Unwetter und S-Bahn-Chaos in Stuttgart Warten verbindet

Am Montagabend musste man als Pendler froh sein, überhaupt noch nach Hause zu kommen. StZ-Volontär Philipp Obergassner hat drei Stunden von Möhringen nach Ehningen gebraucht. Er wunderte sich über die Informationslage – und machte beim Warten eine interessante Bekanntschaft.

Auch bei der Bahn ging in und um Stuttgart nach dem Unwetter nichts mehr. Schlecht, wenn man an so einem Tag sein Leben als Pendler beginnt. Foto: dpa 7 Bilder
Auch bei der Bahn ging in und um Stuttgart nach dem Unwetter nichts mehr. Schlecht, wenn man an so einem Tag sein Leben als Pendler beginnt. Foto: dpa

Stuttgart - Das Unwetter am Montag hat in der Region Stuttgart nicht nur für große Schäden gesorgt, sondern auch für Chaos. So machtlos wie die VVS angesichts der Lage war, so ahnungslos ließ sie ihre Kunden, die Pendler zurück. So kam es, dass vier Menschen, die sich nicht kannten, für die Zeit von zwei Stunden zu Weggefährten wurden auf einer geradezu abenteuerlich anmutenden Reise durch das VVS-Schienennetz und durch die Service-Wüste eben dieser Verkehrsgesellschaft.

Zugegeben, hier wird ein Einzelfall geschildert. Man darf ihn nicht mit der Gesamtheit gleichsetzen. Vielleicht ging es andernorts besser voran, vielleicht wurden woanders die wartenden Pendler besser informiert. Für eine Verkäuferin und einen Azubi bei Breuninger, einen Unternehmensberater und einen Zeitungsvolontär entwickelte sich die sonst alltägliche Heimreise mit der S-Bahn in eine Odyssee, die nur durch ein Taxi beendet werden konnte.

 

Der StZ-Volontär Philipp Obergassner hat am Montag fast drei Stunden für den Heimweg von Möhringen nach Ehningen gebraucht. Foto: StZ
19.15 Uhr – Montag, Feierabend. Wer als Pendler vom Vaihinger Bahnhof täglich die S 1 nach Herrenberg nimmt, kennt das Szenario. Schon auf dem Weg von der Stadtbahn zum S-Bahnsteig sieht man, dass wieder einmal mehr Menschen dort warten als gewöhnlich. Klarheit verschafft ein Blick auf die vermeintlich allwissende Anzeigentafel: Läuft unten das weiße Band durch – quasi der Liveticker der VVS für Verspätungen und Ausfälle - kann man sich schon einmal auf eine längere Wartezeit einstellen.

 

Kein Zug, keine Informationen

Heute aber ist es anders. Kein weißes Band, keine Züge, nur der Hinweis, dass zwischen Vaihingen und Böblingen keine Bahnen fahren und stattdessen ein Schienenersatzverkehr eingerichtet wurde. Einen Steinwurf entfernt am Vaihinger Busbahnhof quetschen sich die Menschen in den Linienbus nach Sindelfingen (19.15). Der Busfahrer weist darauf hin, dass der Schienenersatzbus noch komme, er wisse nur nicht, wann.

20.15 Uhr - Während der vergangenen Stunde hat ein Ersatzbus nach dem anderen Pendler eingeladen – für den Schienenersatzverkehr nach Heslach, der funktioniert nämlich, denn hier handelt es sich um eine geplante Baustelle, nicht um ein unvermittelt hereingebrochenes Dauergewitter. Ein Anruf bei der VVS-Fahrplanauskunft ergibt, dass es wohl noch drei Stunden dauern werde, bis die S-Bahnen wieder fahren können. Der Tunnel zwischen Rohr und Goldberg ist überschwemmt, nichts geht mehr.




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