Vaihinger Schülerin Keine Zeit für den inneren Schweinehund

Verena Abrell hat den Zonta-Preis gewonnen. Foto: Alexandra Kratz
Verena Abrell hat den Zonta-Preis gewonnen. Foto: Alexandra Kratz

Verena Abrell, Schülerin am Hegel-Gymnasium, ist mit dem Zonta-Preis ausgezeichnet worden. Mit dem Preisgeld will sie ihre Schwester in Bali besuchen.

Filderzeitung: Alexandra Kratz (atz)
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Vaihingen - Viel Zeit hat Verena Abrell nicht. Und dennoch hat sie sich an diesem Nachmittag eine Stunde freigeschaufelt. Im Café hat sie sich einen Tisch am Fenster ausgesucht. Eine kleine Reisetasche steht neben ihr. „Ich habe nachher Handball-Training“, sagt die 16-Jährige.

Der Sport ist nicht ihr einziges Hobby. Besonders an ihrer Schule, dem Hegel-Gymnasium, ist sie sehr aktiv. Sie engagiert sich in der Schülermitverwaltung, ist Streitschlichterin und übernimmt jedes Jahr eine Patenschaft für eine fünfte Klasse. Darüber hinaus ist sie seit zwei Jahren Jugendrätin. Vor kurzem wurde sie erneut in das Gremium gewählt. Auch im Jugendwerk der evangelischen Kirche ist die 16-Jährige aktiv. So leitet sie unter anderem eine Jungschar und bereitet regelmäßig den Kindergottesdienst vor.

Vertrauenslehrerin hat Schülerin vorgeschlagen

Für ihren Einsatz ist die Schülerin nun mit dem „Young Women in Public Affairs Award“ ausgezeichnet worden. Dieser wird jedes Jahr vom Zonta-Club an Schüler verliehen, die durch ihr schulisches und soziales Engagement auffallen.

Verena Abrell hat ihren Preis vor kurzem bei einer Feierstunde überreicht bekommen. „Es war alles sehr festlich und auch informativ. Denn die Vorjahressiegerin Anna Maurer, die ich persönlich kenne, hat über ihren Auslandsaufenthalt in Afrika gesprochen“, sagt Verena Abrell.

Ihre Schule, genauer gesagt die Vertrauenslehrerin Lena Gräsle, hat Verena Abrell für den Zonta-Preis vorgeschlagen. „Verena nimmt schon seit Beginn ihrer Schulkarriere sehr aktiv am Schulleben teil und prägt dieses durch ihre freundliche und engagierte Persönlichkeit“, heißt es in dem Referenzschreiben.

Noten leiden unter ehrenamtlichem Engagement nicht

Doch auch Verena Abrell hat sich mächtig ins Zeug gelegt. So musste sie beispielsweise mehrere kleine Aufsätze schreiben – unter anderem zum Thema „Die Stellung der Frau in ihrem Land und weltweit“. Etwa eine Woche lang habe sie gebraucht, um ihre Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen, schätzt die 16-Jährige. Derzeit ist die Schülerin dabei, alles ins Englische zu übersetzen. Denn sie will sich auch noch auf internationaler Ebene für den Zonta-Preis bewerben. Dieser ist mit 3000 Dollar dotiert.

Auf die Frage, wie sie ihre vielen Ehrenämter unter einen Hut bekommt, weiß die Schülerin eine einfache Antwort. „Es macht mir Spaß“, sagt die 16-Jährige. Sie stelle gern Projekte auf die Beine, sie bringe gern ihre Ideen ein. Und ihr sei es wichtig, dass die Schule nicht nur ein Ort zum Lernen sei. Darüber hinaus seien die Ehrenämter nicht nur Arbeit. „Es geht immer auch um das gesellige Zusammensein unter Gleichaltrigen“, sagt Abrell.

Ihre Noten leiden unter all dem ehrenamtlichen Engagement nicht. „Im Gegenteil: Sie helfen eher“, sagt Verena Abrell. Zum einen, weil man auch außerhalb der Schule viel lerne und dieses Wissen einem dann im Unterricht wieder zugute komme. Zum anderem, weil man lerne, sich gut zu organisieren. „Man muss sich überlegen, was einem wichtig ist“, sagt Abrell. Und es gebe noch einen entscheidenden Vorteil: „Der sprichwörtliche innere Schweinehund kommt bei mir gar nicht erst auf. Dafür habe ich keine Zeit“, sagt Abrell.

Ihr Preisgeld in Höhe von 750 Euro will die Schülerin in eine Reise investieren. „Vermutlich fliege ich nach Bali. Meine Schwester macht derzeit dort ein Freiwilliges Soziales Jahr, und ich würde sie gern mal besuchen“, sagt Verena Abrell. Auch sie möchte nach dem Abitur erst einmal ihren Heimatort Rohr verlassen und ins Ausland gehen. „Vielleicht mache ich auch ein FSJ, vielleicht kümmere ich mich aber auch als Aupair um die Kinder einer Gastfamilie“, sagt die 16-Jährige. Anschließend will sie dann studieren. In die Politik möchte sie aber nicht gehen, obwohl sie sich als Jugendrätin engagiert und gern ihre Ideen einbringt. „Ich möchte lieber etwas im sozialen Bereich machen“, sagt Verena Abrell. Dann muss sie wieder weiter. Ihre Handball-Mannschaft wartet.




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