Stuttgart - Wie lässt sich mehr Natur in die Städte bringen? Der Verband der Garten- Landschafts- und Sportplatzbauer Baden-Württemberg (VGL) hat für die Stadt Stuttgart einen ganz konkreten Vorschlag: „Man sollte sich für die Bundesgartenschau 2035 bewerben“, sagt Verbandsgeschäftsführer Reiner Bierig.
Wie die Buga in Heilbronn gezeigt habe, gehe es bei diesen Veranstaltungen längst nicht mehr darum, Schnittblumen in Stellung zu bringen und Balkonpflanzen zu Höchstleistungen zu trimmen. Es handele sich um nachhaltige Mobilitäts- und Wohnkonzepte und es gehe darum, wie Städte dichter und gleichzeitig grüner werden können. Man könne mit einer Buga nicht nur den Neckar beispielsweise entlang der Uferstraße neu ins Bewusstsein rücken, sondern es wäre auch eine Chance zur positiven Stadtentwicklung. „Dann hätten wir auch mal andere Themen als Feinstaub und Baustellen, und das wäre auch gut für das Selbstwertgefühl der Bürger“, sagt Reiner Bierig.
Buga in Stuttgart – da war doch was?
Die Buga war in Stuttgart lange eine lieb gewonnene Tradition. 1961 und 1977 war die Landeshauptstadt Ausrichter – 1993 fand sogar die Internationale Gartenausstellung hier statt. Es wäre für Bierig und seine Mitstreiter deshalb an der Zeit, dass sich Stuttgart wieder in diese Richtung positioniert. Im OB-Wahlkampf hätte der eine oder andere Kandidat durchaus Interesse signalisiert. Bislang habe es vom neuen Amtsinhaber Frank Nopper aber noch keine Reaktion gegeben.
Aber auch im Hier und Jetzt hat der Verband konkrete Vorstellungen und Forderungen an die Politik, um mehr Grün in die Städte zu bringen. „Global denken, aber lokal handeln, das ist die Marschrichtung, die wir von der Politik in Sachen geplante grüne Infrastruktur fordern“, sagt Bierig. In den 80er Jahren beispielsweise sei Stuttgart bundesweit ein Vorreiter in Sachen Dachbegrünung gewesen. Jetzt hinke man hinterher. Das gelte auch für vertikale Begrünungen an Gebäuden. Aber auch in öffentliche Grünflächen müsste in Pandemie-Zeiten mehr investiert werden, gerade für Menschen, die sich keinen eigenen Garten leisten können. „Die Maßnahmen gegen den Klimawandel sollten aus mehr als Photovoltaik und E-Mobilität bestehen“, sagt Bierig.
Mitgliederzahl auf Rekordniveau
Die Branche selbst erweist sich in der Pandemie als sehr stabil. Die Mitgliederzahl ist auf das Rekordniveau von 802 Betrieben gestiegen und 1,78 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2020 entsprechen einem Zuwachs von mehr 5 Prozent im Garten- und Landschaftsbau. Dabei sind die privaten Hausgärten im Ländle mit einem Anteil von 62 Prozent der größte Wachstumstreiber. Kein Wunder – noch nie waren Gärten und Parkanlagen so wichtig wie jetzt. „Der Garten ist quasi Urlaubsziel Nummer eins, sei es zur Erholung oder um gesunde Ernährung zu produzieren“, sagt Bierig und schiebt das Graden Office noch hinterher. Die Kommunen hingegen reagierten zurückhaltender. Dabei müssten sie jetzt in die Zukunft investieren, um die Folgen des Klimawandels abzufedern und die noch funktionierende Branche trotz der Pandemie mit sinnvollen Investitionen vor der Kurzarbeit zu schützen.
Positiv bewertete der VGL das Verbot von Schottergärten durch die baden-württembergische Landesregierung. Zusammen mit dem Umweltministerium produzierte der Verband die Broschüre „Grüne Gartenvielfalt – jeder Quadratmeter zählt“, um mehr Biodiversität in die Gärten zu bringen. Während Stuttgart also noch auf die Gartenschau warten muss, soll nach derzeitigem Stand vom 9. April bis zum 27. Oktober die Landesgartenschau in Überlingen ihre Tore öffnen. Ein strenges Hygienekonzept und ein Ampelsystem, das die Besucherströme reguliert, sollen die Veranstaltung möglich machen. Besucherinnen und Besuchern rät Uschi App, die stellvertretende Vorstandsvorsitzende der VG, Tickets online zu buchen und hält zwischenzeitliche Schließungen nicht für ausgeschlossen.