Upcycling-Klamotten von THXMATE Ludwigsburger Designer setzt Zeichen gegen Wegwerf-Mode

Setzt auf nachhaltige Mode: Christopher Herrmann hat vor kurzem seinen Laden in der Eberhardstraße eröffnet. Foto: Simon Granville

Der Ludwigsburger Christopher Herrmann versucht mit seinem Label THXMATE in der Branche Fuß zu fassen. Mit seinen Upcycling-Klamotten geht er dabei seinen eigenen Weg. Was das Thema angeht, sieht er noch viel Erklärungsbedarf.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Millionen Tonnen Klamotten landen jedes Jahr in Deutschland im Müll, wenn es gut läuft, wenigstens im Altkleidercontainer. Vieles davon ist kaum getragen. Neue Trendfarben, neue Schnitte, dazu die geringen Preise für Billigware – oft produziert in Fernost – sorgen dafür, dass manch einer regelmäßig seinen kompletten Kleiderschrank erneuert.

 

Für Christopher Herrmann ist das ein Missstand, dem noch viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Mit seinem eigenen Label THXMATE (zu deutsch in etwa: „Danke Kumpel“) und seiner Upcycling-Mode will er etwas dagegen setzen.

Upcycling ist eine Wortschöpfung aus den englischen Wörtern „up“ (nach oben) und „recycling“ (Wiederverwertung). Die Idee: alte Hemden, Pullis, Jacken, Hosen werden umgenäht oder anderweitig aufgemöbelt. So entsteht ein mehr oder weniger neues, in jedem Fall einzigartiges Kleidungsstück.

Studium in Berlin, Jobs in Australien

Im Modezirkus unterwegs ist der 35-Jährige mittlerweile seit einigen Jahren. In Berlin hat er Mode- und Designmanagement studiert, anschließend war er in Australien für die großen Marken Armani und Ben Shermann tätig. Zurück in Deutschland musste Herrmann einige Absagen von Unternehmen aus der Branche schlucken, „aber eigentlich wusste ich, dass ich sowieso mein eigenes Ding machen will“, sagt er.

Auf Flohmärkten hat sich der gebürtige Ludwigsburger schon immer gern herumgetrieben und nach ausgefallen Stücken Ausschau gehalten. Motorradjacken, Vintage- und Trachtenmode verkaufte er teils direkt weiter, teils gab er sie auch an eine Schneiderin in der Eberhardstraße, ließ sie nach seinen Vorstellungen umnähen und bot sie im Netz auf Ebay an. Als die Näherin Mitte des Jahres in Rente ging, übernahm Herrmann den Laden in der Eberhardstraße.

Auf ein paar Quadratmetern sind Verkaufsraum, Atelier und Büro vereint – alles frisch renoviert, alles neu. Das Sortiment hat Herrmann inzwischen erweitert und bietet beispielsweise auch Parfum – jede Flasche einzeln abgefüllt – und Umhängetaschen an. Letztere lassen sich wenden.

Was ist Upcycling-Mode?

Gleich geblieben ist hingegen das Geschäftsmodell: Die Mode – vorrangig Kleidung aus den 90ern, manches aber auch deutlich älter – besorgt sich Herrmann in Secondhand-Shops oder auf Flohmärkten. Der 35-Jährige hat drei neue, freiberufliche Näherinnen gefunden. Sie gestalten die Stücke dann nach seinen Vorstellung um. Mal bekommen die Klamotten neue Ärmel, mal Kapuzen, oder einen Reißverschluss statt Knöpfe. Für Unbedarfte mag sich das nach wenig Arbeit anhören, sei es aber schon, sagt der Unternehmer. Bis zu zehn Arbeitsschritte seien nötig, so Herrmann, der sein Label selbstbewusst als „Designermarke“ anpreist.

Und Designerklamotten kosten selbstverständlich auch etwas. Billig sind die Teile von THXMATE mit 150 bis 270 Euro nicht. Das weiß ihr Schöpfer. „Leute, die Wert auf Qualität legen, gerade die, die auch wissen, was für eine Arbeit dahinter steckt, die kaufen bei mir“, sagt Herrmann. Jüngere Kundschaft – die Generation, die sich auf Tiktok und Instagram von Stars und Sternchen inspirieren lässt und durchaus bereit, ist viel Geld in Klamotten zu investieren – habe er hingegen eher nicht. „Die wissen häufig nicht mal, was Flanell ist“, sagt Herrmann.

Das, was im Laden in der Eberhardstraße über den Bügeln hängt, ist eher schlicht gehalten – oft nur mit kleinen Highlights. Das müsse so sein, sagt Designer Herrmann, sonst bringe er es nicht an den Mann beziehungsweise den Schwaben. Da geht schon ein gelber Strickpulli als ausgefallen durch. „Im Ländle wollen es die Leute eher dezent, alles muss ein bisschen reduzierter sein. Wir sind ja schließlich nicht in Los Angeles“, sagt Herrmann, der gold-glitzernde Bänder in seine Sneaker gezogen hat, ansonsten aber ganz normal daher kommt. Seine Flanellhemden laufen gut, Strickpullover auch. Aber natürlich sei so ein Business aufzubauen „tough“. „Aber leben kann ich schon davon“, sagt der 35-Jährige. Er tut das seit bald drei Jahren. Angst, dass er pleite gehe, habe er manchmal schon. Rund 2000 Euro Fixkosten im Monat muss man erst einmal stemmen. „Für eine gute Näherin zahlt man 25 bis 30 Euro in der Stunde“, sagt Herrmann. So sind die Preise für seine „Pieces“ auch nicht mehr ganz so verwunderlich.

Viel Erklärungsbedarf beim Thema Upcycling

Von seiner Idee ist Christopher Herrmann in jedem Fall überzeugt. Nachhaltiger gehe es nicht, findet er. Wobei es ganz ohne „neue Komponenten“, beispielsweise Kapuzen oder Reißverschlüsse auch nicht geht.

Was das Prinzip Upcycling anbelangt, hat Herrmann inzwischen gemerkt, dass es noch viel Erklärungsbedarf gibt. „Wenn ich mir eine gebrauchte Belstaff-Jacke kaufe, die mal 600 Euro gekostet hat, dann brauche ich keine zweite. Das haben aber viele nicht verstanden“, sagt Herrmann. Dass er sich damit ein Stück weit ins eigene Knie schießt, weil er quasi dafür plädiert, auch bei ihm nicht einfach um des Konsumieren willens zu kaufen, sieht er übrigens nicht so. Mit Upcycling-Mode könne er allein die Welt ohnehin nicht verändern. „Aber es ist ein Teil vom großen Ganzen.“

Die Klamotten von Christopher Herrmann gibt es im Laden in der Eberhardstraße 25 in Ludwigsburg zu kaufen. Geöffnet ist dienstags bis samstags ab 10 Uhr. Weitere Infos im Netz auf: www.thxmate.de

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Mode Ludwigsburg