Herr Nemec, Ihre Autobiografie trägt den Titel „Miroslav Jugoslav“. Was hat es mit dem Namen auf sich?
Zusammen mit dem Verlag haben wir nach einem passenden Titel gesucht. Aber ich fand alle Vorschläge zu lang. Und dann ist mir dieser Miroslav Jugoslav eingefallen. So haben sie mich damals in Freilassing genannt, als ich als Kind in den 1960ern von Kroatien nach Deutschland gekommen bin. Ich hatte keine großen Ohren, keine Brille und war auch nicht dick. Aber für irgendetwas ziehen sie einen ja immer auf. Und bei mir war das eben meine Herkunft – Ex-Jugoslawien. Deshalb Jugoslav.
Heute sind Sie Schauspieler. Ihre Karriere sollte aber eigentlich in eine andere Richtung gehen.
Ich wollte Musiker werden. Ich habe bereits mit 15 meine eigene Schülerband gehabt. Später studierte ich Musik am Mozarteum in Salzburg. Ich war 18 und zwei Jahre dort, da sagte mir meine Professorin, dass ich einfach zu alt bin. Begabt, aber zu alt, sagte sie. Ich wollte Pianist werden. Da sollte man eigentlich ein Wunderknabe sein, und mit zwölf Jahren Tschaikowski oder Mussorgski am Klavier spielen können – nicht erst mit 18. Es war einfach zu spät.
Ist Ihnen diese Einsicht schwer gefallen?
Nein, das ist in dem Alter noch nicht so schwierig, weil man ja noch auf der Suche nach dem Richtigen ist. Aber es war schon ein einschneidendes Erlebnis. Frau Gubor, damals meine Klavierprofessorin, sagte mir, dass ich als Barpianist enden werde. Und das wollte ich ja nicht.
Sie haben dann Schauspiel studiert. Seit 1991 sind Sie als Kommissar Ivo Batic vom Münchner-Tatort bekannt. Ist es heute manchmal schwierig, nicht mehr Batic zu sein?
Ich mache sehr viele andere Sachen neben der Schauspielerei – wie Musik und die Lesungen. Aber der „Tatort“ ist sehr dominant. Die Leute nehmen mich normalerweise als Batic wahr. Aber gerade bei den Lesungen auch als Nemec. Natürlich finden die Lesungen in einem kleineren Rahmen statt – an die neun Millionen Tatort-Zuschauer reicht es nicht heran. Aber ich lebe gut mit der Tatort-Prägung. Es gibt immer wieder synergetische Effekte. Ich habe jetzt wieder Anfragen für zwei Kinofilme.
Bleibt denn neben dem Tatort überhaupt genug Zeit für andere Dinge?
Den „Tatort“ will ich vielleicht noch zwei oder drei Jahre fortführen. Es sind aber viel mehr die Kleinigkeiten, die sich läppern und mir die Zeit zukleistern. Heute nachmittag wollte ich eigentlich mit meiner kleinen Tochter spielen. Aber dann führt man doch wieder ein Interview oder muss zu einem Termin fahren.
Am Samstag fahren sie nach Münchingen. Was können die Besucher von der Vorstellung erwarten?
Ich lese natürlich aus meiner Biografie, aber es geht auch ein wenig über das Buch hinaus. Ich erzähle Anekdoten von früher und werde singen, unter anderem auch kroatische Musik. Mein Vater stammt vom Landesinneren, da gibt es ein paar lustige Trinklieder. Und schließlich spiele ich noch ein paar Stücke aus meiner Rockband-Zeit.
Und was erwarten Sie von Münchingen?
Ganz in der Nähe von Ludwigsburg wohnt ja die Familie meiner Ehefrau. Zur Vorstellung werden auch meine Schwiegermutter und meine Schwägerin kommen. Ansonsten wünsche ich mir, dass ich bei dem Wetter hoffentlich nicht zu lange zwischen den Zugverbindungen warten muss.