vor allem auf Männer ausgerichtet sei. Das treffe insbesondere für Overalls zu, die beim Toilettengang sehr schwierig seien für die Beamtinnen.

Unterm Strich könne man sagen, dass Beschwerden zum Thema Uniform bei der DPolG „nie abebben würden“, es handele sich um ein Dauerthema.

Im Innenministerium sieht man die Lage nicht so dramatisch. Die Ausstattung der Polizei mit Uniformen sei „grundsätzlich sichergestellt. Unserer Polizistinnen und Polizisten müssen nicht den Dienst ohne passende Bekleidung antreten“, teilt ein Sprecher des Innenministeriums mit. Das Ministerium räumt zwar ein, dass es gegenwärtig zu Lieferproblemen komme. Diese seien „unter anderem auf eingeschränkte Materialverfügbarkeiten am Markt zurückzuführen“. Das führe teilweise zu Verzögerungen. Das Logistikzentrum Baden-Württemberg sei bemüht, trotz dieser Umstände „ eine möglichst kurze Lieferzeit zu gewährleisten“.

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