Vaihingen/Enz sagt zu Ja zur Gartenschau – mit Bedenken
Die Gartenschau 2029 verlangt Vaihingen/Enz viel ab, kann der Stadt aber auch einen Schub geben. Der Gemeinderat stimmte auf den letzten Drücker dafür. Kritische Stimmen gibt es weiterhin.
Die Gartenschau 2029 verlangt Vaihingen/Enz viel ab, kann der Stadt aber auch einen Schub geben. Der Gemeinderat stimmte auf den letzten Drücker dafür. Kritische Stimmen gibt es weiterhin.
Lange Zeit schob die Stadt Vaihingen ihr endgültiges Ja-Wort vor sich her. Quasi last minute, fünf Jahre vor Beginn der Gartenschau, stimmte der Gemeinderat jetzt zu. Die Fristverlängerung für ein Förderprogramm des Landes um einige Wochen gab dafür einen finanziellen Anreiz. Das Votum fiel am Mittwoch in der Stadthalle mit 22 Ja- und zwei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung klar aus. Trotz hoher Kosten sehen die Stadträte zum 1250-jährigen Bestehen der Stadt eine einmalige Chance, der schön gelegenen Kommune einen Schub nach vorne zu geben.
An Vorarbeit für die Gartenschau, eine Nummer kleiner als eine Landesgartenschau, hat es nicht gemangelt. Die Stadt hatte 2018 vor allem wegen des Stadtjubiläums den Zuschlag erhalten. Sie erwarb Grundstücke und leitete einen Realisierungswettbewerb in die Wege. Die Enz soll mit mehr Zugängen und Spielflächen zwischen Roßwag und Enzweihingen erlebbarer werden. Die Stadt nahm die Bürger mit, veranstaltete eine Ausstellung und Spaziergänge. Das siegreiche Büro RMP Stephan Lenzen aus Bonn erhielt jetzt auch den Auftrag.
Der Kernbereich der Daueranlagen besteht aus dem stadtnahen Enßle-Areal, den historischen Bürgergärten an der Enz, dem brachliegenden Gewerbegelände der ehemaligen Hautleimfabrik Häcker, dem Areal der ehemaligen Gärtnerei Weller sowie den künftigen Enzterrassen mit den Sportanlagen Egelsee. Der Stadtplaner Norbert Geissel sagte, Vaihingen erhalte vom Land für das Sanierungsgebiet Enzaue/Häcker-Areal rund 1,4 Millionen Euro sowie weitere 800 000 Euro für Hochbauten in der Altstadt, wo unter anderem der Marktplatz neu gestaltet wird.
Die Enz wird besser an die Innenstadt angebunden. Flankierend investiert die Stadt in den Erwerb des Häcker-Areals, in Gebäudeabbrüche, die Verlängerung des WEG-Bahnradwegs, die Verlegung des Radwegs Roßwags sowie für eine Fußgänger- und Radwegbrücke auf dem Gartenschauareal.
Finanziell wird der Stadt viel abverlangt. Die grobe Rahmenplanung aus dem Jahr 2022 geht von rund 23 Millionen Euro allein für den Bau der Daueranlagen der Gartenschau aus. Immerhin darf die Stadt angesichts von Zuschüssen damit rechnen, bis zu 60 Prozent durch Förderprogramme, Stiftungsmittel, Grundstückserlöse und weitere Drittmittel zurückzuerhalten.
Mut machen Erfahrungen anderer Kommunen. Und so erwarten die Befürworter durch Besuche, Ticketverkauf und Werbung nicht nur viel physische und mediale Aufmerksamkeit, sondern auch eine Refinanzierung von 70 bis 80 Prozent des auf sieben Millionen Euro geschätzten Budgets, um die Schau unter dem Titel „Vaihingen Enzückt 2029“ zu veranstalten.
Zu den Gegnern der Gartenschau in der Enzstadt zählt der Linken-Stadtrat Peter Schimke. „Im Jahr 2017 hatten wir noch eine andere Welt“, sagte er. Die wirtschaftliche Lage verschlechtere sich mit der Krise des Verbrennermotors weiter. Die Stadt müsse rund 180 Immobilien erhalten und werde gezwungen, Klimaschutzziele zu erreichen. Er rechne mit gewaltigen Preisanstiegen und Kosten von zehn Millionen Euro für die Stadt. Am Ende müsse man bei Pflichtaufgaben wie Kitas, Schulen und Straßen sparen. Schimke stimmte mit Gündelbachs Ortsvorsteher Joachim Fischer (CDU) dagegen.
Der Haushalt sei schwierig und erst vor einem Monat mit einer Kreditaufnahme von zehn Millionen Euro und einer Kreditermächtigung von weiteren zehn Millionen Euro beschlossen worden, erinnerte Oliver Luithle von der Wir-Liste. „Wie kann angesichts dringender Sanierungen die Gartenschau ohne ein Wunder finanziert werden?“
Man müsse Hand anlegen – so günstig komme Vaihingen nie wieder an eine solche Förderung, sagte hingegen der Grüne Thomas Essig. Ähnlich äußerte sich der Freie-Wähler-Chef Eberhard Zucker: „Das ist eine einmalige Chance, die Stadt voranzubringen.“ Es gehe nicht nur ums Geld, sondern auch um Zusammengehörigkeitsgefühl.
In manchen Teilorten, wie etwa Gündelbach und Riet, war moniert worden, dass sie nicht auf der Achse der Gartenschau lägen – sie könnten sich aber präsentieren, sagte der CDU-Fraktionschef Erich Hangstörfer. Mehr Vorteile als Nachteile sehe die SPD, erklärte deren Fraktionsvorsitzender Eberhard Berg. Man lehne „teure Highlights“ in der weiteren Planung ab. Tolles könne auch mit sparsamen Mitteln geschaffen werden.
In die Zukunft investieren, um sie zu gestalten – wer nicht bereit sei zu investieren, schaffe auch keine Zukunft: Auf diese Formel brachte es BbV-Sprecher Michael Braun. An den Vorrang der Pflichtaufgaben erinnerte Helga Eberle für die FDP. „Sie dürfen unter keinen Umständen leiden.“ Sie sei aber dafür, weil es hohe Förderungen gebe.
Oberbürgermeister Uwe Skrzypek strebt die Gründung eines Bürgervereins an. Er wolle die Gartenschau „ganz, ganz leidenschaftlich“. Sie sei das beste Förderprogramm des Landes. Die prekäre Situation erfordere „weise“ Planung und Steuerung.
Programm
Die Landesgartenschauen gibt es in Baden-Württemberg seit 1980. Sie werden seit 2001 alle zwei Jahre in einem kleinen Format als „Gartenschau“ veranstaltet. Zuständig ist das Ministerium für Ernährung, Verbraucherschutz und Ländlichen Raum.
Orte
Landesgartenschauen finden in Wangen (2024), Ellwangen (2026), Rottweil (2028), Ulm (2030), Offenburg (2032) und Bad Mergentheim (2034) statt. Gartenschauen sind in Freudenstadt und Baiersbronn (2025), Bad Urach (2027), Vaihingen (2029), Bretten (2031), Marbach und Benningen (2033) sowie Riedlingen (2035).