US-Unabhängigkeitstag in Böblingen Ein Feuerwerk der Einigkeit in Rot, Weiß und Blau

Die US-Army empfängt Besucherinnen und Besucher zum US-Unabhängigkeitstag in Böblingen mit einem Feuerwerk. Foto: Stefanie Schlech/t

Die Stuttgarter US-Garnison lädt ihre deutschen Nachbarn zum US-Unabhängigkeitstag – zum ersten Mal seit 20 Jahren. Und Tausende Bürger feiern in Böblingen mit.

Amerikanische Fähnchen und Fahnen, Barbecue-Sandwiches, Musik und zum Abschluss ein großes Feuerwerk, das die Farben Rot, Weiß und Blau patriotisch in den Nachthimmel zeichnet: Die Soldaten, Zivilbediensteten und ihre Familienangehörigen der Stuttgarter US-Garnison haben ihren traditionellen Unabhängigkeitstag in der Panzerkaserne in Böblingen begangen. Typisch amerikanisch, locker, lässig und entspannt, nach einem langen Wochenende, das in einem langen Nachmittag und Abend am Dienstag gipfelte. Der 247. Geburtstag ist ein krummer, und er kommt eigentlich auch zwei Tage zu spät. Der Kongress nahm die Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien nämlich schon am 2. Juli an.

 

„Wir können die Schwierigkeiten überwinden“

Amerika erlebt derzeit eine Phase der Verunsicherung und Selbstzweifel. Über die politischen Gräben hinweg herrscht die verbreitete Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Miserable Stimmung in den USA: Laut einer neuen Gallup-Umfrage zeigen sich weniger als 40 Prozent der befragten US-Bürger „extrem stolz“ darauf, Amerikaner zu sein. Das ist ein Tiefststand: Noch vor 20 Jahren waren es 70 Prozent. „Wir streiten über unsere Ursprünge und die Erzählungen, die wir unseren Kindern über unsere Vergangenheit erzählen ... und ob wir noch irgendwelche Wahrheiten für selbstverständlich halten“, meint der US-Autor Neil King Jr. in Anspielung an eine Formulierung aus der Unabhängigkeitserklärung. Doch am 4. Juli feiert Amerika auch seine Fähigkeit, sich immer wieder selbst zu erneuern. Und in der Böblinger Panzerkaserne war dazu – zum ersten Mal seit 20 Jahren – die deutsche Öffentlichkeit geladen.

„Ich schätze die Freiheiten, die ich als Amerikaner genieße“, sagt der 36-jährige Marineinfanterist Jason Rolon aus dem Landkreis Los Angeles. „Ja, wir haben Schwierigkeiten, aber die können wir überwinden“, sagt er. „Dafür beten wir“. Dass die Amerikaner den Unabhängigkeitstag gemeinsam mit den Deutschen feiern, findet er „eine gute Idee“. So könnten die guten Beziehungen weiter wachsen.

„Besondere Beziehungen“ zu den Deutschen

Für die US-Garnison in Stuttgart ist die gemeinsame Feier des Unabhängigkeitstages Teil ihrer Bemühungen, die Beziehungen zu ihren deutschen Nachbarn wieder zu verbessern. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 zogen sich die Amerikaner aus Sicherheitsgründen stark hinter ihre Militärzäune zurück, der Austausch mit der deutschen Zivilbevölkerung verkümmerte, räumt Garnisonssprecher John Campbell ein. Deshalb gehe man jetzt wieder verstärkt auf die Deutschen zu. „In Stuttgart ist das die größte Anstrengung in den vergangenen 20 Jahren, um mit unseren deutschen Nachbarn eine festliche Atmosphäre auf einem unserer Stützpunkte zu teilen“, so Campbell zum 4. Juli. Und dieser Einladung sind viele Deutsche gefolgt. Bis zum Abend werden mehr als 15 000 deutsche Besucher gezählt.

Der neue Standortkommandeur, Oberst Kirk Alexander, betont die „besonderen Beziehungen“ zu seiner neuen deutschen Umgebung. Er erinnert an diesem Feiertag an all die Militärangehörigen, die für ihr Land ihr Leben riskieren. Amerika sei „ein Projekt in Arbeit, das sich immer noch weiterentwickelt“, formuliert der Oberst optimistisch. „Ich freue mich sehr, gemeinsam mit unseren amerikanischen Freundinnen und Freunden ihren Nationalfeiertag zu begehen“, meint der Böblinger OB Stefan Belz. Die USA seien „für Deutschland ein wichtiger Partner für die Sicherheitslage weltweit“, betont Belz.

„Gemischte Gefühle“

Die deutsch-amerikanischen Beziehungen sind exzellent in diesen schwierigen Zeiten. Deutschland ist seit der russischen Invasion der wichtigste Verbündete Washingtons in Europa. Gelegentliche Unstimmigkeiten, etwa in der Frage der Lieferung von Kampfpanzern an die Ukraine, tun dem keinen Abbruch.

Auch die Afroamerikaner in den USA feiern, selbst wenn sie noch einmal ein Jahrhundert bis zum Ende der Sklaverei 1865 warten mussten. „Auch wir feiern heute die Freiheit“, meint ein schwarzer Militärpolizist dazu in Böblingen. Um dieses schmerzhaften Kapitels zu gedenken, um dessen Folgen bis heute gerungen wird, hat US-Präsident Joe Biden 2021 auch Juneteenth, den 19. Juni, zum bundesweiten Feiertag gemacht. Und die US-Armee spielte dabei ebenfalls eine Rolle: Am 19. Juni 1865 waren Einheiten der Union in Galveston (Texas) eingerückt und erklärten 250 000 Afroamerikaner in diesem Staat für frei.

Historisch gesehen haben die USA unübersehbar Fortschritte gemacht. Aber geht das so weiter angesichts all der inneren Zerrissenheit? Für Deutschland und Europa ist diese Frage existenziell. Die Unterstützung der USA für die Ukraine wie für Deutschland bleibt unverzichtbar. „Ich blicke auf die USA mit gemischten Gefühlen, meint der Stuttgarter Ralph Krause, der seinen ersten Unabhängigkeitstag erlebt. „Einerseits die lange demokratische Tradition, andererseits die gespaltene Gesellschaft, die Diskriminierung und der Rassismus.“

Der Independence Day

Herkunft
 Am 4. Juli 1776 wurden aus 13 britischen Kolonien ganz offiziell die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Ratifizierung dieser Unabhängigkeitserklärung wird seitdem als die Gründung des Staates angesehen.

Die USA
 Die Vereinigten Staaten von Amerika bestehen heute aus 50 Bundesstaaten und der Hauptstadt Washington, D.C. Zusätzlich besitzen die USA die Territorien Amerikanisch-Samoa, Guam, die Nördlichen Marianen, Puerto Rico und die Amerikanischen Jungferninseln. Auch neun Inselterritorien, die sogenannten United States Minor Outlying Islands, gehören zu ihren Gebieten mit dazu.

Feiertag
 Der 4. Juli ist der Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten. Traditionell feiern US-Amerikaner unter anderem mit Feuerwerk, mit Partys, Picknicks, und Paraden. Oft wird auch patriotische Musik gespielt.

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