Ursula von der Leyen Angekommen auf dem Schleudersitz

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Ursula von der Leyen hat viele Stärken. Jeder kennt sie und ihr wird viel zugetraut. Gerade das wird jetzt zu einer Belastung für sie. Dass sie als Kanzlerinnennachwuchs gilt, wirkt als Risikoverstärker für ihr an Risiken sowieso reiches Amt.

Seit sie Verteidigungsministerin ist, sinken Ursula von der Leyens Beliebtheitswerte in der Bevölkerung. Foto: dpa
Seit sie Verteidigungsministerin ist, sinken Ursula von der Leyens Beliebtheitswerte in der Bevölkerung. Foto: dpa

Berlin - Eigentlich ist das ein Tag, so ganz nach dem Geschmack von Ursula von der Leyen. Zwei Termine mit großem Bahnhof stehen an, deren Wirkung sie ziemlich unter Kontrolle halten kann. Eigentlich. Doch dann schrillen, kaum dass sie in der Bundespressekonferenz Platz genommen hat, um ihr Attraktivitätsprogramm für die Bundeswehr vorzustellen, die Sirenen. Es ist zwar nur falscher Alarm, aber alle müssen erstmal raus, die Feuerwehr kommt, und die Unterbrechung frisst ihr schließlich die Zeit. Die Verteidigungsministerin kommt nicht mehr dazu, in großen Bögen die Eckpunkte ihrer bisherigen Amtszeit zu skizzieren.

Es ist nur eine harmlose Störung der Abläufe, die sie nicht aus der Ruhe bringt. Eine gute Stunde später begrüßt sie wie vorgesehen ihren polnischen AmtskollegenTomasz Siemoniak, und jetzt steht sie am Mikrofon und blickt auf die gesamte Führungselite der Bundeswehr hinunter. An die 180 Generale und fünfzig zivile Vorgesetzte sind angetreten, um beim ersten Führungstreffen der Truppe mit der ersten Inhaberin der Befehls- und Kommandogewalt dabei zu sein. Es wird Tacheles geredet werden bei dieser Veranstaltung, aber erst später, wenn die Journalisten draußen und die Türen fest verschlossen sind.

Anfangs fremdelte von der Leyen mit militärischen Formen

Los geht es mit Honneurs. Ihr Lächeln könnte strahlender nicht sein, ihre Stimme nicht noch mehr Herzlichkeit transportieren. Dabei nimmt sie die Führungselite wenig später in Haftung dafür, dass so vieles im Argen liegt. All die Einzelberichte über Ausrüstungsprobleme und Schwierigkeiten bis hin zu den Zweifeln an den Nato-Fähigkeiten der Luftwaffe, die „in der Gesamtheit ein Des-aster“ gewesen seien.

Nach ihrer Berufung zur Verteidigungsministerin hat sich Ursula von der Leyen rasch daran gewöhnen müssen, dass in ihrer Umgebung strammgestanden, gegrüßt und kommandiert wird, dass sie für Panzer, Kampfjets und andere Kriegsmaschinen zuständig ist. Ihre anfängliche Fremdheit mit militärischen Formen mag inzwischen verflogen sein. Doch die Bürger fremdeln immer noch, ja sogar immer mehr damit, sie in der Rolle der Verteidigungsministerin zu sehen. Tatsächlich war Ursula von der Leyen noch nie so unpopulär, seit sie vor neun Jahren die bundespolitische Bühne betreten hat. Fast vom Start weg war die Hälfte der Bevölkerung ausweislich der Umfragen beim ARD-Deutschlandtrend mit ihrer damaligen Arbeit als Familienministerin zufrieden. Ihren Zenit mit 66 Prozent Zustimmung hatte sie Ende 2009 in ihren Anfangszeiten als Arbeitsministerin erreicht.

28 Prozent halten die Ministerin für eine gute Besetzung

Seither sinken ihre Werte – zunächst leicht, seit ihrer Berufung in den Bendlerblock stärker. Als die finanziellen Probleme und die Verzögerungen bei der Beschaffung von Panzern, Flugzeugen und Waffensystemen Anfang dieses Monats detailliert veröffentlicht wurden, sackte ihr Ansehen ab. Laut den Meinungsforschern von Infratest Dimap, die ihre Popularitätswerte seit 2006 regelmäßig erheben, sind nur noch 36 Prozent mit ihrer Arbeit zufrieden. Ganze 28 Prozent der Befragten halten die Verteidigungsministerin derzeit für eine gute Besetzung – bei ihrem Amtsantritt waren es immerhin vierzig Prozent.

Für eine Politikerin, die ihre großen politischen Erfolge im Bündnis mit dem Publikum gegen ihre eigene Partei, zum Teil auch gegen deren Chefin durchgeboxt hat, ist das alleine schon eine fatale Entwicklung. Tatsächlich steckt Ursula von der Leyen zurzeit in einer Phase ihrer Karriere, in der sich ihre politischen Stärken ins Gegenteil zu verkehren scheinen und zur Belastung werden.

Dabei hallte ihr ein hervorragender Ruf voraus. „Ihr werdet euch noch wundern, was die alles kann“, bekamen die SPD-Verteidigungspolitiker aus den höheren Etagen ihrer Partei mit auf den Koalitionsweg, als von der Leyens überraschende Berufung an die Spitze des Wehrressorts im Dezember 2013 Furore machte. Wenn sie nicht gerade damit beschäftigt sind, die Ministerin mit aller Macht zu attackieren, räumt mancher hinter vorgehaltener Hand heute ein, wie berechtigt der damalige Warnhinweis war: dass sie geschickt und freundlich sei, dass sie das Parlament früh einbinde, mit schwierigen Themen elegant umzugehen verstehe und in Absprachen verlässlich sei. Aber auf der Vorderbühne wird Ursula von der Leyen von den Sozialdemokraten als mögliche Merkel-Nachfolgerin und Wahlkampfgegnerin welches SPD-Kanzlerkandidaten auch immer gefürchtet und deshalb so konsequent bekämpft wie sonst keiner von der CDU.