Verbandsliga-Fußballer Shkemb Miftari Vermasselt der Ex Calcio den Meistertitel?

In der vergangenen Saison noch im Calcio-Trikot, nun für den Gegner Türkspor Neckarsulm auf Torejagd: Shkemb Miftari. Foto: Archiv Günter Bergmann

Der Torjäger Shkemb Miftari kehrt mit Türkspor Neckarsulm an seine alte Echterdinger Wirkungsstätte zurück. Was er empfindet, wer sein Titelfavorit ist und wie er seinen Ex-Verein heute sieht.

Für insgesamt zehn Vereine bis hinauf zur dritten Liga hat Shkemb Miftari in den vergangenen 14 Jahren die Kickstiefel geschnürt. Exakt 114 Pflichtspieltreffer hat der gebürtige Niederbayer mit kosovarischen Wurzeln in 299 Partien bisher erzielt. Und an diesem Samstag (15.30 Uhr) könnte er nun seinem Ex-Verein Calcio Leinfelden-Echterdingen die Titelträume in der Verbandsliga versauen. Mit Türkspor Neckarsulm ist Miftari an alter Wirkungsstätte zu Gast. Tabellenzweiter gegen Tabellendritter – auch deshalb ein Duell mit Brisanz. In unserem Interview spricht der 30-jährige Rückkehrer über das Aufstiegsrennen und die aktuelle Begegnung.

 

Herr Miftari, was löst eine Rückkehr nach Echterdingen bei Ihnen aus?

Das ist für mich immer wieder ein überragendes Gefühl. Das ist mein Sportgelände, das sind alles meine Jungs, von den Spielern über die Trainer bis hin zu den Verantwortlichen. Ich kann nicht verhehlen, dass mein Herz für diesen Verein schlägt.

Und trotzdem wollen Sie „ihren Jungs“ am Samstag mit einem Sieg kräftig in die Suppe spucken?

Natürlich. Dafür sind wir Sportsleute, dass wir jedes Spiel gewinnen wollen, auch wenn es gegen die besten Kumpels geht. Ich trage jetzt das Neckarsulmer Trikot, nicht das Echterdinger. Im Hinspiel habe ich nach einem 0:3-Rückstand mit meinem Tor schon die Wende eingeläutet (Anmerkung der Redaktion: am Ende dann 4:4), und diesmal will ich nach 90 Minuten der sportliche Sieger sein – ehe wir uns danach alle in die Arme fallen und zusammen einen trinken gehen.

Welche Faktoren werden die Begegnung entscheiden?

Das Geschick und das Glück im Torabschluss. Calcio und wir sind zwei technisch versierte Mannschaften mit hervorragenden Fußballern, die alle eine sehr feine Klinge spielen können. Wer deutlich weniger Gegentore fängt als im Hinspiel, wird sich durchsetzen.

Calcio befindet sich mit dem SV Fellbach in einem Fernduell um den Meistertitel. Wie sehen Sie die Chancenverteilung?

Der SV Fellbach, für den ich ja auch schon gespielt habe, absolviert eine überragende Saison und hätte den Meistertitel absolut und ohne jeden Zweifel verdient. Aber auch an Calcio als Erstem wäre nichts falsch, weil sie in dieser Saison die Big Points holen, die wir vergangene Saison noch liegen gelassen haben, als ich selbst in Echterdingen war. Ich würde sagen, kleiner Vorteil für Fellbach, weil sie alles in eigener Hand haben und auch nicht mehr gegen uns spielen müssen.

Ihr aktueller Club Türkspor war lange selbst ganz vorne mit dabei. Was ist dann passiert?

Das Ausscheiden im WFV-Pokal-Viertelfinale gegen den TSV Buch hat bei uns alles verändert. Da wurde ein Schalter in unseren Köpfen umgelegt. Von da an waren die Ergebnisse und die Stimmung im Team schlecht. Das spielerische Potenzial, um selbst bis zum Ende um den Titel mitzuspielen, war absolut da.

Das Ganze gipfelte dann vor zwei Wochen in einem erneuten Trainerrauswurf, dem bereits zweiten dieser Saison. . .

Wir haben eine starke Saison gespielt, und Platz drei wäre für uns als Aufsteiger immer noch ein enormer Erfolg. Trotzdem war natürlich ein riesengroßer Druck auf Mannschaft und Coaches da, weil wir sehr viele höherklassig erfahrene Spieler im Kader haben, die nichts anderes tun, als nur Fußball zu spielen. Unsere beiden neuen Spielertrainer, von denen Marco Di Biccari ja auch eine Calcio-Vergangenheit hat, machen das seit ihrer Berufung aber klasse.

Falls Fellbach verzichtet, würde Platz drei noch für die Aufstiegsspiele reichen. . .

Ich kenne natürlich die ganzen Gerüchte um die finanziellen Probleme des SV Fellbach und weiß, dass ihnen schon einige Spieler den Rücken gekehrt haben. Ob sie zurückziehen und somit tatsächlich noch ein Platz frei wird, kann ich nicht beurteilen. Wir würden diese Chance natürlich sehr gerne annehmen und noch aufsteigen wollen.

Wie sehr sind Sie mit der eigenen Saison zufrieden?

Ich habe eine gute Saison gespielt, aber keine optimale, was auch an Verletzungsproblemen mit der Wade liegt. Mein Ziel waren 20 Saisontore, jetzt stehe ich bei 15. Aber wir haben ja noch zwei Spiele (lacht).

Wohin führt ihr persönlicher Weg in der nächsten Spielzeit?

Ich werde in den nächsten Wochen Gespräche mit Türkspor führen und bin noch nach allen Seiten offen. Allerdings wohne ich noch immer in Stuttgart, und das ist schon eine anstrengende Fahrerei nach Neckarsulm.

Was zurück zum Thema Calcio bringen könnte? Dreimal waren sie dort ja schon engagiert.

Dieser Verein ist für mich immer eine Option, auch für eine dritte, vierte oder fünfte Rückkehr. Gespräche gibt es immer auf allen Ebenen, nicht zuletzt über Whatsapp mit den Spielern Joao Schick, Nedim Pepic und Josip Pranjic. Calcio ist allerdings nur eine Option von vielen, wobei die als Oberligist natürlich schon sehr reizvoll für mich wären.

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