Unzuverlässige Schulbusse im Kreis Böblingen Eltern sind sauer über Buschaos am Morgen

Hier bei wärmeren Temperaturen: Dass Schulbusse immer wieder überfüllt und zu spät sind, ist nicht neu. (Archivbild). Foto: ZB/Peter Gercke

Eltern von Böblinger Schülern beschweren sich über unzuverlässige Busverbindungen.Das Problem ist nicht neu – hat sich aber nach den Weihnachtsferien offenbar verschärft.

Böblingen: Anke Kumbier (ank)

Busse, die nicht fahren, Schüler, die zu spät zum Unterricht kommen: Offenbar herrscht gerade wieder Chaos beim Schülertransport im Kreis Böblingen. Mehrere empörte Mails haben die Redaktion erreicht. Frank Bährle-Miller spricht von Zuständen, „die so nicht tragbar sind.“ Er wohnt in Schönaich. Zwei seiner Kinder besuchen Schulen in Böblingen und fahren dorthin mit dem Bus – normalerweise. Doch das hat, so Bährle-Miller, nach den Weihnachtsferien überhaupt nicht geklappt. Die Busse seien häufig nicht gekommen oder so voll gewesen, dass sie seine Kinder nicht mehr mitgenommen hätten. Keine zuverlässige Alternative scheinen bislang die neuen Schnellbusse X16 und X76 über Schönaich nach Böblingen zu sein, ihr Start verlief wohl ziemlich holprig.

 

„Es ist gerade wirklich problematisch“, bestätigt Veronika Belle-Häsler, Schulleiterin des Böblinger Max-Planck-Gymnasiums. Schönaich liegt im Einzugsgebiet der Schule. Entsprechend viele Schülerinnen und Schüler fahren laut Schulleiterin von dort an und seien in den vergangenen Tagen häufig zu spät gekommen. „Das ist vor allem dann schwierig, wenn in der ersten Stunde eine Klassenarbeit ansteht.“ Auch an Verena Pulinna, Vorsitzende des Böblinger Gesamtelternbeirats, haben sich frustrierte Eltern gewandt – nicht nur Schönaich betreffend.

Was das Landratsamt zur Situation sagt

Dazu passt beispielsweise die Erfahrung, die eine Mutter aus Hildrizhausen schildert. Ihr Sohn pendelt mit dem Bus nach Holzgerlingen und von dort mit der Schönbuchbahn weiter nach Böblingen. In der ersten Woche nach den Ferien habe ihr Sohn an mehreren Morgenden vergeblich auf den Bus gewartet. Ein wiederkehrendes Ärgernis, wie die Mutter sagt. Immer wieder beschwere sie sich über Busse, die entweder gar nicht kommen, zu spät oder teilweise so voll sind, dass sie niemanden mehr einsteigen lassen.

Das Landratsamt weiß um den schwierigen Start nach den Ferien: Zum Schulbeginn am 8. Januar haben sich die Busausfälle und stark verspäteten Ankünfte gehäuft, teilt es auf Nachfrage mit. Dabei scheinen die Bauernproteste, die vor allem am ersten Schultag die Straßen verstopften, eher eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben.

Vielmehr lag es dem Landratsamt zufolge an vielen krankheitsbedingten Ausfällen der Fahrer, reparaturbedürftigen Bussen und fehlenden Ersatzteilen. Hinzu komme ein derzeit außergewöhnlich hohes Verkehrsaufkommen – auch wegen der gesperrten Gäubahnstrecke – und zahlreiche Baustellen auf den Linienwegen der Busse. Grundsätzlich mache sich eine „extreme Knappheit an verfügbaren Busfahrern“ bemerkbar.

Wie Landratsamt und Busunternehmen reagieren wollen

Doch das Landratsamt macht Hoffnung auf Besserung: Das Friedrich Müller Omnibusunternehmen (FMO), das unter anderem die Schnellbuslinien X16 und X76 betreibt, setze seit dem 11. Januar weitere Subunternehmen ein. Außerdem habe es zusätzliche Busse aus anderen Verkehrsgebieten nach Böblingen überführt. FMO führt laut Landratsamt derzeit Kontrollen vor Ort durch, um das Fahrgastaufkommen zu ermitteln. In den Bussen der Linien X76, 760A, 760 und X16, die am Morgen zwischen 6.53 Uhr und 7.23 Uhr starten, würden zudem die Fahrgäste gezählt. „Sobald uns diese Zahlen vorliegen, werden wir zusammen mit dem VVS, unserem verkehrlichen Berater, und dem Verkehrsunternehmen FMO das weitere Vorgehen abklären.“

Hinsichtlich überfüllter Busse zwischen Hildrizhausen und Holzgerlingen sieht das Landratsamt keine Notwendigkeit, Kapazitäten zu erhöhen. Es spricht vielmehr von einem „Verteilungsproblem“. Wenn sich ein Großteil der Schüler auf die letzte Fahrmöglichkeit konzentriere, „wird es zwangsläufig weiterhin zu Engpässen und übervollen Bussen kommen.“

45 Minuten Wartezeit sind laut Landratsamt zumutbar

Das Landratsamt verweist in diesem Zusammenhang auf eine Satzung über die Schülerbeförderungskosten (SBKS). In der sind nicht nur finanzielle Aspekte geregelt, sondern auch, welche Schulstunden angebunden werden und wie lang die „zumutbare“ Wartezeit vor Unterrichtsbeginn und nach Unterrichtsende sein darf. Das sind laut Landratsamt in der Regel 45 Minuten. „Sollten zumutbare Fahrmöglichkeiten von den Schülerinnen und Schülern nicht genutzt werden, besteht kein Anspruch auf den Einsatz zusätzlicher Verstärkerbusse nach Unterrichtsende oder vor Unterrichtsbeginn.“ Die anderen Fahrmöglichkeiten könnten frühere, aber auch längere Verbindungen sein.

Dabei geht es den Betroffenen nicht nur um ausreichend Kapazität, sondern um Verlässlichkeit. Die Mutter aus Hildrizhausen, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, betont: „Es muss doch möglich sein, dass jeder Schüler pünktlich zur Schule kommt, auf dem Weg, der angeboten wird.“

Auto statt Bus?

Sie sei inzwischen mit ihrer Geduld am Ende. „Ich werde mein Kind in Zukunft mit dem Auto zur Schule oder zur Schönbuchbahn fahren.“ Für sie sei das eine Option, weil sie in Böblingen arbeite. Zufrieden wirkt sie damit nicht. „Ich würde selbst das Auto gerne stehen lassen und zur Arbeit Bus und Bahn nehmen. Leider kann man sich aber auf den Bus nicht verlassen und so klappt das nicht.“ Bährle-Miller aus Schönaich erwartet, dass man nach Lösungen sucht. Denn: „Momentan ist es so: Wer kann, macht Homeoffice und wartet auf den Anruf der Kinder, um sie in die Schule zu fahren.“

Neue Verbindungen im Kreis Böblingen

Neue X-Busse
Seit dem 1. Januar 2024 gibt es zwei neue Schnellbussverbindungen im Kreis Böblingen. Die Linie X16 verbindet Böblingen mit Nürtingen, mit Halt unter anderem in Schönaich, Waldenbuch und Aichtal. Sie ist laut VVS unter der Woche montags bis freitags zwischen 4.45 Uhr und 10.30 Uhr sowie zwischen 12 Uhr und 20 Uhr im Stundentakt unterwegs. Die Linie X76 fährt zwischen Böblingen und Waldenbuch über Schönaich. Die Busse fahren dem VVS zufolge von Montag bis Freitag zwischen 6 Uhr und 19 Uhr alle Stunde. Im Gegensatz zur X16 ist die Linie X76 auch am Wochenende unterwegs. Allerdings mit einem ausgedünnten Fahrplan.

Neue Linie 751
Eine weitere Fahrplanänderung zum Jahresbeginn im Kreis betrifft die Linie 751. Sie verbindet Herrenberg, Hildrizhausen, Altdorf und Holzgerlingen miteinander. Die Busse fahren laut VVS montags bis freitags in der Hauptverkehrszeit alle 30 Minuten.

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