Vakanz beim Ordnungsdienst Waldenbuch sucht einen Gemeindesheriff

Von Claudia Barner 

Die Stadt tut sich schwer, die Stelle des kommunalen Ordnungsdienstes zu besetzen – seit April bleiben deshalb wichtige Dinge unerledigt liegen. Und Knöllchen werden auch nicht mehr verteilt.

Knöllchen werden in der Schönbuchkommune derzeit eher nicht verteilt. Niemand will den Job machen. Foto: Claudia Barner
Knöllchen werden in der Schönbuchkommune derzeit eher nicht verteilt. Niemand will den Job machen. Foto: Claudia Barner

Waldenbuch - Chronische Falschparker, Anhänger, die wochenlang am Straßenrand stehen, Hecken, die in den Gehweg hineinwachsen, oder lautstarke Jugendliche, die den verdienten Nachtschlaf stören – wer sich nicht an die Regeln der Gemeindesatzung und der Polizeiverordnung hält, bekommt Besuch vom Vollzugsdienst der Kommune. Der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin des Ordnungsamts sorgt für Recht und Ordnung – zumindest dann, wenn die Stelle des „Gemeindesheriffs“ besetzt ist. In Waldenbuch hängt die Uniform des Vollzugsbediensteten jedoch seit April ungenutzt im Schrank. Die Suche nach einem Nachfolger für Matthias Fischer läuft zwar, doch mittlerweile wird deutlich: Geeignete Kräfte sind rar. Und das hat viele Gründe.

Wer die Stellenanzeige der Schönbuchstadt liest, kann erahnen, dass der gemeindliche Vollzugsdienst kein Honigschlecken ist. Zu den Anforderungen gehört ein „für diese Stelle erforderliches Maß an Durchsetzungsvermögen“. Außerdem wird erwartet, dass man sich „im Konfliktfall durch konsequentes Verhalten und das nötige Fingerspitzengefühl auszeichnet“.

Bewerber von außerhalb werden bevorzugt

Die Waldenbucher Ordnungsamtsleiterin Katharina Jacob kennt die Probleme. „Die Aufgabe ist schon eine Herausforderung“, sagt sie. „Handgreiflich ist bei uns zwar noch niemand geworden, aber es gibt immer wieder Leute, die laut schreiend bei mir ins Büro stürmen und sich über ihren Strafzettel oder die Verwarnung beschweren.“

Wer Menschen auf ihre Verfehlungen hinweist, gewinnt keine Sympathiepunkte. Deshalb hat es sich bewährt, Bewerber von außerhalb zu bevorzugen. „Sie brauchen bei dieser Aufgabe schon ein dickes Fell“, weiß Katharina Jacob. Auch körperliche Präsenz scheint kein Fehler zu sein, weshalb im Bewerberfeld die Männer dominieren. Da ist es nicht gerade ein Vorteil, dass die Schönbuchstadt für den Vollzugsdienst nur eine 50-Prozent-Stelle eingeplant hat. „Das schränkt den Kreis der Interessenten natürlich ein. Häufig hatten unsere Mitarbeiter noch andere Jobs, wie zum Beispiel als Fahrlehrer. Das muss einfach passen“, berichtet die Ordnungsamtsleiterin.

Weil es in Waldenbuch schon so lange nicht gepasst hat, bleiben wichtige Aufgaben seit dem Frühjahr unerledigt liegen. Die Verwarnung des Lastwagenfahrers, der wiederholt die Wohnmobilstellplätze in der Glashütte blockiert hat, wäre ebenso ein Fall für den Ordnungshüter gewesen, wie die Überwachung der Aktivitäten auf dem Roten Platz. Seit die Gemeinde vor zwei Jahren damit begonnen hatte, den Vollzugsdienst zur nächtlichen Kontrolle zum Tartan-Spielfeld neben der Schule zu schicken, waren die Beschwerden der Anwohner über Lärmbelästigung und die Vermüllung des Geländes deutlich zurückgegangen. Noch ist die Lage ruhig, doch Katharina Jacob weiß: „Auf Dauer könnte es wieder mehr Probleme geben.“

Für den Waffeneinsatz hat er keine Befugnis

Das gilt auch an anderer Stelle. Denn die Aufgaben der Vollzugsbediensteten sind vielfältig. Sie sind der verlängerte Arm des Ordnungsamts. Sie ermitteln zum Beispiel bei Verstößen gegen das Meldegesetz, verteilen Strafzettel, gehen Ruhestörungen nach, kontrollieren die Feldwege, schalten sich ein, wenn Hundebesitzer die Hinterlassenschaften ihrer Tiere nicht entsorgen, wenn illegal Plakate aufgehängt werden oder Baustellen nicht richtig abgesichert sind. Und sie schauen danach, dass die Straßen nicht als Abstellort für Anhänger missbraucht werden. „Das ist ganz besonders wichtig“, betont Katharina Jacob. Immer wieder müssten die Besitzer von Pferdeanhängern, Bootsanhängern oder Wohnwagen angemahnt werden.

Dabei sind die Mittel des Gemeindevollzugsdiensts beschränkt. Der Drucker für die Strafzettel gehört zur Standardausrüstung, doch für Festnahmen oder gar den Einsatz von Waffen hat der städtische Mitarbeiter in Uniform keine Befugnis. „Wenn solche Maßnahmen nötig sind, werden die Beamten des örtlichen Polizeipostens hinzugerufen“, klärt Katharina Jacob auf. Die Polizisten springen derzeit auch dann ein, wenn ein besonders schwerer Verstoß gegen die Polizeiverordnung der Stadt sofortiges Handeln erfordert.

„Das ist aber natürlich auf Dauer kein Zustand“, räumt die Ordnungsamtsleiterin ein. Sie hofft auf die nächste Bewerberrunde, die gerade gestartet ist. „Es wäre super, wenn wir die Stelle zum 1. Oktober wieder besetzen könnten“, sagt sie. Trotz aller Schwierigkeiten bleibt sie ihrer Linie treu: „Wir suchen jemanden mit Erfahrung. Der städtische Vollzugsdienst ist kein Ausbildungsberuf, aber es gibt mehrwöchige Kompaktlehrgänge, in denen die rechtlichen Grundlagen vermittelt werden.“ Außerdem sollten die weichen Faktoren stimmen. Bevorzugt werden Bewerber, die wortgewandt sind, gut mit Leuten umgehen können, nicht ängstlich sind und mit Augenmaß agieren.