Venezianische Messe in Ludwigsburg Fantasiegeschöpfe mit Sinn für Selbstinszenierung

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Bei der Venezianischen Messe auf dem Ludwigsburger Marktplatz präsentieren sich rund 1000 Maskenträger – und genießen die Aufmerksamkeit.

Am Abend bekommt die Szenerie einen mystischen Charakter Foto: factum/Weise
Am Abend bekommt die Szenerie einen mystischen Charakter Foto: factum/Weise

Ludwigsburg – Sie nehmen es genau. „Das sind keine Faschingskostüme“, sagt Lieselotte Kaup. Sie trägt ein Kleid in barockem Blümchenstoff, mit ausladenden Hüften und weißen Spitzensäumen an den Ärmeln. Ihr Begleiter Friedhelm Jung präsentiert einen langen Mantel aus dem gleichen Stoff, Schnallenschuhe und einen Dreieckshut. Die Gewänder sind exakt nach barocken Vorlagen geschneidert: Fast 60 Stunden lang hat die Schneidermeisterin daran gearbeitet. Man will beeindrucken auf der Venezianischen Messe in Ludwigsburg. Kein Wunder, schließlich geht es ums Präsentieren aufwendiger Kostüme, feiner Stoffe und fantasievoller Gewänder. Lange unbeachtet bleiben Kaup und Jung auch nicht. Kaum haben sie sich als Baron von Walmich samt Gattin positioniert, sind sie umringt von Besuchern, die sich beeilen, Fotos von ihnen zu schießen. Das barocke Paar genießt das sichtlich.

Dichte der Kameras dürfte die der Kostümierten übertreffen

Auch andere wissen, sich am Wochenende in Szene zu setzen. Figuren mit glitzernden Masken posieren verträumt, Fantasiegeschöpfe mit riesigen Federhüten stolzieren in edlen Roben über den Platz, mystische Gestalten breiten goldene Flügel aus, um zu beeindrucken. Die Dichte der Teleobjektive und Digitalkameras auf dem Marktplatz dürfte die der Kostümierten übertreffen – und wann immer sich ein Motiv bietet, wird abgedrückt. Wer nicht aufpasst, läuft Gefahr, auch ohne Kostüm in vielen Fotoalben verewigt zu werden.

Doch nicht alle haben monatelang auf das Großevent hingefiebert. Magda Schäfer, Emma Scholz und Andrea Röhm sind völlig unverhofft zu begehrten Fotomodels geworden. Die drei 50-Jährigen aus Nagold spielen neuerdings bei einem Bürgertheater mit. Vor wenigen Tagen wurden die Kostüme fertig, in denen sie die Hofdamen von Herzog Carl Eugen darstellen sollen. Ihre Schneiderin schickte sie damit direkt nach Ludwigsburg, damit sie sich an die Rokoko-Gewänder gewöhnen. „Und jetzt werden wir ständig fotografiert“, erzählt Magda Schäfer. Die drei strahlen vor Glück über das ganze Gesicht.

Heitere Gelassenheit bei einer guten Bilanz

Bewunderer für die etwa 1000 Maskenträger gibt es genug. Die Veranstalter kalkulierten bei einer ersten Bilanz am Sonntagmittag mit rund 25 000 verkauften Karten. Wenn sich das bewahrheitet, dürfte die Stadt mit Kosten von rund 80 000 Euro davonkommen, rechnet der Veranstaltungsleiter Martin Boy. Eine gute Bilanz, die wohl nicht zuletzt dem herrlichen Wetter geschuldet sei. Die Organisatoren sind zufrieden: Das Programm der 30 Künstlergruppen sei hervorragend gewesen, der Kunsthandwerkermarkt hochkarätig, die Stimmung angesichts der stabilen Wetterlage bei Besuchern und Darstellern von heiterer Gelassenheit.

Teils ist sie sogar ausgelassen heiter, nämlich als die Tänzer des 1. TC Ludwigsburg die Gäste nach einer Darbietung am Samstagabend zum Walzer auffordern. Doch der Wiegeschritt wird schnell eingestellt, als bunte Figuren auf dem Pendant der Rialtobrücke erscheinen. Man will das große Defilee der Kostümträger in der mystischen Atmosphäre der Lichtinstallationen nicht verpassen. Zur Freude der Protagonisten: schließlich geht es bei der Venezianischen Messe ums Präsentieren.




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